Stadtentwicklung

Neues Terminal: Investoren dürfen Hafenbecken zuschütten

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Seit Jahrhunderten baut Hamburg seinen Hafen selbst aus. Aber jetzt sollen private Investoren ein neues Terminal bauen und finanzieren.

Hamburg. Seit Jahrhunderten baut Hamburg seinen Hafen selbst aus. Hafenfirmen pachteten lediglich Grundstücke von der Stadt und investierten in ihre Gebäude und Umschlagsanlagen. Jetzt sollen erstmals private Investoren ein riesiges neues Terminal mitten im Freihafen entwickeln und auch den Bau finanzieren. Komplett mit Kaimauern und mit möglichst neuen Ideen: Das sogenannte Markterkundungsverfahren für dieses neue Central Terminals Steinwerder (CTS) ist jetzt beendet.

Ein Dutzend Unternehmen und Konsortien haben sich daran nach Abendblatt-Informationen beteiligt und Konzepte für das 125 Hektar große Areal eingereicht, das fast so groß sein wird wie die HafenCity. Die Firmen waren aus einem Interessentenkreis von rund 33 Unternehmen ausgewählt worden, die sich im Herbst gemeldet hatten.

Reedereien sollen jetzt dabei sein, die ihr eigenes Terminal bauen könnten, aber auch Bauunternehmen und reine Investoren. Die Beteiligung sei international, heißt es bei der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA). Unter anderem gebe es auch eine Bewerbung aus Großbritannien. Verschiedene Ideen seien dabei für das Gebiet rund um das heutige Buss-Hansa-Terminal vorgeschlagen worden, darunter auch ökologische Aspekte wie eine Energieversorgung des Terminals durch eine dezentrale Öko-Energie aus Wind oder Sonne.

Konkret wollte sich die HPA allerdings noch nicht zu einzelnen Bewerbern und Konzepten äußern. Im Februar soll eine Jury die drei besten Vorhaben auswählen. Diese werden dann prämiert und sollen Basis für einen neuen Hafenentwicklungsplan sein, der noch in diesem Jahr neu aufgestellt wird. Bis zur Jury-Entscheidung sei aber strenges Stillschweigen vereinbart worden, hieß es bei der HPA.

Offenbar so streng, dass ein Bewerberkonsortium jetzt ausgeschlossen wurde, weil es schon mit Informationen über sein vorgeschlagenes Konzept an die Öffentlichkeit gegangen war. Das Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft wollte gemeinsam mit einem Buchholzer Unternehmen auf einem großen Teil des CTS-Areals ein Spezialterminal für die kleinen Zubringer-Schiffe (Feeder) bauen.

Große Containerschiffe und die Feeder könnten dort quasi zeitgleich an einer Containerbrücke bedient werden - was Zeit spart und dem Hafen Wettbewerbsvorteile bringen würde. "Die Veröffentlichung verstieß aber gegen die Abmachung, wir haben das Konsortium daher aus dem Ideenwettbewerb ausgeschlossen", bestätigte HPA-Sprecherin Karin Lengenfelder.

Ob und wann allerdings die in diesem Frühjahr ausgezeichneten Vorschläge umgesetzt werden, dürfte noch offen sein. Perspektive für die Fertigstellung war bisher spätestens das Jahr 2020. Nach alten Schätzungen sollten dann in Hamburg gut 18 Millionen Standardcontainer (TEU) jährlich umgeschlagen werden. Unter dem Eindruck von Krise und rückläufigen Umschlagszahlen ist man aber bei der HPA bescheidener geworden und setzt nicht mehr ausschließlich auf die genormten Boxen. Die Folge: Aus der früheren Bezeichnung für das CTS (Container Terminal Steinwerder) ist eben längst das Central Terminal Steinwerder geworden. Zumindest in der Namensgebung zeigt sich Hamburg in der Krise eben sehr flexibel.