Die Proteste haben geholfen

Kultur muss deutlich weniger sparen als befürchtet

Bis zu zehn Millionen Euro wegsparen pro Jahr - diese Angst ging um. Jetzt sind es 7,7 Millionen verteilt auf vier Jahre.

Die Sparklausur des Senats ist beendet, die Sparbeiträge der Ressorts zu den 1,15 Milliarden Euro, die Hamburg von 2010 bis 2013 aus dem Haushalt schneiden muss, sind bekannt. Die Kulturbehörde - inklusive der Bereiche Sport und Medien - muss in diesem Zeitraum auf insgesamt 12,3 Millionen Euro verzichten. Der Kulturbereich der Behörde verliert insgesamt und auf diese vier Jahre verteilt 7,7 Millionen Euro.

Das ist deutlich weniger als die befürchteten zehn Millionen Euro pro Jahr, die anfangs als Sparziel im Raum standen und die jetzt als "theoretisches" Nachdenken bezeichnet werden. Es ist auch ein Erfolg für die Hamburger Kulturszene, deren Macher, Besucher Mäzene und Fans sich im Vorfeld dieser Spar-Entscheidung wochenlang mit guten Argumenten für die Kultur starkgemacht hatten.

Nach Wochen der Sorge ist die Senatsentscheidung ein Grund zum Aufatmen - sparen müssen jetzt vor allem die drei Staatstheater, das Philharmonische Staatsorchester und die Hamburger Symphoniker, außerdem die Museumsstiftungen und das Planetarium. Der gesamte übrige Kulturbereich bleibt also unangetastet.

"Politisch besonders wichtige" Bereiche habe man weniger stark belastet, sagte Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und meinte damit ausdrücklich auch die Kultur. Finanzsenator Michael Freytag (CDU) assistierte: Man habe sich von der Fragestellung leiten lassen: "Wie kann die Lebensqualität der Stadt bewahrt werden?"

Während Ole von Beust dementierte, dass jemals Kulturkürzungen in wirklich großem Umfang geplant worden seien, sagte Freytag, nur etwa ein Drittel des diskutierten Einsparvolumens in der Kultur werde jetzt tatsächlich realisiert.

Der in Sachen Kultur deutlich zurückhaltende Sparbeschluss kann als Bekenntnis des Senats zu Hamburg als Kulturstadt gelesen werden. Er vermeidet es klug, mit dem Rasenmäher größere Teile der kleinen Kultur zu kappen - ganz nebenbei bekommt er nun wohl von den Kommunikatoren in der Kulturszene spürbares Wohlwollen. Nicht schlecht, in Zeiten haushaltstechnischer Grausamkeiten.

Eitel Freude herrscht in der Kultur vor allem dort nicht, wo nun doch gespart werden muss. Das Schauspielhaus hat von der Kulturbehörde erfahren, dass die Zuwendungen "langfristig" um 317 000 Euro pro Spielzeit gekürzt werden, vorgeschlagen wird eine Erhöhung der Eintrittspreise. "Da es keine wesentlichen Möglichkeiten gibt, dies über Einsparungen zu finanzieren, muss dieser Betrag ab der Spielzeit 2010/2011 über Mehreinnahmen erzielt werden", hieß es am Freitag dazu aus dem Haus an der Kirchenallee.

"Wir können nichts mehr einsparen, die Stadt macht es sich sehr einfach", so der erste Reaktion von Jack Kurfess, dem Kaufmännischen Direktor. "Ob wir das über Einnahmenerhöhungen reinbringen, weiß ich nicht. Ich fürchte, dass es nicht gelingen wird und wir auf Kürzungen zurückgreifen müssen, die nicht möglich sind, ohne den Charakter des Hauses wesentlich zu verändern."

In ähnlichen Größenordnungen wie beim Schauspielhaus bewegt sich die Sparvorgabe für das Thalia: 301 000 Euro für die Spielzeit 2010/11 und 290 000 Euro für die Saison 2011/12. Auch hier wird eine Erhöhung der Kartenpreise zur Gegenfinanzierung empfohlen. Der Kommentar von Thalia-Geschäftsführer Ludwig von Otting dazu: "Wir werden jetzt alle Einsparmöglichkeiten durchforsten."

Die Befürchtungen seien im Vorfeld viel höher gewesen, so Otting, die Sache sei glimpflich ausgegangen. Die Kulturbehörde habe ihm und seinen Kollegen mitgeteilt, dass die Kultur zum "Schonbereich" erklärt worden sei. Die an den jeweiligen Subventionshöhen bemessenen Beträge für die drei Staatstheater empfindet er als fair. "Wegen 300 000 Euro macht man doch keine Kulturrevolution", so Otting. Er plant nun ein Treffen mit den Geschäftsführern der anderen Staatstheater, um die Maßnahmen abzustimmen.

Zu den Hamburger Symphonikern hieß es vom Senat: "Die Stadt hält an dem Ziel fest, das Orchester mittelfristig zu einem A-Orchester aufzubauen." Die damit verbundene zugesagte Erhöhung der Subventionen fällt nun aber niedriger aus, als zunächst geplant: Laut Kulturbehörde im Kalenderjahr 2010 gibt es 1,45 statt 1,5 Millionen Euro mehr als bisher, in 2011/12 sind es 1,4 statt 1,5 Millionen Euro. "Wir leisten damit unseren Beitrag zur Konsolidierung der städtischen Finanzen", hieß es dazu von Orchesterseite. Mit welchen Maßnahmen der Fehlbetrag ausgeglichen werden soll, ist momentan unbekannt.

Die Museumsstiftungen werden erst ab 2011 in die nun beschlossene Sparpflicht genommen, sie sollen zunächst weitere Fortschritte bei ihrer Konsolidierung und Umstrukturierung machen, hieß es aus der Kulturbehörde. Ab 2011 sollen bis zu 20 Prozent des Personalaufwands eingespart werden, ohne dass Kündigungen ausgesprochen werden.

Die Staatsoper, das Philharmonische Staatsorchester und das Hamburg Ballett bekommen laut der Pressestelle des Hauses an der Dammtorstraße in der nächsten Spielzeit 736 000 Euro weniger aus dem Stadtsäckel. Dazu kommen noch einmal rund 470 000Euro aus der Differenz der nicht erstatteten Tariferhöhungen, sodass das Haus ingesamt in jenem Zeitraum mit rund 1,17 Millionen Euro weniger auskommen muss.

"Diese Beträge sind mit einer Erhöhung der Eintrittspreise alleine nicht zu realisieren", hieß es Freitag in der offiziellen Reaktion aus der Dammtorstraße, "es wird nun darum gehen, wie man die restlichen Beträge einsparen kann, ohne dass es zu künstlerischen Einschränkungen kommt".

Jack Kurfess beschrieb die Vorab-Bekanntgabe der Auflagen am Freitag in der Kulturbehörde folgendermaßen: "Wir, die drei Staatstheater-Geschäftsführer, haben uns das angehört, sind dann gegangen und haben geschluckt."