Neuer Job

Juso-Chef arbeitet für Vattenfalls Energiewende

Hauke Wagner ist für die Umsetzung der Energiewende zuständig, muss mit Bürgermeister Scholz verhandeln - und gab ihm schon mal Kontra.

Hamburg. Er zählt zur Führungsreserve der SPD von übermorgen: Jetzt übernimmt Hauke Wagner , 30-jähriger Juso-Landesvorsitzender und Sohn des langjährigen Bausenators Eugen ("Beton-Eugen") Wagner, einen durchaus brisanten Job. Wagner junior steht vom 1. September an in Diensten des Energiekonzerns Vattenfall.

Der selbstbewusste Sozialdemokrat wird als "Projektmanager Energiekonzept Hamburg" bei dem schwedischen Staatsbetrieb arbeiten. Konkret heißt das: Wagner ist für die Umsetzung der Energiewende zuständig, die Vattenfall und der SPD-geführte Senat im Zuge des Teilrückkaufs der Versorgungsnetze vertraglich vereinbart haben. Wagner wird sich unter anderem um den Bau des Gas- und Dampfturbinenkraftwerks in Wedel, das den kohlegetriebenen Altmeiler ersetzen soll, sowie die Errichtung der Energiespeicher in Wedel und Tiefstack kümmern.

Wenn Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) mit Vattenfall als dem wichtigsten Partner der von ihm proklamierten Energiewende am Verhandlungstisch sitzt, dann wird Parteifreund Wagner auf der anderen Seite Platz nehmen. Wagner selbst sieht das professionell. "Ich war und bin immer bestrebt, einen Job zu haben, der mich im Zweifel unabhängig von der Politik macht", sagt der 30-Jährige.

+++ Die Jusos mucken jetzt ein bisschen auf +++

Obwohl Scholz und auch Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) die gute Zusammenarbeit mit Vattenfall stets betonen, ist der schwedische Energiekonzern bei manchen Sozialdemokraten trotzdem nicht wohlgelitten. Das liegt zum Beispiel daran, dass Vattenfall beim Bundesverfassungsgericht Beschwerde gegen den Atomausstieg eingereicht hat, der auf Landesebene andererseits Voraussetzung für die vom Unternehmen in Hamburg mit betriebene Energiewende ist. Der Konzern will in den kommenden sechs Jahren dafür 1,5 Milliarden Euro investieren.

Vattenfall hat aber auch ein Verfahren vor dem internationalen Schiedsgericht der Weltbank in Washington wegen des Atomausstiegs vorbereitet. "Zu großen Unternehmen gibt es oft unterschiedliche Auffassungen und Meinungen, das respektiere ich", sagt der künftige Vattenfall-Mitarbeiter.

Diplom-Volkswirt Wagner kann im neuen Job auf seine Erfahrungen als Vorstandsreferent der Hochbahn und persönlicher Assistent von Hochbahn-Chef Günter Elste (SPD) zurückgreifen. Wagner hat im Bereich der strategischen Unternehmenssteuerung bei der Hochbahn eng mit dem früheren CDU-Staatsrat Andreas Ernst zusammengearbeitet. Vattenfall-Norddeutschland-Chef Pieter Wasmuth wird zu schätzen wissen, dass sein neuer Mann in Hamburg so gut vernetzt ist.

Seinen Posten als Juso-Landeschef wird Wagner räumen, aber trotzdem weiterhin Politik machen. Er bleibt Mitglied des SPD-Landesvorstands und ist damit weiterhin Teil der Parteispitze um SPD-Chef Olaf Scholz. Und Wagner bleibt seiner politischen Basisarbeit treu. Er wird sich auch weiterhin als stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bezirkversammlung Wandsbek engagieren.

Es spricht einiges dafür, dass sich der bisweilen durchaus aufmüpfige Nachwuchspolitiker auch in Zukunft zu Wort melden wird. Eine Kostprobe von Wagners Selbstbewusstsein hatten die Sozialdemokraten auf dem jüngsten Landesparteitag Anfang Juni erleben dürfen. Dort war es zum Schlagabtausch zwischen Bürgermeister Scholz und dem Juso-Landeschef gekommen.

Vor dem Konvent hatten die Jusos einen Sonderparteitag gefordert, um die Partei an den Beratungen des vom SPD-Senat verantworteten Doppelhaushalts 2013 / 14 zu beteiligen. Das Kompromissangebot von Scholz und Bürgerschaftsfraktionschef Andreas Dressel lautete: eine Fachkonferenz aller Parteitagsdelegierten und Bürgerschaftsabgeordneten ohne die Bindungswirkung eines Parteitags.

Das war Wagner zu wenig. "Wir brauchen die Verbindlichkeit von Parteitagsbeschlüssen", forderte Wagner auf dem Parteitag. "Es kann der Eindruck entstehen: Die da oben machen sowieso, was sie wollen." Scholz war nicht amüsiert. Er wies Wagners Forderung brüsk zurück. Der Kompromiss sei ein kluger Vorschlag. "Eine so tiefe Rückkoppelung mit der Regierungsarbeit gibt es in ganz Deutschland nicht", sagte Scholz. Der Parteitag schmetterte Wagners Vorschlag zwar ab, aber in Erinnerung blieb, dass hier einer einmal gegen den mächtigen Parteichef und Bürgermeister aufgemuckt hatte. Am 3. November wollen die SPD-Funktionäre nun über den Haushalt diskutieren. Wagner wird dabei sein.