Islamismus

Verfassungsschutz: 150 radikale Salafisten in Hamburg

Die Zahl hat sich in den vergangenen Monaten verdoppelt, sagt Verfassungsschutzchef Torsten Voß. Islamisten werben gezielt Schüler und Minderjährige an, die bereit sind, in den Bürgerkrieg zu ziehen.

Hamburg. Die Zahl der radikalen Salafisten hat sich in den vergangenen Monaten in der Hansestadt mehr als verdoppelt. Derzeit seien 150 Personen der harten Szene zu zuordnen, sagte Hamburgs oberster Verfassungsschützer Torsten Voß NDR 90,3. Bislang war der Verfassungsschutz von 70 radikalen Salafisten ausgegangen. Zudem würden die Salafisten, die bereit sind, in Syrien mit der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) zu kämpfen, immer jünger.

Der Hamburger Verfassungsschutz geht von organisierten Gruppen im Bereich Salafismus aus, die gezielt Schüler und Minderjährige ansprechen. Aufgrund dieser Strukturen könnten auch Jugendliche nach Syrien und in den Irak reisen, erklärte Verfassungsschutzchef Torsten Voß. Es handle sich um fünf- bis siebenköpfige Gruppen von Jugendlichen, die teilweise minderjährig seien. „Hier gehen wir auch von Werbungsstrukturen aus, die wir aber aufklären", sagte Voß weiter.

Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass vier Jugendliche aus Altona Vorbereitungen getroffen hatten, in die Bürgerkriegsgebiete in Syrien und dem Irak zu reisen. Nach Informationen des Abendblatts handelte es sich um zwei 17-jährige Jungen und zwei Mädchen im Alter von 14 und 15 Jahren. Drei der Minderjährigen haben türkische Wurzeln, einer der Jungen stammt aus Gambia. Zuvor hatte das Abendblatt über einen jungen Mann berichtet, der kurz vor seinem 19. Geburtstag im syrischen Bürgerkrieg getötet worden war. Auch er kommt aus Altona.

Nach aktuellen Schätzungen sollen 40 Islamisten aus Hamburg Richtung Syrien ausgereist sein. Der Verfassungsschutz geht von einer weit höheren Zahl aus.