Hamburg

Schüler am Gymnasium Blankenese an EHEC erkrankt

Das Hauptgebäude des Gymnasiums Blankenese an der Oesterleystraße. Der EHEC-Fall trat an der Dependance für Fünft- und Sechstklässler am Kahlkamp auf.

Das Hauptgebäude des Gymnasiums Blankenese an der Oesterleystraße. Der EHEC-Fall trat an der Dependance für Fünft- und Sechstklässler am Kahlkamp auf.

Foto: Roland Magunia

Nach Kita-Kindern hat sich auch ein Fünftklässler mit den gefährlichen Bakterien infiziert. Mehrere Schüler mit Kontaktsperre belegt.

Hamburg.  Am Gymnasium Blankenese gibt es einen EHEC-Fall. In einer 5. Klasse ist ein Schüler erkrankt. Die Eltern machen sich große Sorgen. Das Gesundheitsamt hat die Schule angewiesen, die Toiletten desinfizieren zu lassen. Ein Spezialfirma hat das erledigt und die Klassenräume gleich mit desinfiziert. Die Schulleitung hat ein Informationsschreiben an Schüler, Lehrer und Eltern herausgegeben. Das Gymnasium Blankenese war bereits 2012 von einer EHEC-Epidemie betroffen.

EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli) ist ein Bakterium und verursacht eine Durchfallkrankheit, die meldepflichtig ist. Den Erreger tragen alle Menschen in sich, normalerweise bleibt er unbemerkt. Im Falle einer Erkrankung gibt es mehrere Varianten, von denen einige harmlos, andere aber lebensgefährlich sind.

Im Jahr 2011 starben 53 Menschen an EHEC

Im Jahr 2011 waren bei einer EHEC-Epidemie in Norddeutschland insgesamt 3000 Menschen erkrankt, 855 von ihnen an der schweren Form HUS, die zu Nierenversagen führen kann. 53 Menschen starben. Auslöser sollen damals mit Schmutzwasser verunreinigte Gurken gewesen sein, später galten Bockshornkleesamen als Verursacher. Zur Übertragung reicht bereits nachlässige Hygiene nach einem Toilettengang aus.

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Der Krankheitsfall am Gymnasium Blankenese ist am Montag an der Dependance für Fünft- und Sechstklässler am Kahlkamp aufgetreten. Als die Krankheit diagnostiziert wurde, war der Schüler schon nicht mehr in die Schule gekommen. Die unmittelbar betroffenen Eltern wollten sich gegenüber der Presse nicht äußern, machen sich aber trotz der Beschwichtigungen von offizieller Seite aus große Sorgen. Der stellvertretende Elternratsvorsitzende Maarten Henderson bescheinigte der Schulleitung, gut und schnell reagiert und umfassend aufgeklärt zu haben.

Gibt es einen Zusammenhang zu den EHEC-Fällen 2012?

Auf Veranlassung des Gesundheitsamtes sind die Räume am Kahlkamp bereits desinfiziert worden. Die Schulleitung hatte den Wandertag am Dienstag für die Maßnahme genutzt, weil die Räume da ohnehin leer waren. Ob es einen Zusammenhang zum erneuten Auftreten des Erregers nach dem Befall 2012 gibt, war am Montag zunächst unklar.

Mittlerweile ist das Bezirksamt jedoch sicher, dass dies nicht der Fall ist. "2012 gab es einen Zusammenhang zum parallel aufgetretenen Noro-Virus", sagte der Sprecher des Bezirksamtes Altona, Martin Roehl. "Da lag die Sache also sehr anders."

Bezirksamt sieht nur geringe Gefahr

Auch deshalb sind die eingeleiteten Maßnahmen in Blankenese bisher deutlich hinter dem Aufwand zurückgeblieben, der 2012 betrieben werden musste. Das Hauptgebäude an der Oesterleystraße ist nicht betroffen.

Das Amt schätzt die Risiken für die Infektion weiterer Schüler als gering ein. Das hatte Schulleiter Joachim Hagner in seinem noch am Montag, also unmittelbar nach Bekanntwerden des EHEC-Falles, herausgegebenen Informationsschreiben an die Elternschaft auch transportiert. Trotzdem verschickte er auch ein behördliches Merkblatt mit Basisinformationen zum EHEC-Bakterium. "Besser möglichst vollständig informieren als zu wenig", sagte Hagner abendblatt.de.

Auch Geschwisterkinder müssen zu Hause bleiben

Laut Bezirksamt hat der Schüler den Erreger aus dem Urlaub in Marokko mitgebracht. Die beiden Geschwister seien nicht erkrankt, dürften aber wegen der zumindest theoretisch bestehenden Ansteckungsgefahr nicht in die Schule. Das Gesundheitsamt hat noch weitere Schüler ermittelt, die mit dem Erkankten in Kontakt gekommen sind, und auch sie vom "Aufsuchen von Gemeinschaftsräumen" ausgeschlossen.

Gesund ist erst, wer es amtlich bescheinigt bekommt

Für den Kontakt in Kita oder Schule müssen die Kinder amtlich wieder zugelassen werden. Erst wenn drei in regelmäßigen Abständen genommene Stuhlproben hintereinander ohne Befund sind, wird die Kontaktsperre aufgehoben.

Auch in einer Bergedorfer Kita sind mehrere Kinder an dem gefährlichen Erreger erkrankt. Alle Beteiligten sind zwar mittlerweile wieder beschwerdefrei, aber in die Kita kommen dürfen sie erst einmal noch nicht. Erst sollen Stuhlproben Aufschluss darüber geben, ob der Erreger noch aktiv ist.

Die EHEC-Symptome

Die Blankeneser Eltern sind informiert und haben Maßgaben bekommen für den Fall, dass ihre Kinder Symptome wie schmerzhafte Bauchkrämpfe, Übelkeit und wässrigen Durchfall zeigen. Problematisch wird es, wenn der Stuhl blutig ist. Wegen der Entzündung im Darm kann Fieber dazukommen. Als besonders gefährdet gelten Säuglinge und ältere Menschen mit geschwächter Abwehr.

Die Infektionen können ohne Symptomatik verlaufen und somit unerkannt bleiben. Die Mehrzahl der sichtbaren Erkrankungen tritt zwei bis zehn Tage (durchschnittlich drei bis vier Tage) nach der Ansteckung auf, schreibt das Amt in seinem Merkblatt.

Eine Infektion ist durch Verzehr von rohem Fleisch und Rohmilchprodukten möglich. Auch pflanzliche Lebensmittel können das Bakterium übertragen, wenn sie durch Dung verunreinigt sind. Direkte Tierkontakte insbesondere mit verkotetem Fell sind bei ungenügender Händehygiene ebenfalls eine Infektionsquelle.