Islamisten mit Alsterblick

Viele Muslime in Hamburg sind besorgt: Unter dem Deckmantel eines "Friedenskongresses" kommen Pfingsten Extremisten in die Imam-Ali-Moschee

Frieden im Herzen - Ein Herz voller Frieden. So lautet der Titel eines Referats, das Yavuz Özoguz am Pfingstsonntag um 11.30 Uhr in der Hamburger Imam-Ali-Moschee halten will. Das Gotteshaus liegt an einem der schönsten Plätze Hamburgs direkt an der Alster. Die Straße heißt nicht umsonst Schöne Aussicht. Özoguz ist gemeinsam mit seinem Bruder Gürhan Leiter des Vereins "Islamischer Weg", der seinen Sitz in der Provinz hat: in Delmenhorst bei Bremen. Die Schwester der beiden ist Aydan Özoguz. Sie ist verheiratet mit dem Hamburger SPD-Fraktionschef Michael Neumann und sitzt selber für die SPD im Bundestag. Aydan Özoguz ist eine Bilderbuch-Sozialdemokratin und ein gern zitiertes Beispiel für gelungene Integration. Von ihren Brüdern würde das niemand behaupten.

Deren Verein der "Islamische Weg" wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Vor einigen Jahren musste Yavuz Özoguz aus den Diensten der Universität Bremen ausscheiden, da man von der Homepage seines Vereins direkt zum Internetauftritt der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah gelangte, die für zahlreiche Anschläge auf israelische Soldaten verantwortlich ist. Sie steht dem Regime in Teheran nahe. Sehr nahe.

Der Einfluss der iranischen Regierung auf die Muslime in Hamburg und in ganz Deutschland wächst. Als Vehikel dient die Imam-Ali-Moschee. Jeder Geistliche, der im dortigen Islamischen Zentrum Hamburg seinen Dienst verrichtet, genießt das besondere Vertrauen des iranischen Revolutionsführers Khamenei. Er hat sie selbst ausgesucht. Dem Verfassungsschutz gilt die Moschee samt Gemeinde daher als "Propaganda-Einrichtung" des Iran, mithin die wichtigste in Europa.

"Der Export der islamischen Revolution ist im Iran Verfassungsauftrag", sagt Hamburgs Verfassungsschutzchef Heino Vahldieck. Und das Ziel der Revolution ist die Einrichtung eines theokratischen Staates nach islamischen Prinzipien. "Und dazu gehören eben nicht Demokratie, Gleichheit von Frau und Mann und Religionsfreiheit." Das alles ist das Bestreben einer Regierung, das nach der Atombombe greift und das Existenzrecht Israels leugnet.

Das Islamische Zentrum Hamburg ist - da ist der Verfassungsschutz sicher - eine hochrangige Verbindungsstelle zum iranischen Regime. Es beeinflusst bundesweit viele schiitische Moscheen und Vereine.

Die jetzige Führung der Moschee steht nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer nicht für eine Lockerung der extremistischen Ziele. Im Gegenteil. "Wir beobachten seit zwei, drei Jahren, dass diese wieder ernster genommen werden", sagt Vahldieck. Der jetzige Imam, Ayatollah Reza Ramezani, ist nach den iranischen Parlamentswahlen im Frühsommer 2009 ins Amt gekommen. Er hat seinen gemäßigteren Vorgänger abgelöst.

Die Umbesetzung der Führung sorgte bei den gemäßigten Mitgliedern der Gemeinde für großes Aufsehen. Ebenso die Abberufung von zwei liberalen Mitarbeitern des iranischen Konsulats in Hamburg. Ohnehin stehen Exil-Iraner unter der Aufsicht des Geheimdienstes ihres Geburtslandes. So fotografieren und filmen iranische Agenten Protestaktionen ihrer Landsleute, führen genau Buch, wer sich daran beteiligt.

Zwar haben die Betroffenen den Geheimdienst in Hamburg nicht zu fürchten. Die Sorge, dass ihre im Iran lebenden Verwandten Repressalien ausgesetzt werden, erscheint dagegen berechtigt.

Dass nun über die Pfingsttage ein Treffen ausgerechnet von dem Verein "Islamischer Weg" in der Gemeinde organisiert wird, verstärkt daher die Angst der Gemäßigten.

Eine weitere Führungskraft des "Islamischen Weges" und seines Vorgängervereins, Mohammad-Ali Ramin, ist mittlerweile in die Führungsspitze des Regimes in Teheran aufgerückt. So vermeldete das von den Gebrüdern Özoguz gesteuerte "Muslim-Forum" am 3. November 2009 erfreut, dass Mitstreiter Ramin nunmehr der iranischen Regierung angehöre. Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad hat den lange in Winterhude aktiven Muslim Ramin zum stellvertretenden Minister für Kultur und Rechtleitung ernannt.

Vor ein paar Jahren war Ramin wegen seiner Hetze das Visum für die Einreise nach Deutschland verwehrt worden. Daraufhin war die Islamische Tagung deutschsprachiger Muslime in Hamburg geplatzt. So etwas ist diesmal nicht zu erwarten.

Stattdessen werden unter scheinbar friedfertigen Symbolen vom Freitag nächster Woche an drei Tage lang Vorträge, Diskussionen, Kuchenrunden mit Tee sowie ein "Überraschungsabend mit islamischer Musik und Gewinnspielen" angeboten. Der Teilnehmerbetrag für Erwachsene beträgt für das komplette Wochenende 25 Euro, sechs Mahlzeiten inklusive. Es scheint also Sponsoren zu geben. Erwartet werden Hunderte deutschsprachige Muslime.

Die Tarnung sei perfekt, meinen gemäßigte Gemeindemitglieder. Die Wochenzeitung "Die Zeit" schrieb unter dem Titel "Heimlicher Hass", dass der "Islamische Weg" große Anstrengung darauf verwende, "den politischen Charakter ihrer Bewegung zu kaschieren". Unter anderem veranstaltete der Verein mehrfach Demonstrationen in Berlin, die zur "Befreiung" Israels von den Juden aufrief.

Offen Kritik zu äußern traut sich bislang nur der Buchautor Peter Schütt, der seit 20 Jahren der deutschsprachigen Gemeinde am Islamischen Zentrum angehört. Er hat dem Imam Ayatollah Reza Ramezani im vergangenen Monat einen Brief geschrieben. Darin prangert er an, dass "die öffentlichen Äußerungen der Vereinigung Islamischer Weg zur Gesellschaftsordnung in Deutschland, dem Existenzrecht Israels, zum Terrorismus, zur Todesstrafe und zur Religionsfreiheit nicht im Einklang mit den Grundsätzen stehen, auf die sich die überregionalen Islamverbände in Deutschland geeinigt haben".

Das Auftreten des "Islamischen Wegs" trage nicht dazu bei, die zersplitterte muslimische Gemeinde in Deutschland zu einen. Schütt befürchtet in dem Brief weiter, dass die Moschee "als Austragungsort für die innenpolitischen Richtungskämpfe im Iran missbraucht" werde. Auch seine Bitte, dafür Sorge zu tragen, dass das Islamische Zentrum nicht als Tarnadresse für extremistische Einzelgänger genutzt werde, ließ der Imam bislang unbeantwortet.

Die Sorge der Muslime vor dem Einfluss von Islamisten teilt auch Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU). Bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts in der vergangenen Woche bezeichnete er den islamistischen Terror als "größte Gefahr für den Rechtsstaat". Treffpunkt der Dschihadisten, der Anhänger des "Heiligen Krieges", ist dagegen nicht die schiitische Imam-Ali-Moschee an der Außenalster, sondern die Taiba-Moschee (früher Al-kuds-Moschee) in St. Georg, in der Sunniten zusammentreffen. Genau dort versammelten sich die Attentäter des 11. September um Mohammed Atta.

Während an der Alster eher die Ideologen zusammenkommen, sind es am Steindamm eher die Befürworter und Finanziers des "Dschihad", des "Heiligen Krieges", der militantesten Strömung des Islamismus. Die Behörden gehen davon aus, dass es rund 2000 Islamisten in Hamburg gibt. Die Zahl der gewalt- und tatbereiten sogenannten "Heiligen Krieger" schätzt der Verfassungsschutz auf etwa 45.

Das Pfingstwochenende in der Imam-Ali-Moschee beginnt mit einem Vortrag über Integration um 17 Uhr. Danach wird gegessen. Letzter Punkt um 21.50 Uhr: Gebetszeit. Mit anschließender Nachtruhe.