Immobilien Hamburg

400.000 Hamburgern droht eine starke Mieterhöhung

Wärmedämmung führt im Schnitt zu Mehrkosten von 2,75 Euro pro Quadratmeter. Finanzielle Belastung, die für viele nicht zu bewältigen sei.

Hamburg. Bessere Wärmedämmung, geringere Heizkosten: Die Ziele sind vielversprechend, doch in vielen Fällen kommt die sogenannte energetische Gebäudesanierung die Mieter teuer zu stehen.

"Wir befürchten eine Kostenlawine", warnte gestern Eckard Pahlke, der Vorstandsvorsitzende des Mietervereins zu Hamburg. Jährlich dürften elf Prozent der Kosten für eine bessere Dämmung auf Mieten umgelegt werden: "Dies könnte im Schnitt 2,75 Euro mehr im Monat pro Quadratmeter bedeuten", sagte Pahlke und bezog sich auf neue Schätzungen des Deutschen Mieterbundes.

"Für viele Mieter ist eine so gewaltige Steigerung finanziell nicht zu bewältigen, sie müssen dann in eine günstigere Wohnung umziehen." Es sei ein "Skandal", dass die energetische Gebäudesanierung allein auf dem Rücken der Mieter ausgetragen werde, obwohl sie für den Vermieter eine deutliche Aufwertung der Immobilie bedeute.

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Der Bedarf an energetischer Gebäudesanierung sei in der Hansestadt hoch, sagt Pahlke. Er schätzt, dass bis zu 400.000 Wohnungen betroffen sein könnten: "Das gilt besonders auch für Stadtteile wie Eppendorf oder Eimsbüttel, die viele Altbauten haben." Bisher hätten schon 300 Hamburger den Mieterverein um Hilfe gebeten, weil durch eine energetische Sanierung die Miete extrem steigen sollte. "Bei einer Familie in Hamm wurde eine Mietanhebung von 260 auf 850 Euro nach einer Sanierung angekündigt." Die Mieter hätten dort 20 Jahre gewohnt und seien schließlich umgezogen.

Pahlke sagte, die Mieterhöhungen könnten vor allem von sozial schwachen Menschen nicht bezahlt werden, bei denen der Staat nur bis zu einer bestimmten Höhe die Miete übernehme. Er schilderte den Fall einer Arbeitslosen, die für ihre 44-Quadratmeter-Wohnung bis zur Sanierung eine Kaltmiete von 245,42 Euro zahlen musste. Danach verlangte der Wohnungseigentümer rund 300 Euro mehr.

In Deutschland gelten 65 Prozent der Fassaden als ungedämmt und rund 60 Prozent der Fenster als zu schlecht isoliert. Hier müsse dringend gegengesteuert werden, mahnen Umweltverbände. Die Heiz- und Energiekosten seien seit 1995 um 173 Prozent gestiegen, die Kaltmieten hingegen nur um24 Prozent, sagte Helmut Röscheisen, Generalsekretär des Deutschen Naturschutzrings. Die stetig steigenden Energiekosten bedeuteten auch ein Armutsrisiko. Nach Schätzungen des Bundes der Energieverbraucher sind in Deutschland inzwischen mehr als eine halbe Million Bürger zumindest vorübergehend von Stromabschaltungen betroffen.

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40 Prozent der in der Bundesrepublik benötigten Energie wird in Gebäuden verbraucht. Wird hier gespart, senkt dies schnell den Bedarf an Kraftwerken und Stromnetzen. Die Bundesregierung versucht deshalb, energiesparende Maßnahmen bei Gebäudenzu beschleunigen.

Jährlich gibt es bisher 1,5 Milliarden Euro für ein Förderprogramm der staatlichen KfW-Bank mit zinsgünstigen Krediten. Zusätzlich soll es einen eine Milliarde Euro umfassenden Steuerbonus für Energie einsparende Sanierungsmaßnahmen geben, doch Bund und Länder streiten seit fast einem Jahr über die Kostenverteilung. So ist es bisher nicht gelungen, die Sanierungsrate pro Jahr wie geplant von ein auf zwei Prozent der Gesamtwohnungsfläche zu verdoppeln.