Konsumententracking

Ich weiß, was du morgen kaufen möchtest

Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt: Es entstehen für uns durch Konsumententracking stetig mehr Chancen, doch wachsen auch die Risiken.

Wenn wir bei Amazon, Ebay oder einem anderen Versandhaus etwas bestellen, geben wir geradezu selbstverständlich unseren Namen, unsere Adresse und unsere Kreditkarteninformationen weiter. Wir wissen, dass unsere Daten dort gespeichert werden, um uns von Zeit zu Zeit Werbung schicken und ähnliche Produkte anbieten zu können. Damit scheinen die meisten von uns einverstanden zu sein, sonst würden wir ja nicht so leichtfertig mit unseren Daten umgehen. Wie aber sieht es aus, wenn es um die Datenspeicherung durch den stationären Handel geht? Wenn also Aldi oder H&M, Karstadt, Saturn oder Douglas Informationen über uns speichern würden? Die Mehrheit von uns wird jetzt wahrscheinlich sagen, dass dies ja gar nicht geht – und sich damit irren. Technisch ist es längst möglich, lediglich rechtliche Fragen werden bei uns noch diskutiert. In den USA ist die Entwicklung des Konsumententrackings bereits weit fortgeschritten und vielerorts erfolgreich im Einsatz.

Dieses funktioniert wie folgt: Fast jeder besitzt ein Handy, welches permanent eine WLAN-Verbindung sucht. Hierbei werden Signale gesendet, die einfach zu orten sind und an denen man Position und Verhalten des Handybesitzers ablesen kann: Wer war vorher noch bei der Konkurrenz? Wie lange wird vor einem Schaufenster verweilt? Und wo genau im Laden halten sich die Kunden am liebsten auf?

Einige mögen sich jetzt fragen, was denn schlimm daran ist, wenn die Ladenbesitzer wissen, welche Werbung man ansprechend findet. Im Idealfall könnten diese die Daten sogar nutzen, um z. B. ihr Personal entsprechend des Kundenandrangs einzuteilen. Es ist aber auch ein Schritt auf dem Weg zum gläsernen Konsumenten. Sogar noch einen Schritt weiter gehen alle, die sich in von Geschäften kostenlos bereitgestelltes WLAN einloggen. Auf den ersten Blick scheint es wie ein netter Service, jedoch geschieht es nicht ganz uneigennützig. Denn hierdurch lassen sich E-Mail-Adresse, Surfverhalten und selbst Einträge bei Facebook und Co. ermitteln. Und noch gläserner werden all diejenigen, die bargeldlos bezahlen. Hier erhalten Läden, Supermärkte und Einkaufshäuser den Namen des Kunden, können in Sekunden das aktuelle Kaufverhalten mit dem vergangenen abgleichen und entsprechend reagieren, indem z. B. auf Sonderangebote hingewiesen wird.

Wie gesagt, in den USA gehört diese Praxis schon zum Alltag. Was aber erwartet die Bevölkerung hierzulande? Mehr als vier Fünftel von uns glauben fest daran, dass sich diese Methode des Werbens auch bei uns in spätestens zwei Jahrzehnten durchgesetzt haben wird. Vertreter der jüngsten und der ältesten Generation sind sich dieser Entwicklung nicht ganz so sicher wie die der mittleren. Und: je höher das Einkommen und die Bildung, desto überzeugter ist man von der Transparenz des eigenen Kaufverhaltens.

Mein Ausblick: Es entstehen für uns stetig mehr Chancen, doch wachsen auch die Risiken. Positiv ist sicherlich, dass Beratung und Angebote persönlicher und treffsicherer werden. Das spart Zeit und ist von vielen sogar gewünscht. Zu den Herausforderungen zählt jedoch ganz klar die Datensicherheit. Die muss einerseits rechtlich geklärt, andererseits muss auf unsere Eigenverantwortung explizit hingewiesen werden.

P.S. Wie weit das Konsumententracking gehen kann, zeigte das Beispiel einer 17-Jährigen aus Florida. Diese kaufte eine besonders schonende Körperlotion, die nicht so stark von der Haut aufgenommen wird. Das Computerprogramm errechnete, dass das Mädchen schwanger sein musste, und schickte per Post Gutscheine für Babykleidung und Windeln. So erfuhren die Eltern die Neuigkeit vom Supermarkt und nicht von ihrer Tochter.