Körperscanner

Der Hamburger Flughafen scannt seine Fluggäste

Die neuen Geräte sollen in einem bundesweiten Testlauf eingesetzt werden. Ende September werden zunächst zwei Körperscanner erprobt.

Fuhlsbüttel. Von Ende September an sollen Körperscanner für Kontrollen an deutschen Flughäfen eingesetzt werden. Schon in wenigen Wochen soll auf dem Hamburger Flughafen der erste Test mit Körperscannern in Deutschland starten. Das kündigte Bundesinnenminister Thomas de Maizière im Gespräch mit "Bild am Sonntag" an.

Hans-Jürgen Hansen, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Flughafen Hamburg, bestätigte: "Ja, wir haben ganz frisch von dem Zuschlag für Hamburg erfahren - Ende September werden zunächst zwei Körperscanner getestet." Auch Flughafensprecherin Katja Tempel bestätigte den geplanten Einsatz.

Die Bundespolizeischule Lübeck habe mehrere Geräte intensiv geprüft und mit dem Hersteller weiterentwickelt. "Es gibt dabei keine echten Körperbilder. Gegenstände werden auf einer schematischen Personendarstellung wie Strichmännchen dargestellt", sagte der Innenminister. Es handle sich also nicht um einen "Nacktscanner", bei dem Konturen und Körper-Details der Menschen zu erkennen sind. Die im Körperscanner erzeugten Daten würden zudem sofort nach der Kontrolle gelöscht.

Der Scanner durchleuchtet Passagiere in nur zwei bis vier Sekunden bis auf die Haut und kann am Körper versteckten Sprengstoff oder Waffen entdecken. Verdächtige Stellen werden mit einem roten Punkt auf dem Monitor markiert. Dort können die Sicherheitskräfte dann gezielt suchen. Der Körperscanner, den die Bundespolizei am Flughafen Hamburg testet, verwendet sogenannte Millimeterwellen. Diese seien nicht gefährlich, betonte der Innenminister. "Die Experten haben sorgfältig gemessen und festgestellt, dass von der Strahlung im Körperscanner keine gesundheitliche Gefährdung ausgeht."

Trotz umfangreicher Tests ist der Körperscanner offenbar noch nicht serienreif. Er schlage zurzeit noch eher zu oft als zu selten an, sagte de Maizière. Ziel des Feldtests sei es daher, diese "Kinderkrankheiten" zu beseitigen, erklärte der CDU-Politiker. "Wir wollen auch feststellen, ob der Körperscanner die Kontrollen tatsächlich schneller macht als bisher." Ob und wann alle deutschen Flughäfen mit den Geräten ausgestattet werden, hängt vom Ergebnis des Hamburger Tests ab. Jedem Passagier ist es freigestellt, ob er an dem Scanner-Test teilnehmen möchte. De Maizière kündigte außerdem an, dass Passagiere, die mitmachen, nach ihrer Meinung befragt würden.

Der Zeitraum sowie weitere Details des Modellversuchs würden jedoch erst morgen in Abstimmung mit der Bundespolizei und dem Innenministeriums festgelegt werden, so Hansen. Der Bundespolizei-Pressesprecher schätzt, dass die Körperscanner rund ein viertel Jahr getestet werden, bevor diese deutschlandweit zum Einsatz kommen, oder eben nicht.

Hansen: "Die Bundespolizei-Akademie in Lübeck hat die Geräte getestet und wird diese nun auch am Hamburger Flughafen betreuen." Über den Zuschlag für die Hansestadt freue er sich besonders, weil die Bundespolizei dadurch ganz nah dabei sein könne bei dieser Premiere in Deutschland.

Wenig erfreut zeigte sich dagegen der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar, der dem Hamburger Abendblatt sagte: "Das Vorgehen des Bundesinnenministers sollte in dieser sensiblen Frage transparent sein. Dies setzt voraus, dass Pläne, die Körperscanner zu Testzwecken in Kürze in Hamburg einzusetzen, zunächst den für den Datenschutz betrauten Stellen vorgestellt werden." Ungeklärt scheint tatsächlich, wie das Löschen der erfassten Passagier-Abbildungen kontrolliert werden soll, um die körperliche Integrität nicht zu verletzen.

Obwohl es nach dem vereitelten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug im Dezember eine hitzige Diskussion um den Einsatz von Körperscannern gegeben hatte, sprach sich die Mehrheit der Deutschen für den Einsatz von Körperscannern aus. Bei einer Forsa-Erhebung für den "Stern" waren im Januar 63 Prozent für den Einsatz derartiger Geräte, 31 Prozent dagegen. Offen ist allerdings, was die Hamburger von diesem Feldtest halten.