Teil 15: Volksdorfer Teichwiesen

Hier fliegen Falter ganz besonders auf Veilchen

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Katharina Putzer

1993 wurden die Volksdorfer Teichwiesen unter Schutz gestellt. Es ist eines der letzten gut erhaltenen Tunneltäler.

Einen kurzen Augenblick sitzt er still. Auf einem Grashalm. Dann flattert der Braunfleckige Perlmuttfalter weiter und landet auf einem Sumpfveilchen. Wo die seltene Pflanze vorkommt, fühlt sich auch das gefährdete Tier wohl - sein Nachwuchs frisst die Blätter des Veilchens besonders gern, und die gibt es auf den Volksdorfer Teichwiesen.

Das 39 Hektar große Naturschutzgebiet bietet vielen Lebewesen eine Heimat: Der scheue Schlagschwirl singt versteckt im Gras, die Sumpfschrecke zirpt, und abends jagen Breitflügelfledermäuse an den Teichen nach Insekten.

"Die Artenvielfalt in diesem Areal ist eigentlich erstaunlich", sagt Horst Bertram vom Botanischen Verein, der sich mit Wolfram Hammer vom BUND um das Gebiet kümmert. Erstaunlich, weil viele Wohnhäuser das Areal umgeben, zahlreiche Hunde hier täglich unterwegs sind und direkt nebenan auf dem Waldweg zwischen Volksdorf und Sasel der Verkehr rauscht.

"Es muss aber dringend wieder mehr für diese Vielfalt getan werden", schränkt Bertram ein. Damit meint der pensionierte Biologielehrer den Zustand der Wiesen und Weiden im Gebiet: Bis vor etwa zwei Jahren hielten Hochlandrinder eines Bauern den Bewuchs kurz. Damit seltene Pflanzen wie das Breitblättrige Knabenkraut - eine seltene Orchideenart - nicht überwuchert wurden. Doch dann endete das Pachtverhältnis und die Flächen lagen brach. "Ein Kompetenzproblem", vermutet Bertram. Zuständig für das Gebiet ist das Bezirksamt Wandsbek. Aber auch die Finanzbehörde hat als Eigentümer eines großen Teils der Flächen Mitspracherecht. "Glücklicherweise hat sich nun ein neuer Pächter mit Gespür für die Natur gefunden, der mit dem Mähen der stark vernachlässigten Wiesen begonnen hat", so Bertram. Die Natur - das sind hier neben Wiesen und Weiden ein Bruchwald sowie Fließ- und Stillgewässer. Und zwar auf Boden mit geologischer Besonderheit: Das Gebiet ist eines der letzten gut erhaltenen Tunneltäler in Hamburg. Sein Ursprung liegt in der Eiszeit: Schmelzwasser bahnte sich in Form eines Gletschertunnels seinen Weg unter dem Eis. Der Druck der Eismassen sorgte dafür, dass sich das Wasser in den Boden grub und die Landschaft entstand. Im Gegensatz zu vielen anderen ist das Volksdorfer Tunneltal aber extrem kurz und tritt heute als sanfte Talmulde in Erscheinung.

Wer mehr erfahren möchte, kann einfach losziehen: Überall im Schutzgebiet sind Informationstafeln aufgestellt. Dort lässt sich nachlesen, wie die roten Seerosen auf die Teiche kamen oder wann die Frösche quaken. Und vielleicht fliegt bei diesem Spaziergang ja auch ein Braunfleckiger Perlmuttfalter vorbei. Auf dem Weg zum nächsten Sumpfveilchen.

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