Die sechs Irrtümer über Hamburgs Wohnungsmarkt

Großes Immobilienunternehmen listet auf, was Käufer von Eigentumswohnungen erwarten – und was nicht.

Hamburg. Mehrgenerationenhäuser, neue Ökotechniken bei der Energiegewinnung oder auch Kunst am Bau gelten gemeinhin als besonders fortschrittliche Beispiele im modernen Wohnungsneubau. Doch die realen Wünsche der Käufer von Eigentumswohnungen sehen in Hamburg offensichtlich ganz anders aus. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt das norddeutsche Immobilienunternehmen Grossmann & Berger. In einer Marktanalyse spricht das Unternehmen, das zu den größten der Branche zählt, von sechs großen Irrtümern beim Immobilienkauf. „Längst kommt nicht alles, was technisch machbar, ökologisch sinnvoll oder architektonisch schick ist, auch bei der Kundschaft an“, sagt Unternehmenssprecherin Britt Finke. Viel wichtiger seien den meisten Erwerbern hingegen marktgerechte Preise.

Ökohäuser: Weder Käufer noch Mieter seien bereit, für neue Techniken der Müllverwertung, den Einsatz von Recyclingmaterial, Fotovoltaik auf dem Dach, Erdwärmetauscher oder ähnliche Techniken einen Aufpreis zu zahlen. Die hohen Wartungskosten stiegen häufig stärker als die eingesparten Wohnnebenkosten, so das Fazit von Grossmann & Berger.

Mehrgenerationenhaus: In der täglichen Praxis spiele diese Wohnform in Hamburg „keine Rolle“. Viele Erwerber von Wohneigentum in Hamburg seien zwischen 30 und 40 Jahre alt und hätten dementsprechend „junge“ Eltern, die ihre Wohnsituation nicht verändern wollten.

Hybridwohnen: Eine gemischte Nutzung von Wohnen und Arbeiten klingt innovativ. Aber auch diese Wohnform spiele in Hamburg keine Rolle. „Die potenzielle Klientel der jungen Kreativen verfügt meist nicht über die Mittel, um so zu leben“, so die Erkenntnis der Experten. Mehrfach schon seien in Hamburg ambitionierte Projektkombinationen von Wohnen und Gewerbe noch in der Planungsphase von den Investoren wieder umgestoßen worden, weil es keine Nachfrage dafür gab.

Anspruchsvolle Architektur: Je progressiver ein architektonischer Entwurf sei, desto schwieriger werde die Vermarktung, sagten die Immobilienexperten. Nicht verputzte Fassaden, raumbreite Fenster oder offene Grundrisse würden eher abschrecken. Vor allem, weil Käufer Probleme bei einem Wiederverkauf vermuten.

Servicewohnen: Dienstleistungsangebote wie ein Portier, Reinigungsdienste oder ein Restaurantanschluss würden nur in sehr hochpreisigen Segmenten gefragt. Für die meisten Käufer seien sie „verzichtbare Extras“.

Verzicht auf Parkplätze: Der Senat hat bei Neubauten die Stellplatzpflicht abgeschafft, weil viele Hamburger angeblich gar keinen eigenen Pkw mehr besitzen. Doch in Neubaugebieten wie etwa dem Quartier 21 in Barmbek beklagen laut Grossmann&Berger mögliche Käufer gerade das Fehlen von Parkplätzen. Oft verfügten interessierte Haushalte sogar über zwei Autos.