Lebensmittel

Aldi Nord vergrößert sein Biosortiment drastisch

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Erich Reimannn
Eine Kundin greift in einer Filiale von Aldi Nord zu Tee der Marke GutBio. Der Discounter will künftig fast 70 Prozent mehr Artikel in Bioqualität anbieten

Eine Kundin greift in einer Filiale von Aldi Nord zu Tee der Marke GutBio. Der Discounter will künftig fast 70 Prozent mehr Artikel in Bioqualität anbieten

Foto: dpa

Aldi Nord erweitert das Ökosortiment auf mehr als 50 Artikel. Die großen Supermarktketten sind im Vergleich aber schon viel weiter.

Essen.  Paukenschlag bei Aldi Nord: Der Discounter vergrößert in diesen Wochen sein Biosortiment drastisch. Unter der Eigenmarke GutBio sollen im Standardsortiment künftig über 50 Artikel aus kontrolliert ökologischem Anbau angeboten werden – fast 70 Prozent mehr als bislang. Nicht nur Eier, Vollmilch und Hackfleisch sollen künftig in Bioqualität in den Regalen des Billiganbieters stehen, sondern auch Gemüsekonserven, Tiefkühlfisch sowie diverse Fleisch- und Wurstartikel. Aldi Nord reagiere damit auf „veränderte Konsum- und Ernährungsgewohnheiten von Verbrauchern in Deutschland“, so das Unternehmen.

Tatsächlich gaben die deutschen Haushalte nach Berechnungen des Arbeitskreises Biomarkt im vergangenen Jahr fast acht Milliarden Euro für Biolebensmittel und -getränke aus, 4,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Deutschland ist so nach den USA der zweitgrößte Biomarkt der Welt.

Und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: „Die Zahl der Verbraucher, die Wert auf einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil legen, wächst kontinuierlich“, berichtet der Marktforscher Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Der große Gewinner des Biobooms ist zurzeit nach einer Marktuntersuchung des Arbeitskreises Biomarkt der Naturkosthandel. Vor allem Biosupermärkte wie Denn’s oder Alnatura konnten 2014 deutliche Zuwächse erzielen, wie Hans-Christoph Behr, Bereichsleiter Verbraucherforschung der im Arbeitskreis federführenden Agrarmarkt Informationsgesellschaft AMI berichtet. Doch auch die „klassischen“ Supermärkte konnten dank ihrer breiten Angebotspalette bei Bioprodukten kräftig punkten.

Verlierer waren dagegen die Discounter. Sie haben nach den Zahlen des Arbeitskreises 2014 im Geschäft mit Bioprodukten sogar leichte Umsatzeinbußen hinnehmen müssen und dementsprechend Marktanteile verloren. Für Branchenkenner Behr ist das nicht verwunderlich. „Es gab eine Zeit, da waren die Discounter sehr heiß auf das Thema Bio. Sie haben relativ viele Produkte eingelistet. Erst danach haben sie geschaut, was sich wirklich verkauft. Und inzwischen haben sie ihr Sortiment bereinigt. Das hat natürlich zu Umsatzeinbußen geführt.“

Für Aldi Nord geht es vor allem darum, gegenüber der Konkurrenz aufzuholen

Die Pläne von Aldi Nord zum Ausbau des Bioangebots sind für Handelsexpertin Denise Klug vom Marktinformationsdienst Planet Retail denn auch weniger das Signal für eine neue Offensive der Billiganbieter im Ökobereich, als vielmehr der Versuch, bislang Versäumtes nachzuholen. „Aldi Nord hatte beim Thema Bioprodukte noch Nachholbedarf gegenüber Aldi Süd und auch gegenüber dem Konkurrenten Norma.“

Tatsächlich sind andere Billiganbieter schon deutlich weiter. Das Schwesterunternehmen Aldi Süd hat nach eigenen Angaben „rund 130 Bio-Produkte als Standard-, Saison- und Aktionsartikel“ im Angebot. Netto bietet unter der Eigenmarke BioBio „über 170 ökologisch zertifizierte Lebensmittel“ an. Norma hat über 140 dauerhaft geführte Bioprodukte in den Regalen, hinzu kommen 110 Bioaktionsartikel.

Bei den Supermärkten erreicht das Angebot noch einmal eine andere Dimension. Rewe etwa führt nach eigenen Angaben rund 2000 Artikel mit Biokennzeichnung. Biosupermärkte wie Alnatura oder Basic haben sogar 6000 bis 12.000 Bioprodukte im Angebot. Und die meisten Anbieter wollen ihr Angebot weiter ausbauen. Wachstumspotenzial beim Thema Bio gibt es schließlich noch reichlich. Bisher kommen die Bioprodukte in Deutschland erst auf einen Marktanteil von knapp vier Prozent. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt er bei 6,9 Prozent, in Dänemark sogar bei acht Prozent. Wachstumspotenzial sieht Marktkenner Behr vor allem noch bei Halbfertig- und Fertigprodukten bis hin zur Biojägersoße. „Bio ist noch sehr frischelastig“, sagt er.

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