Zwischenruf

Stoppt den "Zug der Ideen"

Ein Kommentar von Matthias Popien

Ob sich in Malmö jemand für den Hamburger "Zug der Ideen" interessiert, wenn er nächstes Jahr auf einem hoffentlich "attraktiven Gleis" des dortigen Hauptbahnhofs Station macht? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Etwa, wenn die Malmöer leider doch nur ein Nebengleis frei haben, wenn die Zeitungen nicht darüber berichten, wenn es gerade in jenen Tagen in Malmö viele andere interessante Angebote gibt - oder wenn gerade Sommerferien sind und die Stadt ohnehin entvölkert ist. Zu viele Unwägbarkeiten sind mit der an sich hübschen Idee verbunden, einen Zug mit Visionen zum Thema Umweltschutz quer durch Europa zu schicken. Es sind allemal zu viele Unwägbarkeiten, um eine Investition von vier Millionen Euro einfach so durchzuwinken. Und dennoch hat die Mehrheit aus CDU und GAL genau dies getan - und noch dazu in jener Bürgerschaftssitzung, die Bürgermeister Ole von Beust dazu genutzt hatte, allen Hamburgern in einer Regierungserklärung vor Augen zu führen, wie dramatisch das Haushaltsloch ist.

Gerade auf Bezirksebene, die nun auf Geheiß des Senats ebenfalls beträchtliche Summen einsparen soll, werden derart widersprüchliche Handlungsweisen der Koalition genau registriert. Sparen ist nicht dann am wirkungsvollsten, wenn alle in einem ausgewogenen Verhältnis zur Kasse gebeten werden. Ein Senat, der Mitwirkung einfordert, muss selbst mit einem wirklich überzeugenden Beitrag vorangehen - zum Beispiel, indem er eben auch seine Lieblingsprojekte beschneidet. Wer den "Zug der Ideen" stoppt, könnte zugleich einen Zug der Sparideen in Gang setzen.