Graffiti-Sprüher OZ

Graffiti-Streifzug durch Winterhude - einen Tag vor Urteil

Morgen urteilt das Amtsgericht über Sprüher Walter F. alias OZ. In der Nacht zu Donnerstag wurde er von der Polizei auf frischer Tat ertappt.

Hamburg. In der Nacht zu Donnerstag, nur einen Tag vor dem für den Freitagvormittag erwarteten Urteil gegen ihn, haben Polizeibeamte den notorischen Graffiti-Sprüher Walter F., genannt "OZ" erneut auf frischer Tat ertappt. Er beschädigte gerade privates und öffentliches Eigentum.

In der Nacht bemerkten Zivilfahnder in Winterhude eine verdächtige, dunkle Gestalt auf einem Fahrrad. An der Maria-Louisen-Straße stieg der Mann ab. Er trat an das Schaufenster eines Friseurgeschäftes. Dann ritzte er mit einem spitzen Gegenstand die Buchstaben „KR“ und mehrere Wellen in die Glasscheibe. Kurz drauf malte er Kringel auf zwei Stromverteilerkästen der Firma Vattenfall, offenbar mit Teersteinen und diesmal ohne Buchstaben.

Die Zivilfahnder stoppten den fast im Rentenalter befindlichen Herrn. Die Papiere, die er ihnen zeigte, kamen den Beamten bekannt vor. Zu Fuß setzte Walter F. nachdem die Beamten seine Personalien dokumentiert hatten, seinen Weg fort. Das Fahrrad beschlagnahmten die Polizisten als Tatmittel, weil Walter F. die Tatorte mit dem Drahtesel erreicht hatte.

Für die Hamburger Justiz ist der Graffiti-Oldie ein unbelehrbarer Wiederholungstäter. Seit fast 20 Jahren hinterlässt „OZ“ seine gesprühten, gekratzten und gemalten Spuren in der Hansestadt. Mehr als 120.000 Mal sind seine typischen Muster und Schriftzüge wie „OZ“ oder „USP“ im Stadtbild zu finden. Noch während des laufenden Prozesses soll er wieder auf die Pirsch gegangen und am 18. April einen Betonpoller besprüht haben. Gerade das wurde ihm im Plädoyer der Staatsanwaltschaft vom vergangenen Verhandlungstag negativ angekreidet. Eine Bewährungsstrafe sieht die Anklage deshalb nicht mehr als gerechtfertigt an. 18 Monate Haft soll er nach ihrem Willen absitzen – wieder einmal.

Für seine Sprüh-Leidenschaft zahlte der ehemalige Gärtner-Lehrling schon einen hohen Preis. Insgesamt rund acht Jahre saß er für die Sachbeschädigungen hinter Gittern. 1984 wurde er zum ersten Mal von einem Mannheimer Gericht verurteilt. Es folgten weitere Prozesse in Flensburg und Hamburg, bis 1998 verbrachte er schon rund drei Jahre im Gefängnis. Trotzdem machte er offenbar weiter. Seine letzte Haftstrafe musste er in der Hansestadt von 2003 bis 2006 verbüßen.

2007 verurteilte ihn das Gericht erneut wegen Sachbeschädigung zu fünf Monaten Freiheitsstrafe, die er durch seine Untersuchungshaft aber schon abgesessen hatte.

Seit fast einem halben Jahr beschäftigt er nun wieder die Justiz der Hansestadt. Aus den anfänglich angesetzten sechs Verhandlungstagen sind inzwischen fast 20 geworden, knapp 30 Zeugen wurden vor Gericht zu den Anklagepunkten gehört, wie etwa gesprühten Spiralen an einer Säule der Alsterarkaden am Jungfernstieg. Im Februar 2008 soll er sich zudem gegen Polizisten, die ihn auf frischer Tat ertappten, zur Wehr gesetzt haben. Für Freitag ist der letzte Verhandlungstag angesetzt. Dann werden das Plädoyer der Verteidigung und das Urteil erwartet.