Erzbistum Hamburg

Neue Missbrauchsfälle - Vorermittlungsverfahren

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Der Pfarrer der St.-Joseph-Kirche auf St. Pauli wurde suspendiert und in den Ruhestand versetzt. Staatsanwaltschaft Lübeck wurde informiert.

Hamburg. Die Welle von Anzeigen gegen Priester wegen sexuellen Missbrauchs ebbt nicht ab. Das Erzbistum Hamburg hat einen Pfarrer der St.-Joseph-Kirche auf St. Pauli vom Dienst suspendiert und in den Ruhestand versetzt. Er gestand, sich in den 70er- und 80er-Jahren an mehreren Kindern vergangen zu haben. Das Erzbistum hat deshalb die zuständige Staatsanwaltschaft Lübeck informiert.

Vorausgegangen war ein Anruf eines Mannes beim Erzbistum in der vergangenen Woche. Er sagte aus, dass er 1975 als Zwölfjähriger von dem Priester in drei Fällen sexuell missbraucht worden sei. Begonnen hatte es in einem Ahrensburger Pfarrhaus. Dort sei seinerzeit eine Reise zu einem internationalen Pfadfinder-Treffen im norwegischen Lillehammer vorbereitet worden. In Lillehammer selbst und bei der Nachbereitung des Treffens in Hamburg habe es weitere sexuelle Übergriffe auf das Kind gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Klaus-Dieter Schultz und bestätigte dem Abendblatt die Anzeige.

Nachdem der anonyme Hinweis des Mannes beim Bistum eingegangen war, bestellte die Leitung den Priester zu einem Gespräch ein. Darin gestand er, nicht nur dieses Opfer missbraucht zu haben, sondern nannte auch weitere Betroffene. Er sagte aus, dass es zwischen 1972 und 1984 zu sexuellen Übergriffen gekommen sei. "Er hat Namen genannt", sagte Bistumssprecher Andreas Herzig. Die zuständigen Gemeinden seien mittlerweile informiert worden. Diese sollten nun Kontakt mit den Opfern aufnehmen. Laut NDR "Hamburg Journal" sei der Priester noch vergangene Woche in seiner Gemeinde tätig gewesen.

Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat nun ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet. "Wir prüfen die Anzeige nun auf strafrechtliche Relevanz", sagte Oberstaatsanwalt Schultz. Darunter falle auch, ob die Taten womöglich bereits verjährt sind. Nur schwerste Missbrauchstaten, die eine lebenslange Freiheitsstrafe zur Folge haben, verjähren laut Schultz erst 30 Jahre nach dem 18. Geburtstag des Opfers. Seit Februar hat das Erzbistum Hamburg bereits 13 seiner Priester wegen sexuellen Missbrauchs bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Zuletzt versetzte es im April einen Pfarrer in den Ruhestand.