Justiz

HSH-Nordbank-Prozess zieht sich bis ins nächste Jahr

Prozess gegen den ehemaligen Vorstand der HSH Nordbank: Mittlerweile zeichnet sich ab, dass sich das Verfahren wohl noch weit in das kommende Jahr hineinziehen wird.

Neustadt. 18 bislang absolvierte Verhandlungstage und sechs vernommene Zeugen: So sieht die Bilanz aus im Prozess gegen den ehemaligen Vorstand der HSH Nordbank. Die Suche nach der Wahrheit gestaltet sich äußerst zäh und aufwendig. Und mittlerweile zeichnet sich ab, dass sich das Verfahren wohl noch weit in das kommende Jahr hineinziehen wird. Die vorerst terminierten 20 weiteren Verhandlungstage werden kaum genügen.

Auch wenn sich wohl bei keinem der Angeklagten so etwas wie Routine beim Gang ins Gericht einstellen wird – eine besonders hohe Anspannung ist weder Dirk Jens Nonnenmacher noch den fünf Mitangeklagten, anderen früheren Vorständen der HSH Nordbank, anzusehen. Mit freundlichem Lächeln und kräftigem Händedruck begrüßen sie jeweils einander, um dann hoch konzentriert den Vernehmungen der Zeugen zu lauschen, die über die Vorbereitung und die finale Absegnung des umstrittenen Finanzgeschäfts „Omega 55“ berichten.

So ist in den Aussagen von ellenlangen, hektischen Arbeitstagen für die Mitarbeiter in mehreren Abteilungen die Rede, von extremem Druck und zum Teil auch einer Organisation und Koordination, die zu wünschen übrig ließen.

„Omega 55“ war ein komplexes Kreislaufgeschäft mit der Pariser Großbank BNPP im Jahr 2007, das die Eigenkapitalquote der HSH Nordbank eigentlich entlasten sollte. Doch laut Anklage in dem Prozess hat „Omega 55“ der Bank letztlich einen Verlust von 158Millionen Euro beschert. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher sowie fünf weiteren Angeklagten Untreue in einem besonders schweren Fall vor. Sie hätten auf der Grundlage ihrer Unterlagen die Chancen und Risiken des Geschäfts nicht ausreichend prüfen können und damit ihre Pflichten verletzt, heißt es in der Anklage. Nonnenmacher und einem weiteren Vorstand werden zudem Bilanzfälschung vorgeworfen. Der Prozess wird am 17. Oktober fortgesetzt.