Medizin

Schnellere Diagnostik im Altonaer Kinderkrankenhaus

Finja, Ärztin Madeleine Fischer (l.) und
Mitarbeiterin Frauke Meinken.

Finja, Ärztin Madeleine Fischer (l.) und Mitarbeiterin Frauke Meinken.

Foto: Michael Rauhe

Made in Hamburg: Ein neuer Computertomograf liefert in wenigen Sekunden Hunderte von Bildern – bei reduzierter Strahlenbelastung.

Hamburg. Auf dem Computer ist das Bild einer schiefen Wirbelsäule zu sehen, in Farbe und gestochen scharf. Es geht um die Patientin Finja (13) aus Hannover, die an einer angeborenen Skelett-Deformierung leidet. „Dort“, zeigt der Kinderorthopäde Professor Ralf Stücker auf das Bild des Computertomografen, „müssen wir auch noch den Halswirbel entfernen.“

Seit Dienstag setzt das Altonaer Kinderkrankenhaus erstmals einen Computertomografen ein, der weltweit Spitze ist. Binnen weniger Sekunden liefert das unter anderem in Hamburg hergestellte medizinische Gerät Hunderte von Bildern – und das bei deutlich reduzierter Strahlenbelastung. Der „IQon Spectral CT“ basiert auf einer modernen Detektortechnologie, die neben den herkömmlichen Bildern auch 3-D-Optik und spektrale Bildinformationen bietet.

Hersteller ist Philips

Hersteller ist der Konzern Philips. Das Altonaer Kinderkrankenhaus sei die erste Kinderklinik in Europa, die ein solches Gerät einsetze, sagt Carsten Grell von Philips in Hamburg. Bislang seien in Europa 18 solcher Geräte verkauft. Der Preis: jeweils rund 1,5 Millionen Euro.

Bislang hatte das Altonaer Kinderkrankenhaus keinen eigenen Computertomografen. Die Patienten mussten sich für eine Spezialuntersuchung in eine andere Radiologie begeben – häufig mit längeren Wartezeiten. Mit dem eigenen CT sind die Wartezeiten für eine Untersuchung deutlich kürzer. Bei Akutdiagnostik könnten sofort Bilder erstellt werden, sagt Oberärztin Madeleine Fischer.

Strahlenbelastung reduziert sich um 50 Prozent

Vor allem aber reduziert sich die Strahlenbelastung um gut 50 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Geräten. Kurzfristige Wiederholungsuntersuchungen werde es nicht mehr geben, sagt Carl-Martin Junge, Leiter der pädiatrischen Radiologie im Altonaer Kinderkrankenhaus.

Für Patientin Finja dauerte die ganze Untersuchung inklusive Vorbereitung etwas mehr als fünf Minuten. Für die bildgebenden Verfahren waren indes nur wenige Sekunden notwendig. Hinter einer Glaswand saßen vor mehreren Bildschirmen die Mediziner und werteten die Bilder aus. Für den Einsatz mit der neuen Technik wurden sie geschult.

Völlig neue Bildanalyseoptionen

Kinderorthopäde Professor Ralf Stücker konnte sich anhand der vielen Aufnahmen ein umfassendes Bild von der Erkrankung machen. Durch die Entfernung des Halswirbels werde die Operation für Finja insgesamt sieben bis acht Stunden dauern. Mit guten Aussichten auf Genesung. Das Spectral-CT kann nach Firmenangaben grundsätzlich zur Untersuchung sämtlicher Erkrankungen genutzt werden, bei denen normalerweise ein CT gemacht wird. Der Vorteil bei diesem Gerät ist es, dass völlig neue Bildanalyseoptionen hinzukommen, denn der IQon ermöglicht neben präzisen Einblicken in die Anatomie auch Rückschlüsse auf Gewebeeigenschaften (Gewebetypisierung).

Zu den ersten Anwendern gehören das Klinikum rechts der Isar der TU München, die Uniklinik Köln, das Marienkrankenhaus Herne sowie das St. Claraspital in Basel. Neben dem Altonaer Kinderkrankenhaus setzt auch das Phoenix Children’s Hospital in den USA den CT-Scanner made in Hamburg ein.