Gesundheitsgefahr

Wasserzähler in Hamburg mit Krankheitskeimen verseucht

Die Gesundheitsbehörde hat den Einbau von Wasserzählern in Kitas, Krankenhäusern und Altenheimen gestoppt, nachdem in einer Lieferung an Hamburg Wasser verkeimte Geräte entdeckt wurden.

Hamburg. Sie rauschen unbemerkt durch den Wasserhahn: Pseudomonas aeruginosa heißt die unsichtbare Bedrohung, die für Kleinkinder, kranke oder alte Menschen tödlich sein kann. Ausgerechnet bei neu produzierten Wasserzählern wurden diese resistenten Bakterien jetzt festgestellt. Wie das Unternehmen Hamburg Wasser auf Abendblatt-Anfrage einräumte, wurden in einer Lieferung insgesamt 13 verkeimte Geräte entdeckt. „Die Charge wurde sofort aus dem Verkehr gezogen, und wir haben umgehend den Kontakt zum Hersteller aufgenommen“, sagt Ole Braukmann, Sprecher von Hamburg Wasser. Die Ursachenforschung und die Suche nach weiteren kontaminierten Wasserzählern läuft nun auf Hochtouren.

„Bis die Untersuchungen abgeschlossen sind, werden Wasserzähler in Kindertagesstätten oder Krankenhäusern vorerst nicht gewechselt“, so Braukmann. Das hat die Hamburger Gesundheitsbehörde angeordnet. Genauso wie sie die Untersuchung des Trinkwassers bis spätestens 13. September in allen Einrichtungen fordert, in denen neue Wasserzähler eingebaut wurden und in denen besonders gefährdete Menschen leben. In betroffene Ein- oder Mehrfamilienhäuser wird dagegen nicht untersucht, obwohl auch dort Kleinkinder und Immunschwache wohnen. „Für andere Einrichtungen wird das Risiko von Fachleuten als gering eingeschätzt“, erklärt dazu Rico Schmidt, Pressesprecher der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, die Entscheidung. Laut Hamburg Wasser werden von Beginn der kommenden Woche an in etwa 100 Schulen, Kitas, Krankenhäusern, die neue Zähler bekommen haben, Proben genommen, die dann schnellstmöglich ausgewertet werden sollen.

Dass etwas mit den neuen Hamburger Wasserzählern nicht stimmt, kam nur durch einen Zufall heraus. In einer Kita in Schenefeld bei Hamburg kämpften die Experten seit Monaten mit einem Pseudomonaden-Befall im Krippen-Neubau, den sie einfach nicht in den Griff bekamen. Obwohl die Leitung mehrmals mit Wasserstoffperoxid gespült, alle neu installierten Wasserhähne ausgetauscht und sogar noch einmal neue Wasserleitungen gelegt wurden, blieben die Messergebnisse bedenklich, die Krippe geschlossen. Statt spielender Kinder gehen seit Monaten Gutachter durchs Haus, untersuchen acht verschiedene Messpunkte und stellen immer wieder fest: Pseudomonaden im Wasser. „Die Werte lagen an manchen Messpunkten bei mehr als 200 Koloniebildende Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter. Ab 200 KBE kann eine genaue Anzahl nicht mehr ermittelt werden. Es könnten also 300 oder zum Beispiel 600 pro Probe gewesen sein“, sagt Schenefelds Bauamtschef Günter Leimert. Null müssen es sein, damit die Krippe öffnen darf.

„Es ist eine Katastrophe und fürs Personal eine haltlose Situation“, sagt die Kita-Leiterin Sabine Jacobsen, die seit knapp einem Jahr hofft, die dringend benötigte Krippe nutzen zu dürfen. Jetzt soll es im November so weit sein. Denn in Schenefeld ist man überzeugt, dass man die Quelle gefunden hat. Denn nachdem alle Möglichkeiten ausgeschlossen waren, wurden zuletzt ein eingebauter sowie ein original verpackter Wasserzähler zur Untersuchung ans Hygieneinstitut des Universitätsklinikums in Kiel geschickt. Hier entdeckte man Ende August, was zuvor dem Hersteller und Hamburg Wasser anscheinend bei den Untersuchungen nicht aufgefallen war: Der eingebaute und der neue Zähler waren kontaminiert.

Aufgeschreckt durchs Schenefelder Ergebnis, ließ Hamburg Wasser die entsprechende Lieferung untersuchen. Dabei wurden laut Braukmann weitere zehn Wasserzähler mit einer leichten sowie zwei mit einer starken Verkeimung durch Pseudomonas aeruginosa entdeckt. Wie es zu der Verunreinigung kommen konnte, warum sie bei den Qualitätschecks nicht auffiel? Das kann man sich sowohl bei Hamburg Wasser als auch beim Hersteller Allmess nicht erklären. Das Unternehmen, das zum französischen Konzern Itron gehört, produziert Wasserzähler am Fließband. Hamburg Wasser hatte 174.000 Wasserzähler bei Itron bestellt. 30.000 wurden seit Anfang des Jahres bereits geliefert, 20.000 verbaut. „Hamburg Wasser hat bei unseren Zählern diesen Keim in geringer Zahl festgestellt. Wir können uns das nicht erklären, nehmen das Thema aber sehr ernst. Wir haben unsere Kontrollen verschärft und lassen von verschiedenen Laboren die Wasserzähler testen“, sagt Allmess-Geschäftsführer Harald Jöllenbeck. Bislang allerdings ohne Befund.

Auch Hamburg Wasser hat reagiert. Die Wareneingangskontrolle wird verschärft, die Stichprobenzahl erhöht und alle Zähler im Lager, egal welchen Herstellers, untersucht. „Damit wollen wir sicherstellen“, so Braukmann, „dass alle Zähler hygienisch einwandfrei sind.“