Zugunglück in Tornesch

Fuhr der Regionalexpress auf dem falschen Gleis?

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Die Bahn war mit 400 Passagieren besetzt. Der Fahrer leitete Vollbremsung ein. Unfallursache ist noch unklar.

Hamburg. Ein mit rund 400 Menschen besetzter Regionalexpress ist am Bahnhof Tornesch bei Hamburg in einen Bagger gefahren. Drei Reisende und der Lokführer kamen mit leichten Verletzungen davon. Der Lokführer hatte eine Notbremsung eingeleitet - und konnte sich im letzten Moment aus dem Führerhaus in den Maschinenraum retten. Die Baggerschaufel bohrte sich in den Triebwagen und beschädigte ihn stark. "Die Schaufel ist direkt in das Führerhaus rein", sagt ein Feuerwehrsprecher. "Der Lokführer hat riesiges Glück gehabt." Mit der Schnellbremsung habe er Schlimmeres verhindert. „Zur Unglücksursache können wir noch nichts sagen. Fest steht jedoch, dass der Bagger am richtigen Platz auf einer Gleis-Baustelle stand“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Flensburg. Jetzt müssten die Daten aus dem Streckenschreiber ausgewertet werden. Das Eisenbahnbundesamt werde ein technisches Gutachten erstellen. Mit Ergebnissen sei erst in zwei bis drei Wochen zu rechnen.

Der Regionalexpress 21011 war am Sonntag von Kiel nach Hamburg unterwegs, als er gegen 9.15 Uhr beim Ausfahren aus dem Bahnhof gegen den Bagger prallte. Warum dieser auf dem Gleis stand, ist unklar. "Wie es dazu kam, werden unsere Ermittlungen aufklären", sagt ein Sprecher der Bundespolizei. Die Feuerwehr half den Passagieren beim Aussteigen. Dabei verletzte sich einer leicht. Anschließend betreuten Feuerwehrleute die Fahrgäste in einer nahe gelegenen Grundschule. Die Bahn richtete für die Passagiere einen Ersatzverkehr mit Bussen ein. Etwa zweieinhalb Stunden nach dem Unfall hätten alle Reisenden Tornesch wieder verlassen, heißt es bei der Feuerwehr: "Das lief relativ zügig ab."



Die Bahnstrecke war zunächst komplett gesperrt. Erst um 11.30 Uhr wurde ein Gleis wieder freigegeben, das zweite gegen 19 Uhr. Laut Deutscher Bahn verspäteten sich auf den drei Strecken Hamburg-Kiel, Hamburg-Westerland und Hamburg-Flensburg am Nachmittag die Züge im Schnitt um zehn bis 15 Minuten. Ein Hilfszug wurde angefordert, um den Regionalexpress mit der kaputten Lok abzuschleppen und in eine Werkstatt zu bringen.


Trotz des Aufpralls entgleiste der Zug nicht. Weil der Regionalexpress gerade erst angefahren war, sei er vermutlich mit geringem Tempo unterwegs gewesen, heißt es bei der Deutschen Bahn: "Der kann nicht so schnell gewesen sein." Der genaue Unfallhergang müsse aber noch untersucht werden.


Bei dem Bagger, der wegen Bauarbeiten am Bahnhof Tornesch stand, handelt es sich um ein sogenanntes Zweiwegefahrzeug - es kann sowohl auf der Straße als auch auf Gleisen fahren.

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