Frau gestürzt

Feuerwehr sieht kein Versäumnis nach Notruf-Panne

Der Ablauf des möglicherweise falsch behandelten Notrufs wurde überprüft: Der Beamte folgte dem Fragenkatalog. Leser meldeten ähnliche Fälle.

Hamburg. Einen Tag nach der Berichterstattung über einen möglicherweise falsch behandelten Notruf in der Rettungsleitstelle hat die Feuerwehr alle Vorwürfe zurückgewiesen. "Dem Disponenten kann kein Fehlverhalten vorgeworfen werden", sagte Brandoberamtsrat Manfred Stahl, Leiter der Pressestelle. "Er hat den Vorschriften entsprechend alles richtig gemacht."

In ihrem Internetblog hatte eine Filmemacherin aus Rotherbaum der Feuerwehr vorgeworfen, auf ihren 112-Notruf nicht angemessen reagiert zu haben, als sie einer gestürzten Frau helfen wollte. Nach dem Gespräch habe sie nicht gewusst, ob ein Rettungswagen auf dem Weg oder ihr Anruf nicht ernst genommen worden sei. Der Fall war im Internet heftig diskutiert worden.

Die Feuerwehr erklärte, dass das Gesprächsprotokoll im Blog nicht den genauen Ablauf des etwa zwei bis dreiminütigen Notrufs wiedergebe. Nach dem Gespräch sei ein Rettungswagen losgeschickt worden, ohne dass es einen zweiten Notruf gegeben habe. Wer das Gespräch beendet habe, daran könne sich der Mitarbeiter nicht erinnern.

Der Disponent in der Leitstelle habe sich eng an die Vorgaben des Standardisierten Medizinischen Abfrageprotokolls (SMAP) gehalten. Es gibt den Beamten in der Art eines Karteikastensystems eindeutig vor, welche Fragen in welcher Reihenfolge gestellt und beantwortet werden müssen, um ein klares Bild von der Notlage zu erhalten.

"Diese Abfragesystematik ist seit mehr als drei Jahren erfolgreich im Einsatz", sagte Stahl. Unter anderem könnten mit ihr nicht ausgebildete Personen angeleitet werden, Verletzten zu helfen. Die Abläufe sollen jetzt geprüft werden, sagte Stahl. "Wir haben ein funktionierendes Qualitätsmanagement."

Nach der Berichterstattung meldeten sich mehrere Leser und berichteten von eigenen Erfahrungen mit dem Notrufsystem. So hatten sich Mitarbeiter der Harburger Tafel Ende Mai in einem Brief an die Innenbehörde darüber beschwert, dass sie bei einem Notfall selbst Diagnosen bei einem nicht ansprechbaren Mann hätten stellen müssen. Eine Leserin beklagte sich, dass ihr Notruf verzögert worden sei, weil sie keine Hausnummer angeben konnte.

"Für uns ist es sehr wichtig, dass wir den genauen Standort des Anrufers kennen", sagt Stahl. "Die Wachen werden in der Regel automatisiert alarmiert, dafür ist die genaue Adresse wichtig." Und: Die Zeit, die ein Anrufer dazu benötigt, sich nach einem Straßenschild umzusehen, sei gering im Vergleich dazu, wenn sich ein Rettungswagen verfahre. Allerdings, sagte Stahl, werde der Einsatz nicht abgebrochen, wenn der Standort unklar bleibe. "Dann bitten wir den Anrufer, in der Leitung zu bleiben, und versuchen, die Einsatzkräfte zu ihm zu lotsen."