Zwischenruf

Ich glaub, ich spinne

Ein Hilferuf von Iris Hellmuth

Es gibt Leute, die bringen sich Eierbecher aus dem Urlaub mit oder Muschelketten und kleine Buddhas. Wir haben uns dieses Jahr mal etwas ganz anderes mitgebracht: eine Spinne. Das ist natürlich nicht freiwillig passiert. Wir waren mit unserem Auto auf Korsika und haben dort landesüblich im Zelt übernachtet. Daneben parkte unser Auto, oftmals mit geöffneten Türen. Der korsischen Spinne scheint das gefallen zu haben: Sie ist mit uns bis nach Hamburg gefahren.

Zum ersten Mal begegneten wir uns bei Tempo 130 auf der Autobahn. Gelähmt vor Angst sah ich, wie sie über das Armaturenbrett krabbelte – ich habe noch nie eine so große Spinne gesehen. Der nette McDonald’s-Mitarbeiter marokkanischer Herkunft, der kurz darauf versuchte, mir zu helfen, auch nicht – wobei er nach eigener Aussage als Kind viel mit Spinnen gespielt hatte. „F***ing big!“ sagte er nur, als er das Tier auf dem Vordersitz sah. Dann lief er zurück ins Gebäude, holte ein Paar schwarze Handschuhe – und einen Kollegen. Leider scheiterte ihre Mission. Die korsische Kampfspinne zog sich blitzschnell in einen Lüftungsschlitz zurück.

Und dort sitzt sie nun, seit über einer Woche. Niemand kann uns helfen. Kammerjäger, Zoo-Handlungen, das Amt für Hygiene – alle nicht zuständig. Spinnen sind keine Schäd-, sondern Nützlinge, sagte mir ein Kammerjäger am Telefon. Klasse, dachte ich nur. Doch vielleicht klappt es ja auf diesem Weg: Sind Sie zufällig ein Spinnenflüsterer und sprechen korsisch? Dann melden Sie sich bitte bei mir!