Brennstoffzellen-Flugzeug über Hamburg

Flüsterleise und sauber dazu

Gehört hat man bei dieser Weltpremiere nichts: Das erste pilotengesteuerte und ausschließlich mit Brennstoffzellen angetrieben Flugzeug der Welt hat am Dienstag seinen Jungfernflug über Hamburg absolviert.

Hamburg. Sternstunde am Luftfahrthimmel: Das erste Brennstoffzellen-Flugzeug hat seinen Einsatz am Dienstag geräuschlos über Hamburg absolviert. Der Öffentlichkeit wurde am Flughafen erstmals der 20 Meter lange Motorsegler Antares DLR-H2 vorgestellt. Das erste pilotengesteuerte und ausschließlich mit Brennstoffzellen angetrieben Flugzeug ist vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie den Projektpartnern Lange Aviation, BASF Fuel Cells und Serenergy (Dänemark) und in enger Zusammenarbeit mit Airbus in 15 Monaten entwickelt und hergestellt worden.

Luftfahrtwissenschaftler und -manager sowie Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust beobachteten gebannt den zehnminütigen Rundflug über dem Flughafen Fuhlsbüttel. Gesteuert wurde der Segler von Pilot Axel Lange (46), geschäftsführender Teilhaber des Luftfahrtunternehmens Lange Aviation. "Auf diesen Tag dürfen wir in Hamburg wieder einmal stolz sein", sagte Bürgermeister Ole von Beust. In Hamburg sei erneut zukunftsträchtiger Luftfahrt-Technologie der Weg gewiesen worden. Ein Airbus-Ingenieur meinte: "Die Antares ist ja noch viel leiser als eine A380 - und die ist schon leise."

Der Propeller der Antares DLR-H2 wird nicht von einem herkömmlichen Verbrennungsmotor oder einer Turbine angetrieben, sondern elektrisch. Eine 25 kW leistende Brennstoffzelle, die in einer der beiden Flügelgondeln des Motorseglers untergebracht ist, sorgt für die Energie. Mittels einer kontrollierten chemischen Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff produziert diese Brennstoffzelle so viel Energie, dass Antares DLR-H2 aus eigener Kraft starten und fliegen kann. Der Motorsegler kann mit 95 Stundenkilometern abheben, fliegt mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von gut 115 Stundenkilometern und ist für maximal etwa 170 Stundenkilometer zugelassen.

Das High-Tech-Flugzeug wurde am 19. Mai erstmals in Zweibrücken probeweise geflogen, damit Hersteller und Pilot sich auf die Premiere vorbereiten konnten. "Wir haben Anfang 2008 mit dem Bau des Flugzeuges begonnen, anfangs mit fünf Mitarbeitern. Später waren wir acht bis zehn engagierte Kollegen", berichtete Projektleiter Josef Kallo, verantwortlich für die Brennstoffzellenentwicklung am DLR-Institut für Technische Thermodynamik der Universität Stuttgart.

Prof. Hans Müller-Steinhagen, Direktor des Stuttgarter DLR- Instituts, warnte vor übertriebenen Erwartungen: "Wir stehen erst am Anfang einer neuen Technologie. Wer glaubt, große Flugzeuge könnten morgen mit Brennstoffzellen fliegen, verkennt die Wirklichkeit." Aber Brennstoffzellen seien ein willkommenes Energiehilfsgerät und könnten beispielsweise als Hilfsaggregat für die Bordelektronik und Stromversorgung Energie liefern. "Mehr aber ist auf absehbare Zeit nicht möglich."

Die DLR-Wissenschaftler werden auch künftig eng mit Airbus und Lufthansa Technik kooperieren. Die Technik-Werft wird die Antares DLR-H2, die auf der Lufthansa-Basis in Hamburg stationiert wird, technisch betreuen. Das Knowhow von Lufthansa Technik als führender Wartungs-, Reparatur- und Instandhaltungsbetrieb sei für die Forschungsflugzeuge von großem Wert, ergänzte Kallo. Auch der Brennstoffzellen-Versuchsträger der DLR, der Airbus A320 ATRA, in dem eine Brennstoffzelle die Aufgaben der Hilfsgasturbine APU übernimmt, wird von der Werft betreut.