Arbeitsmarkt

Arbeit für Hamburg - Experten sprechen von Aufwärtstrend

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Die Zahl der Erwerbslosen in der Hansestadt Hamburg sinkt im April diesen Jahres unter 80 000. Experten sprechen von einem Aufwärtstrend.

Hamburg. Einen Tag nach seinem Geburtstag machte ihm der Arbeitsmarkt ein schönes Geschenk. 2700 Menschen weniger als noch im März waren in Hamburg im April arbeitslos, verkündete Arbeitsagenturchef Rolf Steil am Donnerstag. Nachdem die Zahlen schon im März leicht zurückgegangen waren, rutschte die Zahl der Arbeitslosen erstmals in diesem Jahr wieder unter die Marke von 80.000. "Sehr beachtlich" fand das Steil und schob nach, die befürchtete Zahl von 100 000 Erwerbslosen in der Stadt sei nun endgültig Makulatur. Allerdings wollte er sich noch nicht festlegen, wie stark die wärmere Witterung zur Erholung beiträgt und wie viel die Konjunktur.

Frühjahrsaufschwung von März zu April fiel unerwartet stark aus

Ähnlich zuversichtlich kommentierte die Hamburger Zahlen am Donnerstag der Chef der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur, Jürgen Goecke, in Kiel: "Dieser Rückgang ist umso bemerkenswerter, weil es sich um den größten Abbau von Arbeitslosigkeit in einem April seit zwölf Jahren handelt."

Dossier: Der Hamburger Arbeitsmarkt-Report

Sowohl in Hamburg als auch bundesweit lässt sich die Aufwärtstendenz an den neuen Arbeitsmarktzahlen ablesen. "Der Frühjahrsaufschwung ist unerwartet deutlich und stärker als in den vergangenen Jahren", sagte Frank-Jürgen Weise, der Chef der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit. In Deutschland sank die Zahl der Arbeitslosen um 162 000 auf 3,406 Millionen. 68 000 neue Jobs gehen nach Berechungen der BA auf die stabilere Wirtschaft zurück.

"Bundesweit legt die Industrie zu, Maschinenbau, Chemie und die Autobauer exportieren wieder mehr", sagt Jörg Hinze, Konjunkturexperte des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). In Hamburg als Dienstleistungsmetropole komme diese Entwicklung zwar langsamer in Gang. "Dafür war aber auch der Einbruch in der Krise längst nicht so stark", sagt Hinze. Auch für den Hafen, wo der Containerumschlag 2009 um ein Drittel eingebrochen war, sieht er eine positive Tendenz. "Der Umschlag wird Monat für Monat wieder steigen, auch wenn die Vergleichszahlen vom Vorjahr möglicherweise noch nicht erreicht werden."

"Der Aufwärtstrend hält an", meint auch Malte Heyse, Referent für Wirtschaftspolitik in der Handelskammer. Zwar seien die Unternehmen mit ihren Personalplanungen noch vorsichtig. Doch bei den Finanzdienstleistern, im Gastgewerbe und bei den Gesundheitsberufen erwartet die Kammer Neueinstellungen bis zum Jahresende.

"In kleinen Schritten", so der Sprecher des Hamburger Einzelhandels Ulf Kalkmann, "geht es auch bei uns aufwärts." Dabei könnten 2010 sogar neue Stellen entstehen. Kalkmann erwartet ein geringes Plus von 350 bei den insgesamt 56 000 Vollzeitbeschäftigten. Unter anderem half der Rückgriff auf die Kurzarbeit, die Beschäftigung zu stabilisieren. Auch bei den Kurzarbeitern ist aber der Höchststand von 15 000 bis 16 000 Betroffenen längst überschritten. "Ihre Zahl liegt derzeit bei knapp unter 10 000", so Steil.

Arbeitsmarkt profitiert von Auftragsstau und leeren Lagern

Der Arbeitsmarkt profitiert auch vom Nachholbedarf der Wirtschaft - sei es die Aufstockung von Lagerbeständen, seien es Bauarbeiten und Reparaturen, die wegen des strengen Winters nicht erledigt wurden. "Im Hinblick auf die Beschäftigung sieht es für die kommenden Monate sehr gut aus", sagt Klaus Fischer, Experte für Konjunkturerhebungen bei der Handwerkskammer Hamburg. "14 Prozent der Betriebe wollen laut unserer letzten Umfrage die Zahl ihrer Mitarbeiter erhöhen, rund drei Viertel den Personalbestand konstant halten. Nur etwa zwölf Prozent erwarten eine sinkende Zahl von Mitarbeitern." Die Handwerkskammer vertritt rund 15 000 Betriebe in Hamburg, die meisten davon haben fünf und weniger Mitarbeiter: "Die Betriebe haben auch in der Krise versucht, ihre Stammbelegschaften zu halten. Die Mitarbeiter sind ihr Kapital."

Bei den für Hamburg bedeutenden Logistikern zeigt sich ein ähnliches Bild. "Die Beschäftigung bei unseren Unternehmen - abgesehen von der Zeitarbeit - ist in der Wirtschaftskrise bei Weitem nicht so stark zurückgegangen wie das Volumen der Gütermengen", so Gernot Lobenberg, Geschäftsführer der Logistik-Initiative Hamburg, die 459 Mitglieder betreut. "Die Logistik fasst jetzt langsam wieder Tritt, das Gütervolumen im Landverkehr in unserer Region ist teils wieder auf dem Niveau des Rekordjahres 2008. Mit Neueinstellungen halten sich die Unternehmen bislang aber zurück. Es ist noch unklar, wie stabil der Aufschwung ist."

Metallindustrie: Werften leiden, Flugzeugbau boomt

Schwieriger hat es die Metall- und Elektroindustrie. "Die Branche gleicht ihre Stärken durch ihre Schwächen in der Region gut aus", sagt Peter Haas, Sprecher des Verbandes Nordmetall, der 255 Mitgliedsfrmen mit 15 000 Beschäftigten vertritt. "Dem Schiffbau geht es nach wie vor schlecht, der Luftfahrtindustrie hingegen gut. Der Maschinenbau wiederum ist im Norden sehr viel heterogener als etwa in Baden-Württemberg." Es gebe im Norden mehr Spezialanbieter zum Beispiel von Maschinen für die Fischverarbeitung oder Hersteller von Getreidemühlen. Sie seien deutlich besser durch die Krise gekommen als viele mittelständische Hersteller von Werkzeugmaschinen.