SSB Spezialschiffbau

Werft der Hamburger Hafenfähren ist zahlungsunfähig

Die Werft SSB Spezialschiffbau Oortkaten muss saniert werden. Derzeit ist sie zahlungsunfähig. Gute Auftragslage, aber finanzielle Engpässe. Für Februar ist noch eine Fähre bestellt.

Hamburg. Wieder schlechte Nachrichten aus dem Hamburger Schiffbau: Die Werft SSB Spezialschiffbau Oortkaten ist insolvent. Der Erbauer der berühmten „Bügeleisen“-Fähren meldete am Nikolaustag Zahlungsunfähigkeit an. Die charakteristischen Fähren fahren für die Hadag im Hamburger Hafen. SSB mit Sitz am Oortkatenufer zwischen Ochsenwerder und Kirchwerder baut aber auch andere Schiffstypen, unter anderem Flachfähren für die Hadag. Im gelben Desgin des „Königs der Löwen“ fahren derzeit die „Nala“ und die „Rafiki“. Eine dritte Flachfähre soll SSB bis Ende Februar abliefern.

Die Miniwerft mit 14 Vollzeit- und drei Teilzeitmitarbeitern ist in eine Falle gefahren, die in den vergangenen Jahren mehreren deutschen Schiffbauern zum Verhängnis wurde: Eine gute Auftragslage täuscht über wachsende finanzielle Risiken im Unternehmen hinweg. Eigenkapital ist irgendwann nicht mehr vorhanden. Spätestens dann kommt der Insolvenzverwalter.

Bei SSB muss jetzt der Schwiegersohn als Sanierer ran. Der Betriebswirt Alvaro Leonardo Moreno, 44, übernahm Anfang Oktober die Geschäftsführung der Werft, konnte aber die Insolvenz nicht mehr abwenden. Zuvor hatte Morenos Schwiegermutter Renate Schütte seit 2008 die Geschicke des Unternehmens gesteuert, nachdem ihr Lebensgefährte, der SSB-Gründer Klaus Schlünzen, gestorben war.

Die SSB-Belegschaft arbeitet mit Herzblut. Zehn der 13 seit Werftgründung im Jahr 2000 gebauten Schiffe gingen allein an die Hadag. Aber Geschäftsführung wie bei Muttern zahlte sich letztlich nicht aus: „Es ist eine verrückte Situation“, sagt Moreno: „Wir sind sehr gut ausgelastet, leiden aber unter finanziellen Altlasten. Deshalb war die Insolvenz nicht zu vermeiden.“ Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz von der Kanzlei White & Case ordnet jetzt die Bilanzen neu und sucht einen Investor für die Werft. „Zunächst geht es darum, im Gespräch mit der Hadag die Finanzierung des aktuellen Neubaus zu sichern“, sagt Undritz. „In den ersten Monaten des kommenden Jahres muss dann SSB insgesamt auf ein neues betriebswirtschaftliches Fundament gestellt werden. Das wird kein Selbstläufer, aber ich bin zuversichtlich, dass es gelingen kann.“

Die Schiffbaukrise hat die norddeutsche Werftbranche seit 2008 radikal rasiert. Unter anderem ging 2011 Deutschlands älteste Werft Sietas insolvent, die 1635 gegründet worden war. In Neuenfelde arbeiten noch rund 130 Mitarbeiter an der Endausfertigung des letzten Sietas-Schiffes. Der chinesische Stahlbaukonzern ZPMC in Shanghai prüft eine Übernahme von Sietas.

Anders als Werften für Seeschiffe allerdings sind Unternehmen wie SSB keiner internationalen Konkurrenz ausgesetzt. Zumeist arbeiten diese Anbieter mit sehr speziell zugeschnittenen Produkten für regionale oder lokale Märkte. Klaus Schlünzen hatte SSB seinerseits im Jahr 1999 nach der Insolvenz der Heinrich Grube Werft neu aufgebaut und dann mit den „Bügeleisen“ für die Hadag ein Erfolgsschiff entworfen. Diese Schiffe fahren sehr raumeffizient und können mit einer Person Besatzung betrieben werden. „SSB ist ein Nischenanbieter mit einem sehr guten Potenzial bei Neubau und Reparatur“, sagt Insolvenzverwalter Undritz. Auch beim Bau von Bargen für eine künftige Versorgung des Hamburger Hafens mit verflüssigtem Erdgas (LNG) könnte die Werft mit Standort im Hamburger Süden eine Rolle spielen.

Die Hadag will die neue, dritte Flachfähre Ende Februar, spätestens Anfang März von SSB übernehmen. Das Schiff wird dann angemeldet und soll im April in Betrieb genommen werden. „Wir gehen davon aus“, sagte eine Hadag-Sprecherin dem Abendblatt, „dass die Fähre abgeliefert wird wie geplant.“