Stadtentwicklung

Konzept „Stadt in der Stadt“: Mietshäuser werden aufgestockt

Weil auch in den kommenden Jahren die Zahl der Zuzügler konstant hoch bleiben wird, muss in Hamburg gebaut werden. Das Problem: es gibt aus Sicht der Stadtentwicklungsbehörde kaum mehr große unbebaute Flächen.

Hamburg. Hamburg wird in den nächsten Jahrzehnten wohl nur noch innerstädtisch wachsen können – zumindest, wenn es nach den Vorstellungen der Stadtentwicklungsbehörde geht. „Mehr Stadt in der Stadt“, so beschreibt die Behörde in einem Grundsatzpapier ihr oberstes Ziel für die Entwicklung der Stadt. Über das Thema soll – im Beisein unter anderen von Bürgermeister Olaf Scholz – auf der 6. Stadtwerkstatt am 28. Mai diskutiert werden.

Ausgangspunkt der These ist zum einen der in Hamburg zunehmende Mangel an großen freien Flächen für die Stadtentwicklung. Konversionsflächen, beispielsweise von der Bahn oder der Bundeswehr, wurden in den vergangenen Jahren weitgehend verplant. Zum anderen hält die Behörde am Gedanken der wachsenden Stadt fest und geht für die kommenden Jahrzehnte von einem kontinuierlichen Zustrom von jungen Arbeitskräften aus.

Wenig überraschend ist, dass die Experten der Behörde Hamburgs Wasserlage als Chance begreifen. Allerdings richten sie ihren Blick nicht nur auf die Quartiere an der Elbe. „Neben der acht Kilometer langen Hafenkante von Neumühlen bis zur HafenCity prägen auch Projekte wie der Harburger Binnenhafen, die Elbinseln sowie Vorhaben an Alster, Wandse, Osterbek, Bille und anderen kleineren Gewässern Hamburg als Stadt am Wasser.“

Entscheidend werde sein, „die Trennwirkung der Elbbrücken zu überwinden und in der östlichen Inneren Stadt neue Wasserlagen an Elbe und Bille zu erschließen“, schreiben die Autoren. Sie schätzen, dass rund 30.000 Menschen in den bereits heute geplanten Projekten am Wasser zusätzlich leben könnten. Für bis zu 70.000Menschen könnten dort Arbeitsplätze geschaffen werden.

Das deckt sich mit der Ankündigung von Bürgermeister Olaf Scholz. Der Sozialdemokrat hatte vor einigen Wochen erklärt, Hamburgs Osten wie Hamm, Horn oder Rothenburgsort zu einem Schwerpunkt der Stadtentwicklungspolitik machen zu wollen. „Teilweise gibt es dort großartige Wasserlagen. Wenn man sich diese Region anschaut, dann sieht man: Dort sind viele Dinge möglich“, sagte Scholz.

Die Stadtentwicklungsexperten gehen einen Schritt weiter und machen deutlich, dass für die künftige Stadtentwicklung in ganz Hamburg der Schlachtruf „Verdichten! Verdichten! Verdichten!“ gilt. Um mehr Wohnraum zu schaffen, sollen die letzten Baulücken geschlossen und die Zahl der Wohngeschosse bei Mietshäusern erhöht werden. Dabei orientieren sich die Planer an den Gründerzeitvierteln. Diese zeigten, „dass die Höhe und Dichte der Gründerzeitbebauung mit ihren sechs bis sieben Geschossen noch immer mit einer hohen Wohn- und Lebensqualität verbunden wird“.

Zwar wollen die Experten keine „Hochhausstadt Hamburg“. Allerdings können sie sich an ausgewählten Standorten weithin sichtbare Gebäude vorstellen. Entsprechendes Potenzial hätten das Wandsbeker Tor und der Harburger Binnenhafen sowie die Hafenkrone und die Elbbrücken. Tabu bleibe der Raum innerhalb des Wallrings. „Hier soll auch künftig die wertvolle Silhouette der Kirchtürme dominieren.“

Anleihen nehmen die Autoren des Diskussionspapiers bei der Idee von Hamburgs berühmtem Oberbaudirektor Fritz Schumacher, die Stadt entlang der in die Region hinausführenden Schienenstränge wachsen zu lassen. Auf zwei Karten, die von heute an im Internet unter www.hamburg.de veröffentlicht werden, ist dieser Gedanke sehr gut zu erkennen. Dahinter steht der Gedanke, dass eine komfortable Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz über U- oder S-Bahn eine absolute Voraussetzung dafür ist, dass Menschen Neubauflächen annehmen.

Dicht bebaute Gründerzeitviertel gelten als Vorbilder für nachgefragte Urbanität

„Urbanität steht hoch im Kurs“, schreiben die Autoren und meinen damit dicht bebaute Quartiere wie Eimsbüttel, das Schanzenviertel, St. Georg, Eppendorf, Winterhude oder Ottensen. Diese Viertel zeichnet neben dichter Bebauung eine gute Infrastruktur und das Nebeneinander Wohnen und Arbeiten aus. „Urbanität entsteht durch die Verknüpfung von Wohnen, Arbeiten, Bildung und Freizeit in enger räumlicher Nähe“, heißt es in dem Konzept.

Diese Viertel seien Vorbild für die auf der Karte gut zu erkennende „Urbanisierungszone“, in der die Stadtplaner erhebliche Reserven für die Entwicklung der „Stadt in der Stadt“ erkennen. Barmbek solle sich nach Südosten entwickeln; entlang der S 4 werde es zusätzliche urbanisierte Quartiere geben. Im Westen setzt die Behörde auf die Deckel über der A 7, wodurch angrenzende Flächen für den Wohnungsbau frei werden. Hamburgs Süden auf den Elbinseln bleibt ebenfalls weiter im Fokus. In diesem Zusammenhang bekennen die Stadtentwickler sich zu den in den 1960er- und 1970er-Jahren entstandenen Großwohnsiedlungen, wie Osdorfer Born oder Kirchdorf-Süd. Zehn Prozent der Hamburger leben dort. Um diese von Sozialwohnungen geprägte Viertel aufzuwerten, sei eine bessere Verkehrsanbindung genauso nötig wie Investitionen in Arbeitsstätten. Die Stadt müsse in Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen investieren. Die Stadtplaner fordern, die bisherige Trennung von Wohnen und Arbeiten aufzuheben. Ziel seien „vielfältige Nutzungsmischungen in den Quartieren und Stadtteilen“. Das bedeutet auch, dass Industrie- und Gewerbeflächen auf den Prüfstand kommen. Wenn die Behörde schreibt, diese müssten „einer höheren Effizienz und Wertschöpfung“ zugeführt werden, kann das bedeuten, dass sie künftig für den Wohnungsbau genutzt werden. Zudem wird klargestellt, dass es für den Hafen weitere Flächen kaum geben werde. Das Umschlagwachstum werde auf eine effizientere Nutzung vorhandener Flächen angewiesen sein.

Mit Blick auf Grünflächen stellen die Stadtplaner fest, dass es nur in Einzelfällen möglich sein wird, „neue Freiräume zu schaffen“. Stattdessen sollten bestehende Grünflächen miteinander verbunden werden, beispielsweise durch Wanderwege. Genutzt werden sollen vor allem „vom Zentrum der Stadt ausgehende Landschaftsachsen“.