Verkehr

Laternen als Zapfsäule? Hamburg zögert

Die Straßenlaterne
als Tankstelle – in
Berlin wird das
zurzeit getestet

Die Straßenlaterne als Tankstelle – in Berlin wird das zurzeit getestet

Foto: Ubitricity

Wirtschaftsbehörde lehnt Modellversuch ab und will Ergebnisse aus Berlin abwarten. Die FDP kritisiert die Entscheidung.

Hamburg. Beim Ausbau der Stromtankstellen wird Hamburg vorerst auf umgerüstete Laternenmasten verzichten – trotz entsprechender Vorstöße aus den Bezirken und von der FDP, die die Entscheidung für falsch hält. Während andere Städte die Straßenbeleuchtung zu Testzwecken anzapfen und als Ladestation für batteriebetriebene Autos nutzen, ist die hiesige Verkehrsbehörde skeptisch. Das Modell erhält in der Hansestadt zunächst eine Absage.

Einen aktuellen Vorstoß im Bezirk Eimsbüttel hat die Behörde von Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) jetzt geprüft und zurückhaltend bewertet. Demnach sei nur ein geringer Teil der 13.500 Eimsbütteler Laternen technisch für Elektromobilität geeignet, bestenfalls kämen diese als Ergänzung der geplanten Ladeinfrastruktur infrage. Der Senat, so die Behörde, verfolge weiter vordringlich die in seinem Masterplan vorgesehenen herkömmlichen Stromtankstellen. Laut Plan soll bis zum Jahr 2016 das Netz der Ladestationen in allen sieben Bezirken auf 600 Standorte anwachsen.

„Es gibt bei Laternen als Zapfsäulen kein Dafür und kein Dagegen“, sagt Behördensprecherin Susanne Meine­cke. Nach einem Antrag der FDP-Fraktion in der Bürgerschaft habe der Senat die Ladetechnik eingehend geprüft. Ergebnis: „Eine direkte Umsetzung von Stromtankstellen an Lichtmasten gibt es derzeit nicht“, so Meinecke. Denn eine Schnellladung, welche im Masterplan Lade-Infrastruktur einen großen Stellenwert einnimmt, sei mit Lichtmasten nicht möglich.

Mehrere Anbieter konkurrieren derzeit auf dem Markt der Lichtmasttechnologie, unter anderem hat BMW eine eigene Ladelaterne entwickelt, Start-ups wie Ebee oder Ubitricity, die ihr Modell in Berlin testen, verfolgen ebenfalls das System Lichtzapfsäule. Aus der Verkehrsbehörde heißt es allerdings: Das System erfülle nicht die städtischen Anforderungen an einen diskriminierungsfreien Zugang für alle Nutzer, da etwa bei Ubitricity ein eigenes Ladegerät vom Autofahrer gebraucht wird. Und: Selbst geeignete Laternen würden nur langsames Laden ermöglichen.

Für Wieland Schinnenburg, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, eine Ausrede: „Die Regel ist doch, dass man sein Auto nicht schnell lädt, sondern eher über Nacht oder am Tag zum Tanken abstellt.“ Er hält die Absage für ein Versäumnis: „Es ist enttäuschend, dass der Senat die naheliegende und günstige Möglichkeit zum Ausbau der Stromtankstellen liegen lässt.“ Die Umrüstung einer Laterne wäre für einige Hundert Euro zu machen. Normalerweise rechnet der Senat mit 2000 bis 15.000 Euro Kosten pro Ladepunkt – je nach System.

Um eine Straßenlaterne in eine Ladestation für Elektrofahrzeuge umzurüsten, ist eine Steckdose erforderlich, die sich in den Mast integrieren lässt. Mit entsprechender Beschilderung und Fahrbahnmarkierung werden sämtliche Stationen kenntlich gemacht. „Wenn der Senat die Elektromobilität wirklich fördern will, sollte er sofort dafür sorgen, dass auch in Hamburg Straßenlaternen als Stromtankstellen ausgerüstet werden“, so Schinnenburg.

Die Behörde will aber erst die Testergebnisse aus Berlin abwarten und dann bewerten. Im Übrigen werde in Hamburg mit ähnlichen Technologien experimentiert. So arbeite die Hamburg Port Authority (HPA) gerade mit Ubitricity an einem Pilotprojekt, bei dem „Steckdosen“ in Parkbügeln angebracht wurden, um unternehmenseigene Fahrzeuge zu laden.

In Hamburg sind aktuell etwa 1000 Elektroautos im Einsatz. Aber der Senat rechnet mit bis zu 5000 batterie-elektrischen Fahrzeugen in den kommenden zwei Jahren.