Die Wahlpartys der Parteien

Katja, Katja! Große Party bei der FDP

| Lesedauer: 18 Minuten

Die Wahlpartys konnten am Abend unterschiedlicher nicht ausfallen. Der Bürgermeister wurde von seinen Genossen bejubelt, andernorts begann sofort die Wahlkampfkritik. Eindrücke zwischen Euphorie und Katzenjammer.

Ottensen. Die Sektflaschen waren bei allen Parteien in großer Zahl vorhanden - nur unterschied sich der Bedarf auf den Wahlpartys der Hamburger Parteien ab 18 Uhr recht drastisch. Während der „Überraschungsgast“ Olaf Scholz von den Genossen in der Fabrik gefeiert wurde, begann andernorts sofort die Aufarbeitung eines Debakels. Abendblatt-Reporter berichten von den Parteipartys am Wahlabend.

SPD: Rockmusik und „König Olaf“ in der „Fabrik“

Countdown für Olaf Scholz: Die letzten Sekunden vor der ersten Prognose zählten die SPD-Anhänger in der Fabrik lautstark mit. Die wahrscheinliche Prozentzahl der SPD ging im Jubel unter. Auch die Zahlen der CDU wurden mit Begeisterung quittiert. Der Freude jedoch folgte Ernüchterung, als die Aussichten der FDP und der AFD auf den Bildschirmen eingeblendet wurden. „Absolute Mehrheit dahin“, fluchte ein Mann mit Lederjacke und Scholz-Button. „Abwarten“, beruhigte die Nachbarin.

Schon eine Stunde vor Schließung der Wahllokale hatten sich die ersten Genossen die besten Plätze gesichert – an Stehtischen nahe der Bühne oder an Bierbänken im ersten Stock. Als Tischdecken fungierten Wahlplakate mit der Aufschrift „Danke, Hamburg!“.

Mit Aussicht auf einen langen, freudespendenden Abend orderten die Gäste nach Lust und Laune. Und gegen Bargeld. Denn gratis gab es nur die von Anfang an gute Stimmung. „Wir hatten einen intensiven Wahlkampf“, sagte Lars Tendrup unmittelbar vor der ersten Hochrechnung, „und wollen jetzt die Ernte einfahren.“ Für sich orderte er ein Carlsberg-Bier für 2,90 Euro, für seine beiden Kumpels südafrikanischen Versus-Wein für 3,20 Euro das Plastikglas.

Kurz vor 18 Uhr nahm die Lautstärke ab und wich einer stilleren, gespannten Erwartungshaltung. Geheime Informationen aus der Parteizentrale machten die Runde: „Olaf kommt zuerst zu uns, bevor er sich dem Fernseh-Marathon im CCH stellt.“ Gemeint war – natürlich – der alte und nach einheitlichem Wunsch in der Fabrik neue Bürgermeister Olaf Scholz.

Und so kam es dann auch. Denn er kam. Um 18.10 Uhr betrat Olaf Scholz die Fabrik. Von Personenschützern abgesichert, bahnte er sich den Weg zur Bühne. Blitzlichter. Jubelschreie. Hoffnung. Am Rednerpult sprach Scholz von einem „großartigen Wahlergebnis“ und einem „langen Abend“ bis zur Entscheidung.

„Ein klein wenig kann aber jetzt schon gefeiert werden“, rief er. Sodann ergriff Olaf Scholz mit seiner rechten Hand die linke seiner Ehefrau Britta Ernst, Schleswig-Holsteins Bildungsministerin. Beide genossen oben auf dem Podium den Beifall. Und aus den Lautsprechern schallte Nickelbacks Rockhit: „What are you waiting for“. Auf was wartest du? Das passte.

Im Kreis vertrauter Parteifreunde ließ auch Umweltsenatorin Jutta Blankau den Wahlabend ausklingen. "Ich habe ein gutes Gefühl", sagt sie, "und freue mich für meine Partei über dieses Klasse-Ergebnis." Sie habe privat auf 47 Prozent für die SPD gewettet - und tendenziell recht behalten.

Als während der Tagesschau die Grüne Katharina Fegebank direkt neben Olaf Scholz das Wort ergreift, kommt bei der SPD-Feier in der Fabrik noch einmal Freude auf. Einige klatschen über potenzielle Koalitionspartner Seite an Seite. "Es ist ein starkes SPD-Ergebnis", sagt der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Niels Annen, "und vor allem ist es Olafs Ergebnis." Zusätzliche Botschaft aus seiner Sicht: "Die Bürger haben wieder Vertrauen in die Politik gefasst."

Bei soften Rockrhythmen klingt die Wahlparty der SPD in der Fabrik allmählich aus. Tenor: ein gutes, aber kein sehr gutes Ergebnis. Weit über zwei Drittel der anfangs gut 1000 Gäste hat das Fest bereits verlassen. Konditionsstarke Genossen kaufen sich an den Kiosken im Veranstaltungszentrum Bier und Wein, vereinzelt sogar Red Bull mit Wodka oder Cola/Rum. Da das übersichtliche Buffet mit Schmalzbroten und vegetarischen Leckerlis rasch geplündert war, mangelt es an Grundlage.

Einige SPD-Aktivisten in der Fabrik nehmen den Wahlausgang mit Humor. "War doch klar", sagte einer am Getränkekiosk, "wenn hier noch nicht mal Sekt aufgefahren wird." Seine Freunde und er trösteten sich mit Astra und Carlsberg - für 2,90 Euro die Pulle. Freibier Fehlanzeige.

CDU: „Dann müssen Köpfe rollen“

„Betrüblich“, so beschrieben viele Teilnehmer der CDU-Wahlparty im historischen Speicherboden in der Speicherstadt die Stimmung bei den Hamburger Christdemokraten zu Beginn der Veranstaltung. Noch länger werden die Gesichter, als die erste Hochrechnung über die Bildschirme flattert: 16 Prozent - ein so tiefer Sturz wurde hier nicht erwartet.

Kurzes, entsetztes Schweigen: Dann ruft jemand „Scheiße“, als die 7,5 Prozent für FDP genannt werden. „16 Prozent - das ist ein Drama“, sagt etwa Bernd Hauschild vom CDU-Ortsverband Othmarschen. Tatsächlich wäre der historische Tiefstand von 2011 damit noch unterboten. Und niemand hier rechnet damit, dass das Ergebnis noch viel besser wird in den nächsten Stunden. Auch Spitzenkandidat Dietrich Wersich spricht, als er kurz nach 18 Uhr kommt, von einer „herben Niederlage“.

Es habe keine Wechselstimmung gegeben und die Wähler in Hamburg wollten wohl Olaf Scholz als Bürgermeister behalten, sagte Wersich und rief seine Partei zur Geschlossenheit auf. Es sei schwierig das Vertrauen wieder zurück zu erlangen, sagte Wersich und bedankte sich bei seinen Wahkämpfern. Es gibt lauten Beifall für ihn, aber auch ein Rufer ist heraus zu hören, der „neue Leute“ forderte.

Und tatsächlich: Spricht man mit gut informierten CDU-Mitgliedern hier, steht der Kurs der CDU auf einen radikalen Wechsel an der Spitze: Am Donnerstag wird der Landesausschuss der Partei zusammen kommen, der eine Art Parlament der Hamburger CDU ist. „Dann werden Köpfe rollen“, so sagt ein Mitglied des Gremiums. Intern wird nun damit gerechnet, dass sich der Bürgerschaftsabgeordnete Christoph de Vries Hoffnung machen könnte, neuer Fraktionschef zu werden. Das würde dann einen Rechtsruck bedeuten. Und damit könnte ein Streit in der CDU ausbrechen, ob man sein konservatives Profil schärfen sollte - oder ab man weiter um das liberale Bürgertum kämpfen müsse, das nun offensichtlich FDP und auch Scholz gewählt habe.

Allerdings bedingt das Wahlrecht mit mehreren Personenstimmen in Hamburg, dass noch unklar ist, wer Abgeordneter wird. Auch de Vries muss zittern und rechnet angesichts des schlechten Ergebnisses derzeit nicht mit einem Einzug. Die neue Fraktion müsste sich wohl einen anderen neuen Chef suchen. Nur wen, das ist derzeit völlig offen. Konsequenzen verlangt aber auch de Vries: „Wenn man vom historisch schlechtesten Ergebnis noch sechs Punkte herunter rutscht, dann muss man Konseqeunzen ziehen“, fordert auch er.

Betrübliche, niedergeschlagene Stimmung angesichts der verheerenden Umfragen auch bei CDU-Bezirkspolitikern: "Ich habe das Gefühl, dass diese Stadt zur Zeit gar keine Opposition will", sagt Kaja Steffens aus Altona.

FDP: Busladungen von Unterstützern bei der Wahlparty

Ohrenbetäubender Jubel brandete auf, als die Wahlprognose über den riesigen Bildschirm flimmerte. Minutenlang skandierten die mittlerweile rund 550 Gäste im Alten Mädchen "Katja, Katja". Zuvor hatte es noch Hohngelächter und Buhrufe gegeben, als Katharina Fegebank (Grüne) und Dora Heyenn auf der Leinwand zu sehen waren. Suding, kein Typ zum Umarmen oder Hochheben, hatte zunächst freundlich, aber konzentriert gewirkt, nun lachte sie strahlend, wirkte dabei aber eher zufrieden als glücklich.

Letztlich wirkte es ein bisschen so, als habe sie eine kleine unsichtbare Wand um sich und die Mitglieder gezogen. Sie plauderte ein wenig mit ihren Mitarbeitern und schlenderte dann scheinbar gelassen auf die Bühne. Beherrscht und betont sachlich kommentierte sie das gute Wahlergebnis -"ich bin stolz auf meine Partei". Routiniert ließ Suding (dunkelblauer Hosenanzug, die Hände in den Hosentaschen) die Entwicklung der Hamburger FDP in den vergangenen Monaten Revue passieren. Aus denkbar ungünstigen Voraussetzungen heraus habe es die Partei in einem zähen "Winter-Wahlkampf" zurück geschafft.

Immer wieder wurde ihre kurze Rede von den vielfach jungen Mitgliedern und Sympathisanten von Applaus und Katja-Rufen unterbrochen. Lächelnd bedankte sie sich bei den Wahlkampfhelfern, um sich dann nach kurzer Zeit in Richtung CCH zu verabschieben.

Ausgelassene Stimmung und mit Händen zu greifende Erleichterung, auch nachdem Spitzenkandidatin die Wahlparty im Alten Mädchen nach einer Stippvisite mit Bundeschef Christian Lindner wieder verlassen hat. "Uns ist ein großes Comeback gelungen", so der Bürgerschaftsabgeordnete Robert Bläsing. Der FDP hätte ein personalpolitisch reinigendes Gewitter erkennbar gut getan. Bläsing verriet auch, dass viele der Gäste im Alten Mädel importiert waren :"Die Bundespartei hat uns kräftig geholfen, es sind sogar Busladungen mit Unterstützern heute hierher gekommen." Auch der Bürgerschaftsabgeordnete Sönke Michael Kluth zeigte sich erleichtert. Dass er dem neuen Parlament aber nicht mehr angehören wird, stimmt ihn nach eigenen Angaben nicht wehmütig.

Ziemlich verloren wirkten einige FDP-Oldies aus den vergangenen Jahren bei der FDP-Wahlparty. Hinnerk Fock, Frank Michael Wiegand und einige andere schauten kurz vorbei. Erkennbar viel Sympathie gab es für den großen Verlierer des Abends CDU-Chef Dietrich Wersich. "Ach, der Arme" und :"Das hat er nicht verdient", war überall zu hören. Als Wersich im TV-Interview auf der Leinwand erschien, brandete sogar kurzer Applaus auf.

Grüne: „Wir werden die AfD entlarven“

Auf der Wahlparty der Grünen im Knust an der Feldstrasse brandete Applaus und Jubel auf, als um 18 Uhr die erste Prognose über die Leinwand flimmerte. Mit 12 Prozent hätten die Grünen 0,8 Prozent mehr als bei der letzten Bürgerschaftswahl erreicht.

Spitzenkandidatin Katharina Fegebank, die ein blaues Kleid trug, betrat strahlend mit dem Bundesvorsitzenden Cem Özdemir das Podium. Wieder lang anhaltender Applaus und "Katha, Katha"-Rufe.

Fegebank bedankte sich: "Das tut sehr gut" und lobte ihre Parteifreunde für den Wahlkampf. Sie sprach von den zwei strategischen Wahlkampfzielen. Das Ergebnis zu verbessern, ist erreicht worden. Das zweite Ziel war, die absolute Mehrheit der SPD zu knacken und dann als Koalitionspartner mit zu regieren. Doch das war jetzt um kurz nach sechs noch nicht abzusehen.

Denn nur wenn ausgerechnet die AfD, die noch wackelte, in das Parlament einzieht, wäre die absolute Mehrheit der SPD wohl weg. Die AfD griff Fegebank in ihrer Rede scharf an: "Es wäre sehr unerfreulich wenn die AfD einzieht. Aber wir werden die AfD mit ihren rechtspopulistischen Themen entlarven", kündigte Fegebank an.

Schließlich forderte sie ihre Anhänger auf "ordentlich zu feiern" und machte noch ein großes Kompliment: "Ich liebe diese Partei." Danach entschwand Fegebank ins CCH.

Linke: Empörung über AfD-Einzug

Im Vivo, einer Sportsbar in der Bahrenfelder Chaussee, fliegen die Skispringer auf der Großbildleinwand gekonnt von der Sprungschanze. Direkt davor hat die LINKE eine kleine Bühne aufgebaut. Noch warten die beiden Mikrophone auf Menschen, die in einer Stunde das Wahlergebnis kommentieren und analysieren werden. Zwei Scheinwerfer bestrahlen die rote Wand, auf der das Motto der Partei prangt, mit der sie in diesen Wochen an der Elbe Wahlkampf gemacht hat: Für ein soziales Hamburg! Es ist kurz nach 17 Uhr. Hier in Altona findet die Wahlkampfparty der Linken statt. Und auch sie hoffen an diesem Sonntag auf den großen Sprung.

Auf den Stehtischen vor der Bühne liegen rote Papierservietten, auf kleinen Plastiktütchen mit roten Weingummis steht: „Mit Herz und Verstand. Die Linke.“ An anderen Tagen flimmern hier Fußballspiele von der Leinwand. Champions League mit Bayern und Dortmund, Real und Barcelona, Chelsea und Manchester – heute dreht sich alles nur um die Hamburger Politik. Busbeschleunigung statt Bundesliga-Fußball.

Weiter hinten füllen sich langsam die langen Tische mit Wählern, Freunden und Sympathisanten der Partei, die auf ihren Plakaten im Vivo noch einmal ihr Programm aufgehängt hat. „Umfairteilen“, „Fahrpreise runter“, „Waffenexporte stoppen“ oder „TTIP – handelt gegen das Diktat der Konzerne“ ­– mit diesen Schwerpunkten wollen die Linken ihr Ergebnis von vor vier Jahren übertreffen. 6,4 Prozent der Stimmen holten sie damals. Und diesmal sieht es nach etwas mehr aus: Die letzten Prognosen sehen die linke Partei zwischen acht und neun Prozent.

Um kurz nach 17 Uhr kommt Norbert Hackbusch ins Vivo. Es ist für ihn quasi ein Heimspiel. Altona ist sein Wahlkreis, hier hat der stellvertretende Vorsitzende vor vier Jahren 11,8 Prozent der Stimmen geholt. Hackbusch hat gute Laune. Er hat erfahren, dass die Linke an diesem Sonntag 8,5 Prozent der Stimmen holen wird. „Das wäre natürlich ein großer Erfolg“, sagt Hackbusch, der vor allem durch seine engagierte Mitarbeit im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Elbphilharmonie Profil gewonnen hat.

„Hier in Altona“, sagt Hackbusch, „liefern sich SPD, Grüne und Linke eigentlich immer ein ziemliches Kopf-an-Kopf-Rennen.“ Hackbusch hofft diesmal auf 20 Prozent für die Linken im Altonaer Wahlkreis 3.

Um 17.45 Uhr ist das Vivo proppevoll. 300 Menschen sind mittlerweile eingetroffen. Es gibt kaum noch einen Stehplatz vor der Bühne. Als die Parteivorsitzende Dora Heyenn über die große Leinwand flimmert, gibt es lauten Beifall. Leider fällt in diesem Moment der Ton aus. So schlimm ist es nicht. Hier weiß man ja, was sie sagt und wofür sie steht.

Um 17.56 Uhr geht der Ton wieder an, gerade noch rechtzeitig für die mit Spannung erwartete erste Prognose in der ARD. Doch dann wird umgeschaltet. Plötzlich läuft Sky auf der Leinwand. „Umstellen, ihr Lappen“, brüllt einer. Nach zwei Minuten klappt es doch noch. Jetzt wird NDR geschaut.

Um 18 Uhr ist es soweit. Die erste Prognose. Buh-Rufe für die 47 Prozent der SPD, lauter Beifall und Gegröhle bei den 16 Prozent der CDU. Der Jubel steigert sich, als die 8,5 Prozent für die Linken vermeldet werden. „Sensationell“, „überragend“, „grandios“, „super“ sind die ersten Kommentare.

Entsetzen dann, als für die AFD 5,2 Prozent prognostiziert werden. „Das darf nicht sein“, sagt einer. Als Ex-Senator Nockemann von der AFD im Fernsehen befragt wird, wird im Vivo kurzerhand der Ton abgeschaltet. „Ich hoffe, die kommen nicht rein“, sagt Norbert Hackbusch. Die AFD würde dann mit ihrer Anti-Flüchtlingspolitik auch auf die CDU-Politik Einfluss nehmen. „Wir brauchen im Rathaus keine alten Schill-Leute“, sagt er.

Der mögliche AFD-Einzug ins Rathaus trübt die gute Stimmung in der Sportsbar zwar etwas, aber ansonsten sind sich die Linken einig. „Wir haben den kräftigsten Anstieg von allen Parteien, das ist schon mal toll und ein großes Lob der Wähler an unsere Politik“, sagt Hackbusch. Der Grund für die Steigerung auf 8,5 Prozent liegt für ihn vor allem darin, dass die SPD zwar offiziell das Thema Soziales in ihrem Programm habe, aber in Wahrheit spiegele sich das nicht in der Politik der Sozialdemokraten wider. „Es ist wenig beachtet worden, dass die Armutsgefährdungsquote in Hamburg von 14,5 Prozent auf 16,9 Prozent gestiegen ist“, sagt Hackbusch. Viele hätten ja das Gefühl, in Hamburg gehe es allen Menschen immer besser. Die nackten Zahlen sprechen aber dagegen. „Und die Leute, die von Armut betroffen sind, fühlen sich von der Politik nicht mehr vertreten“, sagt Hackbusch. Das sei wohl der wichtigste Grund für die Stimmengewinne der Linken.

Dazu komme die klare Oppositionspolitik, die die Linke im Rathaus gemacht habe. „Das hat der Wähler honoriert“, sagt Hackbusch. Der Stimmengewinn ist an diesem Sonntagabend im Vivo auch ein Stimmungs-Gewinn. Und die steigert sich noch, als im ZDF sogar neun Prozent für die Linke prognostiziert werden. Der Abend bleibt spannend.

AfD: "Wir sind in der Bürgerschaft"

Ein Ort mit gewolltem Symbolcharakter _ als Signal für Ihre Ansprüche? Für Ihre Wahlparty hatte die Alternative für Deutschland die Gaststätte "Parlament" in den Gewolben des Rathauses ausgewählt. Dass sie ins Rathaus gehören und damit in die Bürgerschaft, sollte diese Stätte für die Feier wohl bedeuten.

Und so kam der Hamburger Parteichef und Spitzenkandidat, Jörn Kruse, auch mit selbstbewusstem und zufriedenem Lächeln zu der Wahlparty, mit begeistertem Applaus empfangen von den rund zweihundert Anhängern seiner Partei, die den 66-Jährigen bejubelten. Schulterklopfen, Hände schütteln, die Fäuste in Siegerpose hochgereckt, ließ sich der frühere Professor für Wirtschaftspolitik von seinen Parteifreunden feiern, als die ersten Prognosen bekannt wurden. "wir sind in der Bürgerschaft", rief Kruse überwältigt seinen Anhängern zu, die ihn mit rhythmischen Parolen feierten. Er sei auch "ganz sicher", dass seine Partei bundesweit Erfolg haben werde.

( (jmo/at/schmoo/ug/haa/bem) )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg