Wandsbek

Pfefferspray-Einsatz auf Demo gegen den Kollegen

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Jan-Eric Lindner

Ein Bild und seine Geschichte: Wie der Polizist Bastian Trillke, 36, verletzt wurde und nach vielen Jahren seinen Ausbilder wiedertraf.

Wandsbek. "Du musst leider umdrehen. Aber mach gemütlich, keine Hektik", sagte einer der Polizisten am Rande der Ausschreitungen anlässlich der Neonazi-Demo in Wandsbek zu Bastian Trillke, 36. Mit seinem Fahrrad hatte der 36-Jährige einen Weg gesucht, nach Hause zu kommen. Kurz nach den Worten des Beamten, die ihm signalisierten, dass keine Gefahr im Verzug sei, rannte der Beamte oder einer seiner Kollegen ihn offenbar einfach um. Trillke fand sich auf dem Asphalt wieder. Der Mann mit der roten Jacke, der da nun neben seinem Rad saß, bemerkte einen stechenden Schmerz in den Augen, auf der gesamten rechten Gesichtshälfte: Pfefferspray. Was das alles sollte, das versteht Trillke noch immer nicht recht. Dabei ist er mit polizeilicher Arbeit eigentlich bestens vertraut. Er selbst ist Angestellter im Polizeidienst (AiP), wird im Objektschutz und zur Verteilung von Strafzetteln eingesetzt. Der Mann, der ihn damals ausbildete, kam ihm nun auf der Straße zu Hilfe.

Trillke ist nicht der Einzige, dem bei dem Großeinsatz am Wochenende, an dem 4400 Polizisten beteiligt waren, Ungemach widerfahren ist: Eine Friseurin schilderte der "Mopo", dass sie, obgleich sie nur an einer Sitzblockade beteiligt gewesen sei, in der Griesstraße brutal über einen Poller geschubst wurde und einen Schädelbruch erlitt. Zeugen sagten, dass das Vorgehen der in diesem Falle sächsischen Polizisten gegen die Frau überzogen gewesen sei.

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Bastian Trillke erhebt ähnliche Vorwürfe: "Nachdem der Beamte mir an der Griesstraße bedeutet hatte, umzudrehen, hab ich das natürlich getan. Ich war wohl etwa drei Meter gegangen, als die Reihe Polizisten plötzlich an mir vorbeistürmte. Ohne Anlass, soweit ich das beurteilen kann. Da bemerkte ich auch schon das Pfefferspray. Ich suchte in meinem Rucksack nach Wasser. Um mir die Augen auszuspülen. Sie haben fürchterlich gebrannt." Außerdem schmerzte Trillkes Schienbein. Er war auf die scharf gezackte Pedale seines eigenen Rades gefallen. Am schlimmsten aber war das Pfefferspray. "Ich habe nichts mehr gesehen, wusste nicht, was geschieht", schildert Trillke die Situation. Weil ich Asthmatiker bin, bekam ich Atemnot, wollte nur noch Hilfe."

Trillke bekam Hilfe: Ein Hamburger Beamter nahm die Wasserflasche in die Hand und spülte dem Angestellten die Augen aus.

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Als Trillke sie öffnete, sah er, verschwommen, ein bekanntes Gesicht: Der Mann in der Uniform war sein ehemaliger Ausbilder, von dem der Polizeiangestellte Teile seines Lehrinhalts vermittelt bekommen hatte. Auch der Ausbilder erkannte ihn. Er erkundigte sich, ob so weit alles in Ordnung sei. Dann musste er wieder in den schweren Einsatz, bei dem am Ende des Tages auch 50 im Dienst befindliche Polizeibeamte durch Wurfgeschosse, Steine oder Flaschen verletzt worden waren - deutlich mehr, als zunächst angegeben wurden. Sie erlitten Prellungen, Zerrungen. Bänderrisse. Sieben von ihnen sind wegen ihrer Verletzungen zunächst dienstunfähig.

Polizeisprecher Mirko Streiber sagt: "Auch den Fall des Angestellten werden wir selbstverständlich bis ins letzte Detail klären." Der Innenausschuss der Bürgerschaft will den Einsatz am 21. Juni aufarbeiten. Mehrere Fraktionen hatten die Sondersitzung gefordert. Der Einsatz war einer der größten in der Hamburger Polizeigeschichte: Den 700 demonstrierenden Neonazis standen mehrere Tausend Gegendemonstranten gegenüber. Etwa 2000 von ihnen zeigten Gewaltbereitschaft.

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