Pleiten in Hamburg

Im Bezirk Mitte gibt's die meisten Privatinsolvenzen

2010 wird ein trauriges Rekordjahr: In Hamburg führt bei Privatinsolvenzen prozentual der Bezirk Mitte vor Harburg und Bergedorf. Alle Zahlen im Detail.

Hamburg. In Deutschland wird es in diesem Jahr so viele Privatinsolvenzen geben wie nie zuvor. Allein in den ersten neun Monaten meldeten bundesweit 104 657 Privatpersonen bei Gericht ihre Zahlungsunfähigkeit an, teilte die Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel mit.

Gegenüber dem Vorjahr sei dies ein Zuwachs von acht Prozent. Zwar sei die Zahl im dritten Quartal 2010 binnen Jahresfrist um 0,3 Prozent auf 35 240 leicht gesunken, "aber trotz dieses minimalen Rückgangs auf hohem Niveau wird 2010 ein Rekordjahr bei den Privatinsolvenzen", sagte Bürgel-Geschäftsführer Norbert Sellin.

In Hamburg gab es von Januar bis Ende Oktober mit 2763 Privatinsolvenzen 5,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Stark um 17,9 Prozent stieg die Zunahme im Bezirk Mitte, während es in Eimsbüttel 19,3 Prozent weniger private Insolvenzanträge gab als vor Jahresfrist (siehe Tabelle).

Lange Wartezeiten für einen Termin bei der Schuldnerberatung

Für Günter Hörmann, Chef der Verbraucherzentrale Hamburg, ist der Anstieg der Anträge vor Gericht eher beruhigend als alarmierend. "Verbraucher, die diesen wichtigen Schritt zur Entschuldung erreichten, haben lange Wartezeiten hinter sich.

Allein in unserer Schuldnerberatungsstelle dauert es wegen der hohen Nachfrage vier bis sechs Monate, ehe Schuldner einen Termin bekommen. In den anderen Hamburger Beratungsstellen dürfte es ähnlich sein." Der Grund seien zu wenige Kapazitäten. Der Gang zur Schuldnerberatung vor einem Insolvenzantrag ist Pflicht.

Nach der Eröffnung eines Privatinsolvenzverfahrens sind Antragssteller bei Wohlverhalten nach sechs Jahren schuldenfrei. "Viele haben aber, bevor es so weit ist, mehr als zehn Jahre Überschuldung hinter sich", so Hörmann.

Die Menschen würden zuerst versuchen, ihre Probleme alleine zu regeln, danach warten sie auf einen Beratungstermin. Als Nächstes werde eine außergerichtliche Lösung zwischen Gläubiger und Schuldner angestrebt.

Am häufigsten betroffen ist bundesweit die Altersgruppe zwischen 46 und 60 Jahren mit 34,5 Prozent aller Insolvenzen. Knapp zwei Drittel der Privatinsolvenzen aller Altersgruppen haben Männer zu verantworten.

Während bis Ende September des laufenden Jahres 154 von 100 000 Männern das Gericht anriefen, waren es bei den Frauen nur 107. In der Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen tappen allerdings häufiger Frauen in die Schuldenfalle. Oft handele es sich um Alleinerziehende.