50.000 Muslime in Hamburg gehen regelmäßig in Moscheen

Einige Gebetshäuser stehen im Visier des Verfassungsschutzes

Araber und Afghanen, Iraner und Indonesier, Pakistani und Türken - in Hamburg leben mehr als 140 000 Muslime aus vielen Nationen. Etwa 50 000 gelten als gläubig: Sie besuchen freitags und an Feiertagen eine der 52 Moscheen in Hamburg. Nur die wenigsten dieser Gebetshäuser haben Kuppel und Minarett, viele sind in Hinterhöfen, Büroräumen und in umgebauten Lagerhallen entstanden - oder, wie die Centrum-Moschee, im ehemaligen Hammoniabad in St. Georg.

Wie in den meisten islamischen Ländern stellen die Sunniten unter den Muslimen auch in Hamburg die Mehrheit. Allerdings ist der Anteil der Schiiten, zu denen auch Iraner und Iraker gehören, hier mit knapp fünf Prozent deutlich niedriger als im Schnitt weltweit (zehn Prozent). Nach Angaben des Instituts für Islamwissenschaften gibt es in Hamburg drei schiitische Gemeinden: In der Ali-Pasa-Moschee an der Hamburger Straße, in der Nooralhuda-Moschee am Billbrookdeich und in der Imam-Ali-Moschee an der Schönen Aussicht. Besonders für die iranisch geprägte Imam-Ali-Moschee interessiert sich der Verfassungsschutz: Hier treffen sich unter anderem Anhänger der schiitischen Hizb Allah.

Unter Beobachtung stehen etwa 20 weitere Gruppierungen und ihre Moscheen. Zu denen, die den Dschihad - den "Heiligen Krieg" - befürworten und unterstützen, zählt der Verfassungsschutz die sunnitisch-islamistischen Gruppen Jizb ut-Tahir und die Türkische Hizbullah. Eindeutige islamistische Tendenzen sieht er auch bei der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, der etwa zehn Moscheen in Hamburg angehören. Den Schwerpunkt sieht der Verfassungsschutz in der Centrum-Moschee an der Böckmannstraße.

Weit über Hamburg hinaus bekannt ist die ehemalige Al-Quds-Moschee, die sich vor Kurzem in Taiba-Moschee umbenannt hat. Als Hauptanziehungspunkt der Dschihadisten-Szene steht sie ganz oben auf der Agenda des Verfassungsschutzes - hier gingen schon die Attentäter vom 11. September ein und aus. Weder die Taiba-Moschee noch der Dachverband der Türkisch-Islamischen Union "Ditip" oder die islamischen Kulturzentren gehören zur Schura, dem Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg: Sie entsprechen nicht den Richtlinien der Organisation, die nach eigenen Angaben für einen "Islam im Einklang mit den Werten der Demokratie" eintritt.