Gesundheit: Lungenfacharzt Dr. Martin Ehlers warnt vor Gefährlichkeit der Influenza

Grippewelle hat Hamburg erreicht

Der späte Beginn liege in dieser Saison an der warmen Witterung. Ehlers erwartet in den nächsten Tagen eine rasche Ausbreitung. Auf Hamburg rollt eine Grippewelle zu. Die ersten Fälle sind bereits aufgetreten. "Es geht jetzt richtig los", kündigt Lungenfacharzt und Grippeexperte Dr. Martin Ehlers (44) an.

Auf Hamburg rollt eine Grippewelle zu. Die ersten Fälle sind bereits aufgetreten. "Es geht jetzt richtig los", kündigt Lungenfacharzt und Grippeexperte Dr. Martin Ehlers (44) an. Der Hamburger Mediziner ist Mitglied der deutschen Expertenkommission für die Prophylaxe und Therapie der Influenza (Grippe). Dass die Grippewelle in dieser Saison ungewöhnlich spät beginne, liege an der warmen Witterung der vergangenen Wochen. Denn erst mit zunehmender Kälte schwinden die Abwehrkräfte. Der Mediziner erwartet in den nächsten Tagen eine rasche Verbreitung in der Stadt. "Alle Anzeichen deuten darauf hin", sagt er.

Die Gefährlichkeit der Grippe - nicht zu verwechseln mit der harmlosen Erkältung, dem sogenannten grippalen Infekt - wird oft unterschätzt. Bei der letzten Welle vor zwei Jahren zum Beispiel starben allein in Deutschland 10 000 Menschen an Grippe, so die Schätzung des Robert-Koch-Instituts in Berlin.

Influenza-Viren haben auch die Spanische Grippe von 1918 ausgelöst. Damals kamen weltweit zwischen 20 und 50 Millionen Menschen um. Bei einer Grippewelle trifft es besonders Ältere über 60 Jahren und solche, die durch andere, chronische Erkrankungen geschwächt sind. Ihnen wird deshalb eine Impfung besonders empfohlen.

Die Verbreitung der Viren läuft nach einem Muster ab. Von Asien kommend verbreiten sich die Erreger in Deutschland meist von Süden aus in Richtung Norddeutschland. In diesem Jahr ungewöhnlich: "Die Erreger erreichen Hamburg gleichzeitig aus Südwesten und dem Osten von Deutschland", sagt Ehlers.

In Kindergärten und Tagesstätten geht es zuerst los. In einigen Hamburger Einrichtungen sind schlagartig mehrere Dutzend Kinder erkrankt. Hier haben die Viren leichtes Spiel. Denn die Kleinen sind meist nicht gegen Grippe geimpft. Und der enge Kontakt untereinander sorgt für rasche Ansteckung.

Der Trick der Viren: Jedes Jahr ändern sie ihre Oberflächenstruktur. Je größer die Unterschiede im Vergleich zu den Vorjahren, desto geringer ist die Widerstandskraft, die das menschliche Immunsystem ihnen entgegensetzt. Und umso größer ist ihre Verbreitung. Manchmal sind bis zu 20 Prozent der Bevölkerung erkrankt.

Ehlers nennt die klassischen Krankheitssymptome: "Schlagartiger Beginn mit hohem Fieber, schweres Krankheitsgefühl, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und trockener Husten." Wer in diesen Tagen darunter leide, "hat mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Grippe", so Ehlers. Sein Tipp: sofort zum Arzt gehen und sich mit Viren hemmenden Mitteln behandeln lassen, um schneller gesund zu werden und die Gefahr von Komplikationen wie Lungen- oder Herzmuskelentzündungen zu verringern.

So wie die Patienten bei Dr. Dietrich Lau, Allgemeinmediziner in Eppendorf. Lau: "Seit drei Tagen ist jeder dritte Patient grippekrank." Patientin Celia Bijore (24) aus Spanien, zu Besuch in Hamburg, litt plötzlich unter hohem Fieber und Husten. Die Diagnose: Grippe.

Die gute Nachricht: Das jetzt grassierende Virus (Influenza-A-Typ) passt gut zu dem aktuellen Impfstoff. Ehlers: "Wer geimpft ist, muss keine Angst haben." In diesem Jahr gab es einen historischen Impfrekord, ausgelöst durch die Angst vor einer Vogelgrippe. Bundesweit standen 24 Millionen Impfdosen zur Verfügung, so viel wie noch nie.

Tritt die Grippe in einer Region massenhaft auf (1,5 Verdachtsfälle pro 100 Patienten), spricht man von einer Epidemie. Pandemien - wenn mehrere Länder oder Kontinente betroffen sind - sollen mit modernen Warnsystemen im Zaum gehalten werden. "In der Menschheitsgeschichte waren wir noch nie so gut gerüstet", sagt Ehlers. "Wir besitzen Anti-Virus-Mittel für den Erkrankungsfall, die Neuraminidase-Hemmer, und ein weltweites Überwachungssystem der WHO."