Otto-Versand

Starke Zahlen: Otto jubelt und profitiert von Quelle-Pleite

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Fast die Hälfte des Geschäfts des Hamburger Versandhändlers Otto läuft inzwischen über das Internet. Laut Unternehmen wuchsen alle Sparten.

Hamburg. Der Versandhauskonzern Otto hat im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz um 12,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro gesteigert. Der Gewinn entwickelte sich „sehr positiv“, wie der Hamburger Einzelhandelsgigant am Donnerstag mitteilte. Otto nannte aber keine genauen Zahlen. Die Zahl der Beschäftigten stieg um 1350 auf weltweit rund 49.300. „Das zurückliegende Geschäftsjahr war ausgezeichnet“, sagte Vorstandschef Hans-Otto Schrader.

Nach Firmenangaben wuchsen alle drei Sparten – der Handel über Versand und Geschäfte, der Hermes-Versand und die Finanzsparte - zweistellig. Den mit gut zehn Milliarden Euro weitaus größten Umsatzanteil machte der Handel aus, zu dem neben den Versandhäusern wie Otto oder Baur auch Ladenketten wie Sportscheck, Bonprix oder Manufaktum gehören. Das Otto-Geschäftsjahr endete am 28. Februar.

Nach Angaben eines Firmensprechers profitierte Otto auch von der Pleite des Konkurrenten Quelle Ende 2009. Der Sprecher schätzte den Umsatzzuwachs durch heimatlose Quelle-Kunden auf 200 bis 300 Millionen Euro. Der gesamte Umsatzzuwachs betrug 1,3 Milliarden Euro.

Überproportional entwickelte sich das Geschäft in Deutschland. Die Umsatzerlöse wuchsen im Heimatmarkt um rund 13,6 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. „Dieses starke Wachstum zeigt, dass wir vor dem Hintergrund einer moderaten Wirtschaftsentwicklung Marktanteile hinzugewonnen haben“, sagte Schrader.

Ausgesprochen stark entwickelte sich das Otto-Geschäft in Russland. Der Marktführer verdoppelte beinahe die Erlöse auf rund 349 Millionen Euro. Hierzu trug auch das Geschäft von Quelle Russland bei, das erstmals eingerechnet wurde. Otto hatte Quelle Russland aus der Insolvenz gekauft.

Der Handel über das Internet wurde zum wichtigsten Vertriebskanal der Otto-Gruppe. Die Online-Umsätze stiegen um knapp 25 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro, wie die Firma mitteilte. Damit erzielte die Otto-Gruppe über ihre rund 50 Online-Plattformen fast 50 Prozent aller Einzelhandelserlöse. In Deutschland legten die E-Commerce-Umsätze sogar um 27,2 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zu.

Einzelne Otto-Unternehmen erzielen inzwischen rund zwei Drittel ihrer Umsätze im Internet, etwa der klassische Otto-Versand mit knapp 70 Prozent und Baur mit 64 Prozent. Otto ist damit nach eigenen Angaben weltweit die Nummer zwei im Onlinehandel nach Amazon.

Für das Geschäftsjahr 2011/2012 geht Otto von einem Anstieg des Umsatzes und des Ertrags im einstelligen Prozentbereich aus. Die Umsatzentwicklung zu Jahresbeginn sei in allen Segmenten positiv, teilte der Konzern mit. Unklar sei aber, wie sich etwa die Entwicklung des Euro, die Katastrophe in Japan und die Unruhen in der arabischen Welt auf das Konsumklima auswirken.