Neues Buch

„Erziehung muss nicht anstrengend sein“

Uta Allgaier ist Journalistin, Elterntrainerin und Bloggerin – jetzt hat sie ein Buch mit Erziehungstipps geschrieben

Uta Allgaier ist Journalistin, Elterntrainerin und Bloggerin – jetzt hat sie ein Buch mit Erziehungstipps geschrieben

Foto: Andreas Laible / HA

Uta Allgaier plädiert beim Großziehen der Kinder für Leichtigkeit. Darüber hat die Hamburger Journalistin jetzt ein Buch geschrieben.

Hamburg.  Wer seine 17 und 14 Jahre alten Kinder „Kronprinz“ und „Prinzessin“ nennt und sie das auch noch wissen lässt, ernennt sich wohl selbst zum persönlichen Kammerdiener der Pubertierenden. So könnte man denken und kopfschüttelnd auf Uta Allgaier blicken. Und dann würde man noch einmal die Einträge auf ihrem Blog anschauen und wieder den Kopf schütteln, weil man feststellt, dass sich „Kronprinz“ und „Prinzessin“ ziemlich vorbildlich benehmen und, mitunter zwar nach Mitternacht, durchaus bereit sind, Hausarbeit zu übernehmen.

Aus dem Blog „Wer ist eigentlich dran mit Katzenklo?“ hat die Journalistin, die sich zur Elterntrainerin weiterbilden ließ, nun ein Buch gemacht. Die Begeisterung für das Thema begann mit der Geburt ihres Sohnes. „Suchtartig“ habe sie Erziehungsratgeber verschlungen und sich dabei manchmal geärgert. Zum Beispiel über das Buch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“. „Das wirkt, als sei Erziehung nur anstrengend und entspricht gar nicht meiner Haltung“, sagt sie.

In „Doch! Erziehen kann leicht sein“ beschreibt Allgaier Situationen, die sie mit ihren Kindern erlebt, und gibt am Ende jedes Kapitels Tipps. Das Buch ist am 6. August beim Hamburger Ellert & Richter Verlag erschienen. Manchmal sind die Anekdoten sehr persönlich, deshalb die Codenamen „Kronprinz“ und „Prinzessin“. „Daran sieht man wohl, dass ich auch einen an der Klatsche haben, was meine Kinder angeht“, sagt Allgaier, die früher neben ihrem Sohn auf Knien die Treppen zur Wohnung hochkroch, um seine motorische Entwicklung zu unterstützen.

„Ich wollte unbedingt die Individualität der Kinder berücksichtigen und ging irgendwann selbst auf dem Zahnfleisch“, sagt Uta Allgaier. Sie machte ein Persönlichkeitstraining, entdeckte ihre eigenen Interessen wieder, und plötzlich war die Stimmung in der Familie entspannter. „Gelassenheit ist ganz wichtig. Das Schönste ist es für mich, wenn ich merke, dass etwas, über das ich gegrübelt habe, plötzlich von selbst aufgehört hat.“ Ihr Tipp: Wenn sich Eltern über das Verhalten ihrer Kinder Sorgen machen, sollten sie es aufschreiben. „Wenn man sich die Notiz später ansieht, wird manchmal erst klar, dass die Marotte vorbeigegangen ist, ohne dass man es gemerkt hat.“ Wie die Sache mit dem Frühstück. „Kronprinz“ weigerte sich, morgens zu essen, kaufte stattdessen jeden Mittag Döner. Allgaier nahm es zähneknirschend hin, bis er eines Tages plötzlich von selbst feststellte, dass es ihm mit Frühstück besser ginge.

Zugegeben, das klingt nach keinem schwerwiegenden Problem. Vielleicht hat Uta Allgaier auch einfach Glück mit ihren Kindern, die sich schon irgendwie immer benehmen. Das sei die Frage „nach Huhn und Ei“, die sie sich auch schon gestellt habe, sagt die 50-Jährige. „Vielleicht sind meine Kinder aber auch, wie sie sind, eben weil wir ihnen mit Respekt begegnen.“

Diese Gelassenheit war nicht immer da. „Am schwierigsten war für mich die Zeit zwischen Kindergarten und Grundschule“, sagt Allgaier, die aus Bottrop kommt, während des Journalistikstudiums in Dortmund ihren Mann kennenlernte und mit ihm nach Frankfurt zog. In Hamburg kam dann der „Kronprinz“ zur Welt, die „Prinzessin“ bei Paris, wo die Familie für ein Dreivierteljahr lebte. Zurück in Hamburg sollte der Sohn eingeschult werden, mit fünf Jahren. Er kam mit der Lehrerin nicht zurecht, die ihn für hyperaktiv hielt, und wachte nachts schreiend auf. „Ich wollte alles perfekt machen und wurde komplett zurückgeworfen“, sagt Allgaier, die ihren Sohn schließlich ein Jahr später noch einmal einschulen ließ.

Dagegen hält sie das jetzige Alter ihrer Kinder für entspannt. „Wenn die ersten zehn Jahre in der Erziehung gut laufen, dann muss die Pubertät nicht schwer werden.“ Nur den Kontakt zu den Kindern dürfe man nicht verlieren. Ihren Mann hat sie dabei auf ihrer Seite. Gerade hat er mit 50 Jahren Reiten gelernt, um seine Tochter auf einen Ausflug zu begleiten. Schwierig sei eher die Frage, wann die Kinder abends zu Hause sein müssen. Da wird sie manchmal mit ihren eigenen Waffen geschlagen. „Prinzessin“ erinnerte ihre Mutter unlängst daran, dass sie auf ihrem Blog über Janusz Korczaks Forderung nach dem „Recht des Kindes auf den eigenen Tod“, also dem Recht auf eigene Erfahrungen und Risiken, geschrieben hatte. Uta Allgaier postet solche Momente dann auf ihrem Blog. „Ich habe festgestellt, dass die Einträge, in denen ich meine Zweifel teile, am besten funktionieren“, sagt sie. „Der Blog ist für mich auch eine Hilfe zur Selbstreflexion.“

Mitunter erfordert die Leichtigkeit Geduld. Wie mit dem Katzenklo. Wer dran ist, klärt sich zwar schnell. Bis die Karte, die das regelt, von einer Zimmertür zur nächsten weitergereicht wird, kann es aber manchmal dauern. Auch bis nach Mitternacht. Kein Grund zur Aufregung.

Uta Allgaiers 240-seitiger Erziehungsratgeber ist beim Hamburger Ellert & Richter Verlag erschienen. Das Hardcover-Buch kostet 14,95 Euro