Kommentar

Islamistische Rattenfänger

Radikale Szene will Schüler für ihre Ideen gewinnen

Ältere Männer mit weißen Bärten und weißen Gewändern kommen vielen in den Sinn, wenn von Islamisten die Rede ist. Dass es sich bei den radikalisierten Religionsanhängern aber auch um Jugendliche in Jeans und Turnschuhen handeln kann, ist ein neues Phänomen. Laut dem neuen Verfassungsschutzbericht werben junge Islamisten nun auch an Schulen bei Gleichaltrigen für ihren verbotenen Verein Hizb ut-Tahrir. Ausgerechnet Schüler also, gelten sie doch bisweilen als orientierungslos und deshalb als besonders beeinflussbar.

Die islamistische Szene rekrutierte ihre Anhängerschaft zuletzt in Moscheen wie der Taiba-Moschee am Steindamm. Die gescheiterte "Hamburger Reisegruppe" um den bei einem Drohnenangriff ums Leben gekommenen "Schwertmann" Abu Askar etwa stammte von dort. Nach der Schließung der Moschee geht die Szene nun andere Wege. Dass sie es jetzt aber an Schulen versucht, zeigt auch deren Orientierungslosigkeit. Zudem handelt es sich bislang nur um vereinzelte Versuche und nicht um ein Massenphänomen.

Es wäre dennoch gefährlich, die Rekrutierungsversuche der Islamisten als harmlos abzutun. Beruhigen kann immerhin eines: Anders als vor dem 11. September 2001 agiert die Szene nicht mehr unbeobachtet. Heute schauen ihr die Sicherheitsbehörden auf die Finger.