Pilotprojekt

Bergedorf testet den Personalausweis to go

In Bergedorf wird ein Selbstbedienungsautomat getestet, der Fotos macht, Fingerabdrücke nimmt und digitale Unterschriften speichert. Er könnte die Beantragung in Zukunft deutlich einfacher machen.

Bergedorf. Die Zukunft im Einwohnermeldeamt ist schwarz, hat eine eingebaute Kamera und trägt den schneidigen Namen „Speed Capture G3“. Der computergesteuerte Selbstbedienungsautomat für Ausweise soll von Februar an in Hamburg getestet werden. Das Pilotprojekt startet im Bezirksamt Bergedorf. Sollte die sechsmonatige Testphase bei Bürgern Anklang finden und für die Behörde erfolgreich abgeschlossen werden, könnten die Apparate flächendeckend in den Meldeämtern der Stadt installiert werden. In Eimsbüttel etwa gibt es bereits von der CDU die politische Forderung nach dem fortschrittlichen System.

Mit dem Gerät können Pass- oder Ausweisantragsteller eigenständig biometrische Fotos machen, Fingerabdrücke scannen und ihre Unterschrift digitalisieren lassen. Nach einer Qualitätskontrolle werden die Daten an die zuständigen Sachbearbeiter übermittelt. Noch bevor der Bürger das Büro betreten hat, liegen alle für den neuen Ausweis benötigten Identitätsmerkmale vor und müssen nicht mehr nacheinander von einem Beamten erfasst werden. Um die reale Person dem richtigen digitalen Datensatz zuzuordnen, erfolge lediglich noch eine Identitätskontrolle.

Klaus Wolters, Dezernent im Bergedorfer Bezirksamt, erhofft sich von dem sogenannten Selbsterfassungsterminal eine Entlastung der Sachbearbeiter und eine Reduzierung des Papierverbrauchs. Bisher mussten mitgebrachte Fotos eingescannt und Fingerabdrücke, die freiwillig auf dem neuen Ausweis hinterlegt werden können, per Hand abgenommen werden. „Für den Bürger soll die Servicequalität deutlich optimiert werden“, sagt Wolters. Die Zeit für die Beantragung werde spürbar reduziert. Fotos, die den Anforderungen der Bundesdruckerei nicht entsprechen, gehörten der Vergangenheit an.

Binnen fünf Minuten soll alles erledigt werden können. Eine einfache Menüführung in sechs Sprachen gewährleiste, dass auch ältere und ausländische Kunden mit dem Gerät zurechtkommen. Rollstuhlfahrer können sich den Automaten sogar auf Augenhöhe einstellen. Der berührungsempfindliche Bildschirm leite kinderleicht an, der Fingerscanner arbeite zuverlässig und die Fotoautomatik mit LED-Blitzen stellt den Dienst erst ein, wenn eine akzeptable Biometrie erreicht wird. 6Euro soll der automatisierte Service kosten, die Gebühren für Ausweise und Reisepässe kämen noch hinzu, sie blieben unverändert.

In Hannover, Göttingen, Essen und Norderstedt als erster schleswig-holsteinischer Stadt wird das Gerät bereits eingesetzt. Im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf spricht der zuständige Dezernent Stephan Richter von guten Erfahrungen: „Spontankunden müssen nun nicht mehr weggeschickt werden. Sie können ihre Wartezeit sinnvoll nutzen.“ Die Akzeptanz sei zwar noch ausbaufähig, nur zehn bis 15 Prozent der monatlich 5000 Antragsteller würden das Gerät nutzen, aber das liege auch an der fehlenden Werbung zum Start. 4,50 Euro kostet der Dienst in der Hauptstadt. Ein Preis, der gewerbsmäßige Fotografen im Umfeld der Berliner Kundenzentren auf die Palme brachte, sagt Richter. Sie sahen ihr Geschäft mit den biometrischen Ausweisfotos gefährdet. Nun werde über eine Preisangleichung nachgedacht.

Automaten sollen Arbeit und Wartezeit verringern

In der Hauptstadt hatte eine Erhebung ergeben, dass die Sachbearbeiter seit der Einführung des neuen Personalausweises im November 2010 durchschnittlich elf Minuten länger für die Bearbeitung eines Antrags brauchten. Erhöhter Beratungsbedarf und die freiwillige Abgabe der Fingerabdrücke hätten enorm viel Zeit gekostet. „Mit den Automaten sparen wir Arbeit und Wartezeit“, sagt Richter. Betrieben werde die Station vom Hersteller, der Ratinger Firma Speed Intraproc. Die Anschaffungskosten von etwa 22.000 Euro würden deshalb entfallen.

Auch der Bezirk Bergedorf will nur den Platz für den Automaten zur Verfügung stellen. Die Einnahmen gehen an die Herstellerfirma, die sich das Gerät 2012 vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizieren ließ. Demnach sei die Übermittlung der Daten an die Rechner der Meldeämter sicher, der Bundesbeauftragte für Datenschutz hat das Terminal abgenommen.

In Hamburg werde der Betrieb in enger Abstimmung mit dem hiesigen Datenschutzbeauftragten Johannes Casper aufgenommen. „Das ist eine Formalie“, sagt Dezernent Wolters. In anderen Städten habe es bisher keine Lecks gegeben. Der Automat selbst speichere keine Daten, die Datensätze auf den Meldeamtsrechnern mit Fotos, Fingerabdrücken und Unterschriften sollen täglich gelöscht werden. Eine mehrfache Verwendung, etwa wenn Pass und Ausweis gleichzeitig beantragt werden, sei aber möglich.

Das Pilotprojekt in Bergedorf wird in den anderen Bezirken mit Interesse verfolgt. Eimsbüttels Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD) etwa will die Ergebnisse zur Entscheidungsgrundlage in seinem Haus machen. „Wir müssen mal abwarten, ob sich das System in der Pilotierung bewährt“, sagt er. Bei einem Erfolg sei der Ausweisautomat angesichts des Sparzwangs der Bezirke sicher eine sinnvolle Ergänzung der täglichen Arbeit. Die Chancen für eine digitale Revolution in den Hamburger Ämtern der Stadt stehen also nicht schlecht.