Marketing-Projekt auf St. Pauli

Stadt stoppt Hamburg-WG nach Kritik an den Kosten

Foto: Malte Klauck

Die Hamburg Marketing GmbH reagiert auf Kritik an den Kosten des Projekts für die Steuerzahler. Die weiteren Partner prüfen ihr Engagement.

Hamburg. Die Hamburg Marketing GmbH zieht sich aus dem umstrittenen Wohngemeinschaftsprojekt "Hamburg-WG" zurück. Das gab Geschäftführer Thomas Kausch am Nachmittag bekannt. Hintergrund sei die berechtigte Kritik an dem Projekt. Das Unternehmen Otto kündigte an, mit den anderen Partnern zu prüfen, ob das Projekt weitergeführt werden kann.

In den "200-Quadratmeter-WG-Palast", so die blumige Beschreibung der Räume im Haus an der Reeperbahn 83, sollten ab Oktober - so die ursprüngliche Idee - für ein Jahr vier junge Leute einziehen, die von einer Jury und per Internet-Abstimmung ausgewählt worden wären. Bei kostenfreier Logis hätten drei von ihnen Jahresverträge bei den Partnerfirmen Otto, Sparda-Bank und Radio Hamburg erhalten. Der Vierte im Bunde, so die Initiatoren, sollte seine Zeit an der Elbe frei ausgestalten. Sie alle wären dazu angehalten gewesen, über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter über ihren WG-Alltag und ihre Erfahrungen in Hamburg zu berichten.

Die Kaltmiete für die Wohnung beträgt 2065 Euro pro Monat. Die Gesamtkosten von 534.000 Euro, von denen die Marketing GmbH mit 279.000 Euro den Löwenanteil getragen hätte, waren letztlich zu hoch. "Wir können uns kein Stadtmarketing auf ,Big Brother'-Niveau leisten", sagte beispielsweise Marcel Schweitzer, Geschäftsführer beim Bund der Steuerzahler. "Die Hamburg-WG ist ein Fall fürs Schwarzbuch."

Auch die Politik kritisierte das bereits 2010 unter Schwarz-Grün beschlossene Projekt einhellig. "Wir müssen sparen und jeden Tag gucken, was wir nicht mehr machen", sagte SPD-Haushaltsexperte Jan Quast. "Vor dem Hintergrund kann man nicht 70 000 Euro pro Person ausgeben, um vier junge Leute umsonst wohnen zu lassen." Sein SPD-Kollege Andy Grote betonte, dass es in Ordnung sei, wenn private Firmen so ein Projekt starten. "Doch öffentliches Geld darf in derartige Aktionen nicht fließen." Andreas Wankum (CDU) sprach von einem "virtuellen Projekt, das an der realen Welt vorbeigeht".