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Chaos in der Hamburger AfD – halber Parteivorstand tritt zurück

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Jens Meyer-Wellmann

Kurz nach der Kandidatenaufstellung für die Bürgerschaftswahl steckt die AfD in der Krise. Aus Protest gegen den großen Einfluss früherer Schill-Anhänger treten Vorstandsmitglieder zurück. Landeschef Kruse werfen sie Manipulation vor.

Hamburg. Die Alternative für Deutschland (AfD) steckt nur zwei Tage nach ihrem Landesparteitag in Hamburg tief in der Krise. Am Dienstag haben vier der neun Mitglieder des Landesvorstandes ihren Rücktritt erklärt, darunter der bisherige Pressesprecher Oliver Scholl. Die Zurückgetretenen kritisieren den massiven Einfluss früherer Schill-Politiker wie Dirk Nockemann in der AfD und werfen Parteichef und Spitzenkandidat Jörn Kruse Manipulation bei der Aufstellung der Landesliste für die Bürgerschaftswahl am vergangenen Wochenende vor.

Kruse habe zusammen mit dem früheren Büroleiter von Ronald Schill und späteren Innensenator Nockemann vorab eine Liste erarbeitet und festgezurrt, die er dann beim Parteitag durchgedrückt habe, hieß es aus den Reihen der früheren Vorstände. Das sei ihm nur deswegen gelungen, weil Nockemann einstige Gefolgsleute des Big-Brother-Stars Schill massiv in die Partei gezogen habe – auch noch relativ kurz vor dem Parteitag. Nockemann selbst wurde schließlich auf den dritten Platz der Landesliste gewählt.

„Vorbereitung und Ablauf des Landesparteitages entsprachen nicht den selbst gesteckten Zielen zu innerparteilicher Demokratie und Transparenz“, heißt es in der Pressemitteilung der vier Zurückgetretenen, die neben Scholl auch die ehemalige stellvertretende Landessprecherin Barbara Krüger-Sauermann, Landesschatzmeister Erich Marquart und der Bundesdelegierte Günther Siegert unterzeichnet haben. „Landessprecher Jörn Kruse war bestrebt, seine Position durch gezielte Platzierung bequemer Gefolgsleute auf der Liste der Bürgerschaftskandidaten zu untermauern. Gleichzeitig hat er in unzulässiger Weise in die Vorstellung der ihm weniger genehmen Kandidaten aktiv eingegriffen.“

Die AfD dürfe aber keine Wiederauflage der Partei von Ronald Barnabas Schill werden, sagte Ex-Pressesprecher Scholl dem Abendblatt am Dienstagabend.

„Wir, die zurückgetretenen Landesvorstandsmitglieder der AfD, betonen ausdrücklich, keine Differenzen mit der Bundespartei, dem Bundesvorstand oder der Programmatik der Alternative für Deutschland zu haben“, heißt es in der Erklärung. „Sondern wir legen Wert darauf, dass dieser Vorgang eine Hamburger Angelegenheit ist, die dennoch einer öffentlichen Diskussion bedarf.“

Beendet ist der Konflikt mit den Rücktritten also wohl nicht. Denn die vier Vorstände haben zwar ihre Ämter niedergelegt. Sie wollen aber in der Partei bleiben und weiter aktiv mitarbeiten.

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