Hamburg

Hooligan-Streit in der AfD - "Amok laufender Vorsitzender"

Bei der Versammlung in der Altstadt kam es am Vormittag zu Wortgefechten zwischen dem Landesvorsitzenden Jörn Kruse und dem Parteimitglied Claus Döring. Der Jurist Julian Flak ist neuer Vizevorsitzender.

Hamburg. Der schwer wiegende Konflikt innerhalb der Alternative für Deutschland (AfD) hat sich auf dem Landesparteitag am heutigen Sonnabendmittag zugespitzt. Einmal mehr ging es um die Teilnahme von Parteimitgliedern an der Demonstration "Hooligans gegen Salafisten" in Köln, bei der es vor zwei Wochen zu gewalttätigen Ausschreitungen auch gegen Polizeibeamte kam.

"Es gab keine Gewalt. Das war eine friedliche Demonstration", rief Claus Döring in den Saal der Patriotischen Gesellschaft an der Trostbrücke (Altstadt). Döring hatte an der Kölner Demonstration teilgenommen und bezeichnet sich selbst als Hooligan. Lautstarke Unmutsäußerungen waren die Folge.

Der sichtlich aufgebrachte AfD-Landeschef Jörn Kruse stürmte ans Rednerpult. "Ich nehme an, dass Sie wissen, dass sich die AfD gegen jede Form der Gewalt distanziert, vor allem gegen Polizeibeamte", rief Kruse aufgebracht. "Es ist völlig indiskutabel, dass Sie diese Position hier beziehen." Doch Döring zeigte sich unbeeindruckt.

"Die Hooligans waren radikal friedlich", sagte Döring. Die Polizeibeamten seien durch das von ihnen selbst eingesetzte Pfefferspray und durch Scherben verletzt worden, die durch Wasserwerferstrahlen aufgewirbelt worden seien. Nur das Ende der Redezeit verhinderte eine Fortsetzung der Debatte.

Der Parteitag hatte am Morgen zunächst beschlossen, den vorgesehenen Tagesordnungspunkt "Aussprache zur Lage des Landesverbands" zu streichen. Nur durch einen kleinen Trick kamen die internen Kritiker ihr Thema dann doch noch zur Sprache bringen.

Döring wurde als Kandidat für einen der Beisitzerposten vorgeschlagen. Das führte zu einer Kandidatenvorstellung. Schon in seiner Nominierungsrede erhob Döring schwere Vorwürfe gegen Parteichef Kruse, der den Ausschluss von Döring und seiner Mitstreiterin Tatjana Festerling gefordert hatte. Döring nannte Kruse einen "Amok laufenden Vorsitzenden", weil er nur auf Grund der Berichterstattung der Medien geurteilt habe.

Am Ende seiner Befragung erklärte Döring dann, dass er sich doch nicht zur Wahl stelle. Zum neuen stellvertretenden Parteichef wählten die Mitglieder den 32 Jahre alten Wirtschaftsjuristen Julian Flak. Neuer Schatzmeister ist der 50 Jahre alte Angestellte Walter Strack. Am Nachmittag wollte die AfD das Wahlprogramm beraten.