Linkspartei

Mitglieder fordern Rückkehr vor Dora Heyenn

Dora Heyenn soll eine der beiden Fraktionsvorsitzenden werden, fordern 100 Mitglieder

Dora Heyenn soll eine der beiden Fraktionsvorsitzenden werden, fordern 100 Mitglieder

Foto: Marcelo Hernandez

Kurz vor dem Parteitag: 100 Mitglieder der Linkspartei fordern in einem offenen Brief ein Comeback der geschassten Fraktionschefin.

Hamburg. Gut einen Monat nach der Bürgerschaftswahl steht die Linkspartei mehr denn je vor einer Zerreißprobe. Vor dem Parteitag am Sonnabend fordern 100 Mitglieder, dass die nach der Wahl unter dubiosen Umständen entmachtete Spitzenkandidatin Dora Heyenn wieder auf ihren bisherigen Posten als Fraktionschefin in der Bürgerschaft zurückkehren soll.

„Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass alle Machtpolitik zugunsten eines redlichen Umgangs miteinander beendet wird, dass Partei und Fraktion sich endlich daran machen, das Wahlprogramm politisch mit Leben zu füllen, und dass Du bald wieder Deinen Platz als Fraktionsvorsitzende der Hamburger Linksfraktion einnehmen kannst“, heißt es in einem offenen Brief an Heyenn. Das Papier trägt die Überschrift „Mehr Menschlichkeit – das muss drin sein!“ Es liegt dem Abendblatt vor und soll auch auf dem Parteitag verteilt werden. Zu den Unterzeichnern gehört mit Kristian Glaser, Gunhild Berdal, Anne Urschll, Klaus Roocks, Helga Hisch und Florian Muhl fast der halbe Landesvorstand, hinzu kommen Prominente wie der frühere niedersächsische Bundestagsabgeordnete Professor Herbert Schui, die TV-Moderatorin Luc Jochimsen.

Heyenn war seit dem erstmaligen Einzug der Linkspartei in die Bürgerschaft 2008 deren Fraktionsvorsitzende. Bei der Wahl im Februar hatte die Linke mit Heyenn als Spitzenkandidatin mit 8,5 Prozent das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte in einem westdeutschen Bundesland erzielt – was neutrale Beobachter ganz wesentlich auf den Einsatz, die Bekanntheit und die hohe Glaubwürdigkeit der Frontfrau zurückführten. Nicht so die neue Fraktion: Angeführt von den langjährigen Abgeordneten Christiane Schneider und Norbert Hackbusch wurde über die starke Stellung von Heyenn gemurrt und eine Doppelspitze gefordert. Der Landesvorstand der Partei unterstützte diese Forderung zwar im Prinzip, forderte die Fraktion aber deutlich auf, Heyenn zu einem Teil dieser Doppelspitze zu machen. Bei der Wahl vor knapp drei Wochen fiel die 65-Jährige jedoch durch. Daraufhin trat sie entnervt aus der Fraktion aus und ist nun fraktionslose Abgeordnete.

Der Vorgang hatte parteiübergreifend in der Hamburger Politik für Fassungslosigkeit gesorgt. „Wir weisen die Intrige gegen Dich aufs schärfste zurück – sie ist parteischädigend, soll unsere klare Oppositionsprogrammatik relativieren und ist menschlich absolut inakzeptabel“, heißt es in dem offenen Brief. Heyenn selbst wollte vor dem Parteitag kein weiteres Öl ins Feuer gießen, sagte dem Abendblatt aber: „Ich freue mich, dass ich über die Partei- und Stadtgrenzen hinweg so viel Unterstützung bekomme.“ Zuvor hatte sie bereits betont, dass sie sich grundsätzlich irgendwann eine Rückkehr in die Fraktion vorstellen könne. Aber es werde Zeit brauchen, bis die tiefen Wunden verheilt sind.

Davon geht auch Sabine Boeddinghaus aus, die gemeinsam mit Cansu Özdemir nun die neue Doppelspitze der Links-Fraktion bildet: „Die Tür für Dora Heyenn als gleichberechtigtes Mitglied der Fraktion steht aber offen.“ Zu den Vorgängen Anfang März sagte sie dem Abendblatt: „Das hätte anders laufen müssen. Es gab aber Gründe, warum es so gelaufen ist.“

Erwartet wird, dass die Aussprache am Sonnabend hart und kontrovers ausfällt. Einige Mitglieder wollen die neue Fraktionsführung zum Rückzug drängen, andere fordern sogar den Mandatsverzicht aller Heyenn-Gegner.