Alster

„Wer hier Segeln lernt, kann es überall“

Das Ansegeln auf der Alster am Sonntag. Segler haben auf ihrem Boot auch ein
rotes Spinackersegel gesetzt. Die Alster gilt als schwieriges Segelrevier

Das Ansegeln auf der Alster am Sonntag. Segler haben auf ihrem Boot auch ein rotes Spinackersegel gesetzt. Die Alster gilt als schwieriges Segelrevier

Foto: Klaus Bodig

Hamburger Segel Club richtete erste Verbandsregatta 2015 auf der Alster aus. Jollen ab 20 Euro zu mieten. Nachwuchssorgen in Vereinen.

Hamburg.  Der Blick auf die Außenalster gibt ihm recht: Ein anspruchsvolles Revier sei das da draußen, sagt Oliver Jahn, der beim Hamburger Segel Club (HSC) für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Wie zum Beweis fegt gerade eine heftige Windböe mit Regen über den aufgestauten Fluss und drückt die weißen Segel der Kiel-Jollen flach zum Wasser.

Vom warmen HSC-Clubhaus aus sieht man, wie die Crews blitzschnell an Schoten ziehen, die Boote sich wieder aufrichten und dann weiter in einem dichten Feld Richtung Innenstadt schießen. Dann eine kurze Wendung, man hört das ferne Flattern der Segel, und schließlich rauscht die Flotte mit schnell hochgezogenen, bunten und bauchigen Spinackersegeln wieder zurück. Ein Bild, wie es an den kommenden Wochenenden oft zu sehen sein wird zwischen Kennedybrücke im Süden und der Straße Fernsicht im Norden.

Am Wochenende richtete der HSC die erste Verbandsregatta 2015 auf der Alster aus. Traditionell ist diese Wettfahrt der Auftakt der Segelsaison auf Hamburgs so besonderem Binnengewässer. Bis zum Herbst werden die Vereine rund um die Alster zu vielen Wettfahrten starten – und auch bei den Verleihern von Segelbooten beginnt nun die Saison. Die Boote liegen meist schon im Wasser, am Osterwochenende werden die Stege dort voraussichtlich erstmals geöffnet sein.

Um 20 Euro kostet es bei den Bootsvermietungen an der Außenalster, wenn man zu zweit eine Jolle für eine Stunde mieten möchte. Gesegelt wird dort mit eher gutmütigen Segelbooten wie dem Conger, einer in Hamburg weit verbreiteten Bootsklasse, die durch ihren verhältnismäßig breiten Rumpf sehr stabil ist. Aber auch Cen­tauren zählen zu den Klassikern auf der Alster, mit ihrem Kiel gelten sie als kentersicher.

Einen Segelschein braucht man auf der Alster nicht zum Leihen, man muss aber segeln können. „Das sieht man schon am Steg, ob einer das kann oder nicht“, heißt es etwa bei Bobby Reich, wo in der Saison – wie bei den anderen Segelbootverleihern auch – täglich bis zum Sonnenuntergang geöffnet ist.

Und auch bei den Vereinen geht es jetzt richtig los, sagt HSC-Sprecher Jahn. Und das, obwohl hartgesottene Regatta-Segler des Vereins sich selbst im Winter heraus trauen. „Hauptsache es ist eisfrei“, sagt Jahn.

Doch das eigentliche Vergnügen, mitten in der Stadt segeln zu können, ist für den Großteil der Alstersegler auf die Monate zwischen April und Oktober beschränkt. Wie man ein Boot segelt, die Theorie und Praxis des Segelns – das kann man bei Segelschulen lernen. Oder auch in den Vereinen.

„Wir freuen uns über jedes neues Mitglied“, sagt Jahn. Denn wie viele Vereine hat auch der 700 Mitglieder starke HSC damit zu kämpfen, dass der Nachwuchs rarer wird. „Computer und hohe Anforderungen in der Schule halten viele Jugendlich davon ab“, vermutet Jahn, der selbst zwei Töchter hat. „Dabei kann man seinen Kindern nicht viel Besseres bieten, als Segeln im Verein“, sagt er. Ein Boot zu beherrschen, sich mit der Natur auseinandersetzen zu müssen und eine Gemeinschaft zu erleben, das, so sagt er, sei für Kinder eine sehr wertvolle Erfahrung. Aber nicht nur Kinder und Jugendliche lernen beim HSC das Segeln, willkommen seien auch Erwachsene, sagt Jahn. Und wer dann die ersten Segelerfahrungen auf der Alster macht, hat auch für viele andere Reviere das nötige Rüstzeug. „Wer hier das Segeln lernt, kann es wirklich und überall“, sagt Jahn. Tatsächlich unterscheidet sich die Außenalster von anderen eher ruhigen Seen oft deutlich. Durch die Lage mitten in einer Großstadt, ändern sich die Windrichtungen und Windstärken häufig schnell, wenn sie durch die Gebäudefronten abgelenkt werden. Drehungen um bis zu 90 Grad innerhalb von Sekunden sind nicht selten, sagt Jahn. Schnell muss der Segler dann reagieren, muss wissen, was es bedeutet, wenn man dort zieht oder hier zupft. Viele Manöver in kurzer Zeit sind da oft notwendig. „Die Alster ist ein Actionrevier“, sagt Jahn

Dabei ist dieses Revier ursprünglich einmal nur ein Nebenfluss der Elbe gewesen. Der heute bis zu 4,5 Meter tiefe Alstersee entstand aber bereits im zwölften Jahrhundert, als der 56 Kilometer lange Flusslauf aufgestaut wurde, um eine Kornmühle antreiben zu können. Später kamen weitere Mühlenbetriebe hinzu und die Alster in Hamburg war eher so etwas wie ein Motor der beginnenden Industrialisierung. Im 18. Jahrhundert dann aber begann die zweite Geschichte des großen Stadtsees. Seitdem wird dort zum Freizeitvergnügen gerudert und gesegelt, wie beim HSC, der 1892 gegründet wurde (www.hamburger-segel-club.de).