Bad Schandau

Bewährungsstrafen im Prozess im Überfall auf Hamburger Schüler

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Martin Fischer

Die jungen Männer hatten zugegeben, den damals 15 Jahre alten Jungen, der chinesische Wurzeln hat, geschlagen zu haben. Dabei hatte der Teenager Brüche an Kiefer und Augenhöhle erlitten.

Hamburg/Pirna. Sie schlugen einen 15 Jahre alten Hamburger Schüler asiatischer Abstammung im sächsischen Bad Schandau brutal zusammen – dafür erhielten drei junge Männer nun Bewährungsstrafen. Einen fremdenfeindlichen Hintergrund, wie zunächst vermutet, konnte das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Pirna am Mittwoch aber nicht feststellen. Die Tat hatten die 18, 20 und 26 Jahre alten Angeklagten in der nichtöffentlichen Verhandlung gestanden. „Sie haben auch gesagt, dass es ihnen leidtut“, sagte Gerichtssprecher Andreas Beeskow. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu Freiheitsstrafen zwischen 8 und 15 Monaten auf Bewährung unter anderem wegen schwerer Körperverletzung. Ihrem Opfer zahlen sie 3500 Euro Schmerzensgeld.

Die Angeklagten verließen wortlos den Gerichtssaal. Der junge Hamburger war nicht selbst zum Prozess nach Pirna gekommen. „Er wollte nicht wieder hierher müssen“, sagte sein Anwalt Björn Elberling. Zu schwer liege die Last des Schreckens jener Nacht im vergangenen September noch auf ihm.

Auf Klassenfahrt in der Sächsischen Schweiz war er den Tätern in der Jugendherberge zufällig begegnet. Diese hatten sich bei einem Dorffest mit Klassenkameraden des Hamburgers angelegt und waren ihnen in die Herberge gefolgt. Dort schlugen sie dem 15-Jährigen so brutal ins Gesicht, dass Kiefer und Augenhöhle brachen. Einige Zeugen hatten ausgesagt, dass auch rechtsradikale Parolen gerufen worden seien. Die Polizei vermutete schnell einen fremdenfeindlichen Hintergrund. Der Vorwurf wurde dann aber wieder fallengelassen. Es sei um Fußball gegangen, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

„Im Ergebnis konnte das Gericht keine rechtsradikale Motivation der Täter feststellen“, sagte Beeskow. Die Täter seien „sehr unbedarft und sehr unüberlegt an die Sache herangegangen“. Der Tat gingen nach Auffassung des Gerichts Streitigkeiten beim Dorffest und Auseinandersetzungen über Fußball voraus.

Opfer-Anwalt Elberling sieht das anders. Zwar sei es schwierig, zwischen einer generellen rechten Gesinnung und einer direkten Tatmotivation zu unterscheiden. Aber dennoch: „Die Tat, wie sie sich zugetragen hat, die kann man nicht mit Fußball, Frust oder Alkohol erklären.“ Elberling glaubt weiter, dass rassistische Motive eine Rolle spielten. Der Kieler Jurist hat Erfahrungen in der Szene. Auch im Münchner NSU-Prozess ist er Nebenkläger-Anwalt.

Verhandelt wurden auch die Beleidigung eines Polizisten gegen einen der Angeklagten sowie versuchter Raub gegen zwei von ihnen. In beiden Fällen gab es Schuldsprüche, beim versuchten Raub jedoch nur gegen einen Angeklagten. Der andere wurde freigesprochen. Im Falle der Beleidigung war der Angeklagte zum Tatzeitpunkt erst 17 Jahre alt. Dies hatte wegen der besonderen Schutzwürdigkeit von Jugendlichen in Strafprozessen dazu geführt, dass die Öffentlichkeit gleich zu Beginn des Verfahrens ausgeschlossen worden war.

( (dpa) )

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