Hammerbrook

Kollektives Zentrum: Verhärtete Fronten im Münzviertel

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Das Kollektive Zentrums (KoZe) im Münzviertel

Das Kollektive Zentrums (KoZe) im Münzviertel

Foto: Roland Magunia

Polizeieinsatz am Kollektiven Zentrum dauert an. Besetzer sprechen von Provokation der verantwortlichen Finanzbehörde.

Hammerbrook. Der Polizeieinsatz am Innenhof des besetzten Kollektiven Zentrums (KoZe) im Münzviertel dauert noch immer an. Den dritten Tag in Folge standen am Mittwoch Beamte der Bereitschaftspolizei zum Schutz vor einem Bauzaun auf dem Gelände der angrenzenden Gehörlosenschule. Ein Lichtmast wurde errichtet, der das Gelände auch nachts großflächig ausleuchten kann. Die Besetzer sehen darin eine weitere Provokation der verantwortlichen Finanzbehörde.

„Es soll nun mit jeder erdenklichen Möglichkeit dafür gesorgt werden, dass die Lage eskaliert“, sagte ein Sprecher des KoZe dem Abendblatt. So schaffe der Stromgenerator des Lichtmastes eine Geräuschkulisse, die auch den Nachbarn in der Norderstraße an die Nerven gehe. Die Besetzer des KoZe errichteten einen eigenen Zaun, einzelne von ihnen versuchten, den Bauzaun am Nachbargelände zu beschmieren und zu zerstören. Die Besetzer versammeln sich in großer Zahl auf dem Hof und stehen den Polizisten Tag und Nacht gegenüber. „Wir würden die Beamten sehr gern dort abziehen können. Aber die Gefahr von Straftaten ließ dies bislang nicht zu“, sagte ein Polizeisprecher. Inzwischen hat zusätzlich auch ein privater Sicherheitsdienst an dem Zaun Stellung bezogen.

Nach monatelangen Gesprächen zwischen Politik und Besetzern sind die Fronten in dem Konflikt seit dieser Woche erneut verhärtet. Die Finanzbehörde möchte umgehend mit der Schadstoffsanierung und dem Abriss der ehemaligen Gehörlosenschule beginnen, „perspektivisch“ soll auch das besetzte Kita-Gebäude des KoZe für den Bau von insgesamt 400 Wohnungen durch den Investor HBK weichen. Die Autonomen des KoZe verfügen jedoch zumindest für einen Teil der genutzten Fläche über einen Mietvertrag und haben die Zwischennutzung einer weiteren Fläche beantragt.

Den gemeinsamen Innenhof mit der ehemaligen Gehörlosenschule nutzen sie dagegen ohne Genehmigung. Die Stadt argumentiert, dass das KoZe mit dem Nachbargebäude nichts zu schaffen habe und einem Abriss nicht im Weg stehen dürfe. „Nachts sollte auf dem Hof ohnehin niemand sein. Wer sich jetzt an dem Lichtmast stört, sollte eben woanders schlafen“, sagte Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde. Das Vertrauen in die Friedlichkeit der Besetzer reiche „bei weitem nicht aus, um ohne Sicherheitsmaßnahmen mit der Sanierung zu beginnen“. Mitglieder anderer linker Gruppierungen, beispielsweise aus dem Gängeviertel, haben dem KoZe dagegen ihre Solidarität zugesichert.

( crh )

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