Schifffahrt

Streit um Elbvertiefung: Hapag-Lloyd geht in Offensive

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Olaf Preuß
Die Elbvertiefung wird in Hamburg kontrovers diskutiert

Die Elbvertiefung wird in Hamburg kontrovers diskutiert

Foto: Reuters

Konzernchef Rolf Habben Jansen widerspricht Eurogate-Manager Schiffer und dringt auf Erweiterung der Fahrrinne.

Hamburg. Die maritime Wirtschaft in Hamburg diskutiert das Thema der Elbvertiefung nun offen kontrovers. „Es ist wichtig, dass der Hafen auch in Zukunft erreichbar bleibt. Da sind solche Äußerungen von Herrn Schiffer wenig hilfreich“, sagte Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen im Abendblatt-Interview. Emanuel Schiffer, Co-Chef des in Europa führenden Betreibers von Containerterminals, hatte Mitte April den Sinn der Elbvertiefung angesichts der steigenden Zahl sehr großer Containerschiffe auf den Europa-Asien-Routen in Frage gestellt. „Durch die Elbvertiefung wird sich bei den Großschiffen der neuesten Generation keine wesentliche Verbesserung ergeben“, hatte er seinerzeit bei der Bilanzvorlage von Eurogate gesagt. „Wilhelmshaven ist unsere Antwort auf die fortschreitende Schiffsgrößenentwicklung, die sich in den vergangenen Jahren herauskristallisiert hat.“ Neben einem Containerterminal in Hamburg betreibt Eurogate Deutschlands einziges Tiefwasser-Terminal am JadeWeserPort in Wilhelmshaven.

Schiffers überraschende Äußerungen geben auch den Gegnern der Fahrrinnenanpassung Auftrieb, etwa den Umweltverbänden BUND und Nabu, die das Großprojekt mit einer Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zu Fall bringen wollen. Hapag-Lloyd-Chef Habben Jansen widersprach Schiffer deshalb. „Neben der Vertiefung geht es ja auch um eine Verbreiterung der Fahrrinne, und selbstverständlich führen diese Maßnahmen dazu, dass Schiffe einfacher in den Hafen und wieder hinaus gelangen“, sagte er. „In der aktuellen Situation bringt jeder Meter etwas, weil er dazu führt, dass mehr Boxen in die Stadt gebracht werden können. Wartezeiten werden zudem kürzer, Kosten sinken.“ Hapag-Lloyd ist Mitglied der Schifffahrtsallianz G6, die mit sechs Reedereien mehr als 40 Prozent zum Containerumschlag in Hamburg beiträgt.

Das Verfahren zur Verbreiterung und Vertiefung der Elbfahrrinne läuft seit 2002. Seit 2012 liegt der Fall beim Bundesverwaltungsgericht. Das höchste deutsche Verwaltungsgericht wartet derzeit auf eine Präzisierung des europäischen Gewässerrechts durch den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Dessen Spruch wird voraussichtlich Anfang Juni veröffentlicht. Anschließend kann das derzeit ausgesetzte Verfahren zur Erweiterung der Elbfahrrinne in Leipzig fortgesetzt werden. Vermutlich wird es aber nicht vor Ende 2015 abgeschlossen sein.

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