Hamburg

Löst der virtuelle Dolmetscher alle Sprachprobleme?

Die Übersetzung mündlicher und schriftlicher Texte kostet die europäischen Steuerzahler rund zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor: Sie fahren von Alaska im Norden Amerikas bis nach Kap Hoorn an der Südspitze Chiles. Sie durchqueren hierbei 38 verschiedene Länder und bräuchten doch lediglich drei Sprachen um sich überall zu verständigen – Englisch und Spanisch sowie in Brasilien Portugiesisch. Stellen Sie sich jetzt einmal vor, Sie reisen durch die 28 Länder der Europäischen Union, also einem zehnmal kleineren Gebiet. Hier müssten Sie sich mit 24 Sprachen auseinandersetzen. In genauso viele Sprachen werden übrigens auch alle offiziellen EU-Papiere und Reden in Brüssel und Straßburg übersetzt – die Vereinten Nationen beschränken sich dagegen auf lediglich sechs Sprachen. Die Übersetzung mündlicher und schriftlicher Texte kostet die europäischen Steuerzahler rund zwei Milliarden Euro pro Jahr, wobei mit der geplanten Erweiterung der Europäischen Union die Kosten für Dolmetscher weiter steigen werden, da es kaum einem Neumitglied schlüssig erklärt werden kann, weshalb seine Landessprache keine offizielle Amtssprache der EU werden sollte.

Nun gibt es zweifellos gute Gründe dafür, auch zukünftig die Sprachenvielfalt in Europa beizubehalten. Angefangen über den Grundsatz der Union: „In Vielfalt geeint“ über die Tatsache, dass Sprache nicht nur ein Kommunikationsmittel ist, sondern auch Teil der jeweiligen Landeskultur.

Nun werden auch zukünftig nur die wenigsten von uns über die Muttersprache hinaus mehr als ein oder zwei Fremdsprachen gut beherrschen. Möchten wir also in Zukunft besser über unsere Landesgrenzen hinweg kommunizieren, benötigen wir hierfür eine technische Lösung. Mehr als vier von fünf Hamburgern erwarten die Entwicklung eines entsprechenden alltagstauglichen Übersetzungsprogramms bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts. Die Wahrscheinlichkeit, dass uns solch ein virtueller Dolmetscher 2030 zur Verfügung steht, ist recht hoch.

Mit über einer Milliarde Übersetzungen pro Tag ist der Google Translator der beliebteste Universalübersetzer. Dieser erfasst die gesprochenen Laute von 90 verschiedenen Sprachen – von Albanisch bis Zulu –, verschriftlicht diese und gibt die Übersetzung bei Bedarf auch akustisch wieder. Daneben bietet die entsprechende App für das Smartphone eine Word-Lens-Funktion an, die die Handykamera benutzt, um Straßenschilder, Speisekarten oder Ähnliches zu scannen und sie dann auf dem Handybildschirm auf Deutsch erscheinen zu lassen. Hört sich im ersten Moment wie Science-Fiction an, funktioniert aber völlig problemlos. Ein anderes interessantes Programm ist der Skype Translator, der Simultanübersetzungen von Gesprächen in sechs verschiedene Sprachen anbietet.

Mein Ausblick: Unterschiedliche Sprachen hindern uns seit dem Turmbau zu Babel oftmals daran, globale Projekte zu realisieren. Google, Microsoft und Co. sind dabei, diesen göttlichen Fluch zu beenden. Zwar ist die derzeitige Qualität der elektronischen Simultanübersetzer noch nicht viel mehr als eine wörtliche Übersetzung, und bis komplexe wissenschaftliche Texte, Gedichte oder emotionale Varianten des sprachlichen Ausdrucks sinngetreu von der einen in die andere Sprache übersetzt werden, werden sicherlich noch etliche Jahre vergehen. Aber die Programme ermöglichen schon heute eine Kommunikation, die vor wenigen Jahren noch als utopisch abgetan wurde. Jedoch sollten wir uns nicht gänzlich auf die technische Entwicklung verlassen, sondern diese vielmehr als Ergänzung zu unseren erlernten Fremdsprachenkenntnissen sehen. Denn auch zukünftig werden wir nicht bloß über ein Computerprogramm miteinander kommunizieren, sondern persönlich miteinander reden müssen, um so einander wirklich zu verstehen.