Jahresbilanz

Lufthansa Technik unter Druck: Sparen und trotzdem wachsen

Der scheidende Vorstandsvorsitzende der Lufthansa Technik AG, August Wilhelm Henningsen (r), und sein Nachfolger Johannes Bußmann nach der Jahresbilanz-Konferenz vor einem Airbus A380

Der scheidende Vorstandsvorsitzende der Lufthansa Technik AG, August Wilhelm Henningsen (r), und sein Nachfolger Johannes Bußmann nach der Jahresbilanz-Konferenz vor einem Airbus A380

Foto: Christian Charisius / dpa

Mehr Umsatz, aber ein leichtes Minus bei den Gewinnzahlen. Warum der scheidende Vorstandsvorsitzende August Wilhelm Henningsen trotzdem zufrieden ist.

Lufthansa Technik will die Wachstumsanstrengungen erheblich verstärken. Zwar ist das Hamburger Unternehmen mit einem Marktanteil von elf bis zwölf Prozent der weltweit größte herstellerunabhängige Anbieter von Wartungs- und Reparaturdienstleistungen für Flugzeuge. Doch während sich dieser Markt um jährlich rund 4,5 Prozent vergrößert, nahmen die Erlöse der Lufthansa-Tochter 2014 nur um 3,8 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zu.

„Wir wollen Weltmarktführer bleiben – und dafür müssen wir einiges tun“, sagte Personalvorstand Johannes Bußmann, der zum 1. April August Wilhelm Henningsen als Vorstandschef ablösen wird. Denn das Angebot nimmt nach Angaben des Unternehmens rund um Globus zu, was auch die Preise unter Druck bringt.

Die ehrgeizige Vorgabe aber lautet, den Umsatz bis zum Jahr 2018 auf 6,7 Milliarden Euro zu steigern; das entspricht einem Plus von mehr als 55 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen, hat man bereits 2014 beschlossen, die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in den nächsten Jahren zu verfünffachen, um in möglichst vielen Bereichen technologisch vorn zu bleiben. Zudem werden die Kapazitäten vor allem im Ausland ausgeweitet: In Puerto Rico hat im November der Bau eines neuen, für Jets der A320-Familie auf dem amerikanischen Markt vorgesehenen Überholungsstandorts begonnen, der schon Mitte 2015 die Arbeit aufnehmen soll. Mit den US-Billigfliegern JetBlue und Spirit wurden langfristige Verträge unterschrieben.

Lufthansa Technik investierte eine halbe Milliarde in zehn Jahren am Standort Hamburg

Die Tochtergesellschaft auf den Philippinen erweitert den A380-Hangar, so dass dort künftig an zwei der doppelstöckigen Flieger parallel gearbeitet werden kann. Die australische Fluggesellschaft Qantas will in den nächsten zehn Jahren ihre komplette A380-Flotte für die so genannten C-Checks, die jeweils nach etwa eineinhalb Jahren anstehen, dorthin schicken. Kapazitätserweiterungen gab es darüber hinaus an den Standorten Shenzhen (China) und Budapest.

„In unserer Industrie sichert internationales Wachstum mit Kunden und Verträgen auf allen Kontinenten immer auch Arbeitsplätze zum Beispiel in Frankfurt und in Hamburg“, sagte Henningsen, „und wir hoffen, dass wir auch hier wachsen können.“ Auch in Deutschland investiert Lufthansa Technik weiter. Bis Anfang 2017 entsteht in Frankfurt eine neue Flugzeugräder- und Bremsenwerkstatt für fast 60 Millionen Euro. Am Heimatstandort Hamburg investierte die Luftwerft in den zurückliegenden zehn Jahren rund eine halbe Milliarde Euro.

Allerdings hat der Expansionskurs seinen Preis. Der Gewinn werde infolge diverser Anlaufkosten bei Wachstumsprojekten in diesem Jahr voraussichtlich leicht sinken, sagte Finanzvorstand Peter Jansen. Bereits 2014 ist das operative Ergebnis um 3,0 Prozent auf 392 Millionen Euro zurückgegangen. Allein sechs Millionen Euro kosteten die Streiktage bei dem Mutterkonzern Lufthansa, weil durch ausgefallene Flüge weniger Instandhaltungsarbeiten anfielen. Der Preisdruck schmälerte den Gewinn um 95 Millionen Euro, Preissteigerungen beim Material sowie Tariferhöhungen beim Personal senkten ihn um weitere 79 Millionen Euro.

Lufthansa Technik schafft Grundlage für stärkeres Wachstum

Dagegen brachte das Sparprogramm „Score“ betriebswirtschaftlich einen positiven Effekt von 182 Millionen Euro. Dazu gehörte der Abbau von 650 Arbeitsplätzen an den deutschen Standorten, in Hamburg fielen 400 Stellen weg. Ein Teil der Tätigkeiten sei nach Krakau (Polen) und nach Sofia (Bulgarien) verlagert worden, hieß es dazu. In diesem Jahr werde die Mitarbeiterzahl in Hamburg (rund 8000 Personen) ungefähr konstant bleiben. Weltweit hat sich die Belegschaft auf 20.085 Beschäftigte im vergangenen Jahr leicht ausgeweitet.

Auch wenn der Umsatz 2014 nur mäßig zunahm, hat die Vertriebsmannschaft die Grundlage für das angepeilte stärkere Wachstum geschaffen: Es wurden 325 neue Verträge mit einem Gesamtvolumen von 3,1 Milliarden Euro abgeschlossen, die Zahl der für weltweit 795 Kunden betreuten Flugzeuge erhöhte sich um 17 Prozent auf 3290.

Wichtig für die Zukunft sind laut Henningsen vor allem mehrere Verträge, die sich auf die neuen Flugzeugtypen Airbus A350 und Boeing 787 beziehen. Ein großer Einzelauftrag mit 1,4 Millionen Arbeitsstunden läuft allerdings im Sommer aus: Die gesamte Langstreckenflotte der Lufthansa wurde umgerüstet, die Jets erhielten eine neue Business Class und die neu eingeführte Premium Economy Class. Angesichts dieses Auftrags sank der Umsatzanteil, der auf Kunden außerhalb der Lufthansa-Gruppe entfällt, leicht auf 61,7 Prozent. In den nächsten Jahren soll er auf 70 bis 75 Prozent zulegen.

Die Bilanzpressekonferenz am Dienstag war die letzte, die August Wilhelm Henningsen, 64, leitete. Er geht Ende März nach gut 14 Jahren als Vorstandsvorsitzender in den Ruhestand. Sein Nachfolger Johannes Bußmann, 46, begann seine Karriere bei Lufthansa Technik im Jahr 1999 im Vertrieb. Anschließend leitete der promovierte Luft- und Raumfahrtingenieur nacheinander die Bereiche Geräteinstandhaltung und Triebwerke, bevor er 2012 in den Vorstand aufrückte. Sein Amt als Personalvorstand übernimmt Antonio Schulthess, 49, der vom Lufthansa-Konzern in Frankfurt kommt.