Linienreederei

Hapag-Lloyd profitiert von Fusion mit Chilenen

Rolf Habben Jansen, Hapag-Lloyd-Chef seit Juli 2014, will die Reederei wieder dauerhaft profitabel machen

Rolf Habben Jansen, Hapag-Lloyd-Chef seit Juli 2014, will die Reederei wieder dauerhaft profitabel machen

Foto: Roland Magunia / HA

Die Hamburger Linienreederei Hapag-Lloyd beginnt das Jahr mit einem Quartalsgewinn. Sie profitiert von der Fusion mit den Chilenen.

Hamburg.  Rolf Habben Jansen hat die Trendwende versprochen, nun beginnt er zu liefern. Deutschlands führende Linienreederei Hapag-Lloyd in Hamburg hat sich mit ihrem Ergebnis für das erste Quartal 2015 deutlich von den Zahlen des Vorjahreszeitraums abgesetzt. Das Netttoergebnis stieg auf 128 Millionen Euro Gewinn im Vergleich zu 119 Millionen Euro Verlust.

Beim operativen Ergebnis (Ebit) verbucht Hapag-Lloyd rund 161 Millionen Euro Gewinn, ein Jahr zuvor waren es 63 Millionen Euro Verlust. „Diesen Erfolg haben wir neben Effekten aus dem Bunkerpreis und dem Dollarkurs vor allem auch unseren internen Anstrengungen der vergangenen Monate zu verdanken“, sagte Hapag-Lloyd-Chef Habben Jansen zur Vorlage der Vierteljahreszahlen am Mittwoch.

Der Manager, der die Reederei mit Sitz am Ballindamm seit Juli 2014 führt, hatte für 2016 nach mehreren Verlustjahren wieder einen Jahresgewinn angekündigt. Sollte sich der Trend bei Hapag-Lloyd festigen, gelingt dem Unternehmen ein Gesamtjahresgewinn womöglich schon 2015. Das traditionell wichtigste Quartal des Jahres – vor allem wegen der Gütertransporte für das Weihnachtsgeschäft – ist der Zeitraum von Juli bis September.

10.500 Mitarbeiter und 190 Schiffe

In den vergangenen Jahren war Hapag-Lloyd stark mit internen strategischen Fragen beschäftigt, mit der Neuordnung seines Eignerkreises wie zuletzt auch mit der Übernahme des Container-Liniengeschäfts der chilenischen Reederei CSAV. Unter dem Strich fielen seit 2011 regelmäßig Verluste an. Hohe Brennstoffkosten trugen dazu bei, aber auch geringe Transportpreise für die Container, die sogenannten Frachtraten. Hinzu kamen offenbar – das kritisierte Habben Jansen zu Beginn dieses Jahres deutlich – Mängel in der Vertriebsarbeit der Reederei und mangelnde Fahrplantreue bei Hapag-Lloyd selbst wie auch bei dessen Partnerunternehmen. Hapag-Lloyd ist Mitglied der weltweit führenden Schifffahrtsallianz G6.

Mit dem Zukauf von CSAV rückte Hapag-Lloyd vom sechsten auf den vierten Rang der weltweit größten Linienreedereien vor. Derzeit beschäftigt die Reederei rund 10.500 Mitarbeiter – davon 9000 an Land – sowie 190 Schiffe. Durch die Übernahme der CSAV-Containersparte will Hapag-Lloyd jährliche Einsparungen von 300 Millionen Dollar erzielen. Hinzu kommt ein von Habben Jansen zusätzlich formuliertes Einsparziel von weiteren 100 Millionen Dollar bis zum kommenden November. Hapag-Lloyd verrechnet seine Geschäfte in Dollar, führt die Außenbilanz aber in Euro. „In dem guten Ergebnis des ersten Quartals steckt die harte Arbeit aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Hapag-Lloyd“, sagte Habben Jansen. „Es enthält erste Synergieeffekte aus dem Zusammenschluss mit dem CSAV-Containergeschäft sowie auch erste Ergebniseffekte aus unserem umfassenden Kostensenkungsprogramm.“

Schiffe wachsen weiter

Die zuletzt gesunkenen Preise für den Schiffsbrennstoff, die sogenannten Bunkerkosten, entlasten die Reedereien zwar. Die Unternehmen versuchen aber vor allem mit strukturellen Maßnahmen, ihre Kosten zu reduzieren und ihre Marktmacht auszubauen. Der Linientransport von Containern leidet seit langer Zeit an zu hohen Schiffskapazitäten. Reedereien wie Mærsk, MSC oder CMA CGM treiben die Schiffsgrößen immer weiter voran. Auf den größten Schiffen sind die Transportkosten je Container am geringsten – vorausgesetzt, die Frachter sind gut ausgelastet. Die größten Schiffe im Einsatz haben mittlerweile jeweils mehr als 19.000 Containereinheiten (TEU) Kapazität, in den Orderbüchern der südkoreanischen Werften stehen bereits Frachter mit 21.000 TEU.

Hapag-Lloyd fährt Schiffe mit maximal rund 13.000 TEU, wird aber in absehbarer Zeit wohl ebenfalls deutlich größere Einheiten bauen lassen. „Für uns hat es höchste Priorität, dass wir wieder schwarze Zahlen schreiben“, sagte der Vorstandsvorsitzende Habben Jansen kürzlich dem Abendblatt. „Wir müssen jetzt die Vorteile des Zusammenschlusses mit CSAV realisieren. Das sind sicherlich die Synergien in Höhe von jährlich 300 Millionen Dollar, die wir mindestens erwarten. Aber wir können zum Beispiel auch 16 alte Schiffe aus dem Dienst nehmen, die wir aus Kostengründen längst hätten stilllegen müssen. Und wir wollen unseren Vertrieb verbessern.“

Habben Jansen – gebürtiger Niederländer – hatte zuvor für das niederländische Logistikunternehmen Damco gearbeitet, das zur dänischen Gruppe A. P. Møller-Mærsk gehört. Sein Vorgänger bei Hapag-Lloyd, der langjährige Vorstandschef Michael Behrendt, leitet seit September 2014 den Aufsichtsrat der Traditionsreederei.