Sportunternehmen

Die Clubhaus AG plant Golfplätze für Großstädter

Clubhaus-Chef
Alexander Freiherr von Spoercken sammelt über Crowdfunding Kapital für eine neue Anlage ein

Clubhaus-Chef Alexander Freiherr von Spoercken sammelt über Crowdfunding Kapital für eine neue Anlage ein

Foto: Michael Rauhe

Das Unternehmen aus Lüdersburg projektiert Anlagen nahe den deutschen Metropolen. Auch Hamburg hat sie im Visier.

Lüdersburg. Der Mann mit der Motorsense stört den Abendblatt-Termin. Alexander Freiherr von Spoercken steht von seinem Stuhl auf der Terrasse auf, geht quer durch das Blumenbeet zu dem Arbeiter und bittet ihn, seinen Job später fortzusetzen. Das Zwitschern der Vögel ist wieder zu hören. Grün so weit das Auge reicht. Blauer Himmel. Idylle pur auf dem Golfplatz in Lüdersburg nahe Lüneburg. Schön – aber eine Autostunde von Hamburg entfernt. Dies schreckt viele Städter ab. Die vom Freiherr geführte Clubhaus AG hat deshalb das Konzept Golfcity entworfen, um den Sport besser mit den Metropolen zu verzahnen. „Wir versuchen, näher an die Stadt und an die Menschen heranzukommen“, sagt der 68-Jährige.

Vor sechs Jahren ging die erste Anlage in Pulheim bei Köln in Betrieb. Statt 18 Löchern werden nur neun gespielt. Die Anlage ist 30 Minuten Fahrzeit vom Stadtzentrum entfernt. Beides spart Zeit. Wer Driver und Putter schwingen will, muss nicht Mitglied sein, sondern kann flexibel nach seinen Bedürfnissen zahlen. „Die Leute wollen unabhängig sein“, sagt der Bankkaufmann, der in den USA ein Business-Studium abschloss.

Das Konzept mit weniger Regularien und lockerem Umfeld kam an. „Wir bringen dort jedes Jahr 800 Menschen neu zum Golfsport“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Clubhaus AG, einem der führenden deutschen Entwickler und Betreiber von Golfplätzen. Dabei wirkte das Gelände zunächst abschreckend auf ihn. „Als ich das erste Mal in Pulheim war, dachte ich, da kann man nicht Golf spielen“, sagt von Spoercken. Das Gebiet wird von einer ICE-Strecke, der Umspannanlage Brauweiler, einem Neubaugebiet und einer viel befahrenen Straße umgrenzt. Die Kunden stört es offenbar nicht. „Die Leute wünschen, in der Stadt zu sein.“ Das Unternehmen hat sich schon ein weiteres Grundstück in der Nähe gesichert und eine Genehmigung für die zweite Anlage erhalten. Auch im Berliner Westen sind in Seeburg die Planungen für eine Golfcity auf derselben Stufe. Zunächst bündelt das 100 Mitarbeiter starke Unternehmen aber die Kräfte im aktuellen Projekt.

In Puchheim bei München entsteht die zweite Golfcity. Per Crowd-funding will das Unternehmen 750.000 Euro für den zweiten Bauabschnitt sammeln. Davon sollen Driving-Range und Übungsflächen sowie sechs Bahnen des Standardplatzes bezahlt werden. „Golfcity ist ein junges, innovatives Konzept in der traditionell eher altbacken anmutenden Golfszene – da passt Crowdfunding“, sagt von Spoercken. Offenbar sehen das auch die Anleger so. Mehr als 600.000 Euro haben sie bereits gegeben, noch gut zwei Monate läuft die Finanzierungsrunde.

Die Zahl der Golfspieler in Deutschland nimmt kontinuierlich zu

Dabei gilt Crowdinvesting generell als riskante Geldanlage, weil der Totalverlust des gesamten Einsatzes droht. Die Verzinsung von vier Prozent garantiert plus ein bis zwei Prozent variabler Erfolgsvergütung erscheint im mageren Zinsumfeld aber attraktiv. „Wir wollen den Zins unseren Kunden zugutekommen lassen, nicht den Banken“, sagt von Spoercken zur Begründung für den Finanzierungsweg. Zwei Drittel der Investoren seien zuvor schon Clubhaus-Kunde gewesen. Statt mühsamer Verhandlungen mit den Geldinstituten schätze er die intensive Diskussion mit ihnen. „Ich habe das Gefühl, da wird etwas gemeinsam geschaffen.“ Im nächsten Frühjahr soll der Golfschläger auf dem knapp drei Millionen Euro teuren Platz geschwungen werden.

Das Potenzial für weiteres Wachstum sieht die Clubhaus AG gegeben, die rund zwölf Millionen Euro Umsatz pro Jahr erzielt und laut von Spoercken profitabel ist. Die Zahl der Golfer nehme kontinuierlich zu. 640.000 Spieler gebe es in der Bundesrepublik, 700.000 Sportler griffen gelegentlich zum Schläger. 7,3 Millionen Deutsche könnten sich vorstellen, Golf zu spielen.

Auch in der Elbmetropole würde das Unternehmen gern Fuß fassen. Hamburg sei ein guter Standort, die Bevölkerung sehr golfaffin. „Wir haben schon viele Flächen angeschaut. Gereizt hätte mich das Gelände der Galopprennbahn in Horn“, sagt von Spoer­cken, das von Größe und Lage ideal gewesen wäre. Mindestens 25 Hektar sind nötig, ein guter Zugang zum öffentlichen Nahverkehr erwünscht, damit die Kunden aufs Auto verzichten können. Gepasst hat es noch nicht. Solange die Firma keinen Platz in Hamburg gefunden hat, hofft sie auf viele Hamburger, die den Weg nach Lüdersburg finden. Denn das erste Standbein der Clubhaus Holding sind die Premium-Golfplätze. Neben Schloss Lüdersburg gehört auch Schloss Nippenburg bei Stuttgart dazu. 6000 Mitglieder haben beide Vereine, weitere 6000 Mitglieder für andere Clubs betreut die nach Golfcity dritte Tochter Deutsche Golf Marketing (DGM). Tendenz steigend. Schließlich kommen jedes Jahr 50.000 neue Spieler in Deutschland hinzu. Das Ziel des Chefs: „Wachstum in allen Bereichen.“