Kohlekraftwerk Moorburg

Umweltaktivisten besetzen Bäume: Nachbarn bringen Tee

Den Moorburg-Gegnern im Gählerpark kann das Winterwetter nicht viel anhaben. Die Anwohner unterstützen sie - nicht nur mit heißen Getränken.

Hamburg. Der Apfelkuchen ist noch warm. Eine Anwohnerin hat den Naturschützern, die im Gählerpark in Altona Bäume besetzen, Kuchen und Kaffee vorbeigebracht. Aber Cécile hängt noch im Baum. Sie arbeitet daran, einen workway zu bauen, also Seile von einem Baumhaus zum anderen zu spannen. Wobei Baumhaus übertrieben ist. Die Umweltaktivisten leben auf Holzplattformen, die an Seilen schweben. Als Dach dienen Planen. Drei solcher Baumhäuser hängen mittlerweile in den Bäumen.

Während Olivia (24) und Jürgen (42) seit dem 3. Dezember eine Eiche besetzen (wir berichteten) und als Paar zu zweit in ihrem Baumhaus leben, führt Cécile Lecomte (28) aus Lüneburg seit zehn Tagen eher ein WG-Leben auf einer Kastanie. Die bekante Anti-Atom-Kletterin hat sich schon bei Uranmülltransporten nach Russland als Aktivistin engagiert. Jetzt protestiert sie mit Jürgen und Olivia und Robin-Wood-Aktivisten gegen den von Vattenfall geplanten Bau des Kohlekraftwerks Moorburg und die Fernwärmeleitung, die durch den Gählerpark führen soll. Für die zwölf Meter lange und neun Meter breite Trasse müssten 300 Bäume gefällt werden.

"Glauben Sie, dass das Erfolg haben wird, was Sie machen?", wollen zwei Polizeibeamte wissen. Um Erfolg allein geht es nicht. "Wichtig ist, überhaupt etwas zu tun", sagt Baumhausbewohnerin Katja (24).

Dass die Baumbesetzer bei Wind, Regen, Schnee und Kälte im Freien schlafen, ist ihnen nicht anzusehen. Sie haben eine gesunde Gesichtsfarbe, niemand hat sich eine Erkältung eingefangen. Dicke Wollpullover, Outdoor-Kleidung und Wärmflaschen helfen gegen die Kälte. Schlimm war das Tauwetter, außerdem das Kondenswasser von den Planen. Alles war nass. Natürlich haben die Aktivisten die Weihnachtstage auch auf dem Baum verbracht. Oder unten auf dem Boden und sich dort an einer Feuertonne gewärmt. "Das war sehr gemütlich", sagt Cécile, als ob es das Normalste der Welt ist, Heiligabend auf einem Baum zu verbringen. Ihre gute Laune und ihr Tatendrang sind ansteckend. Anwohner haben Rotkohl, Knödel, Suppe und Weihnachtsplätzchen vorbeigebracht. "Wir sind sehr glücklich mit dem, was wir tun", sagt Olivia. Wer sich von Herzen für etwas engagiert, so scheint es, dem kann Kälte nichts anhaben. "Wir sind immer in Bewegung, um uns warmzuhalten", sagt Olivia und dreht sich eine Zigarette. Ausnahmsweise unten auf dem Boden.

Dort hakt Lutz Hoffmann aus der Nachbarschaft das Laub und Styropormüll zusammen. "Für mich ist das eine Aktion von braven Bürgern, die in einem sauberen Park leben wollen", sagt er. Überhaupt die Nachbarn. Sie helfen, wo sie können. So wie Otis und Lennart Packmor. Die elfjährigen Zwillinge bringen Thermoskannen mit Chai- und Glückstee. Jasper Bauer aus Eimsbüttel steht unten mit Tochter Nele (3) und ruft herauf in den Baum: "Seid ihr Veganer oder Vegetarier?" "Vegetarier", ruft Jürgen. In der Budni-Tüte hat Herr Bauer Orangen, Kiwis, Apfelsaft und Kekse. Er legt sie in den Korb, den die Baumleute per Seil hochziehen. Gestern kamen Benny (20) und Simon (19) von Robin Wood aus Bielefeld, um auch auf dem Baum zu schlafen. Erst einmal haben sie aber den warmen Apfelkuchen gegessen.