Kommentar

Mehr Macht den Ringärzten

Gesundheit der Boxer darf nicht dem Kommerz geopfert werden

Profiboxen ist eine der härtesten Sportarten und zudem eine, die selbst schwere Verletzungen des Gegners schon mal als Kollateralschaden betrachtet. Beim Hamburger WM-Kampf zwischen Weltmeister Vitali Klitschko und dem US-Amerikaner Shannon Briggs ist dieser eingetreten. Der Herausforderer liegt nach mehr als 100, zum Teil harten Kopftreffern in der Uni-Klinik Eppendorf.

Das hätte verhindert werden können, wenn diejenigen ihre Verantwortung übernommen hätten, die dafür vorgesehen sind: der Ringrichter als den Regeln und der Gesundheit der Sportler verpflichtete Instanz - und der betreffende Trainer, der zum Schutz seines Schützlings das Handtuch werfen kann. Beide haben versagt. Hinzu kommt: Briggs' Management war bereit, für die Chance auf künftige Millioneneinnahmen seinen Klienten bis zum letzten Blutstropfen im Ring zu lassen. Bei der Vorbesprechung bat es, den Kampf nicht abzubrechen. Dass diesem Wunsch letztlich entsprochen wurde, ist menschenverachtend und schadet dem ohnehin zweifelhaften Ruf des Boxens.

Ein Fehler liegt auch im System. Die Ringärzte haben zu wenig Macht, um im Spannungsfeld zwischen Gesundheit und Wettkampf eingreifen zu können. Was spricht dagegen, sie alle vier Runden die Boxer kurz untersuchen zu lassen? Schließlich würden dadurch die Werbepausen länger.