Hamburg stillt

Stillleben – Mütter setzen ein Zeichen am Elbstrand

Die Fotografin Sonya Osmy hat stillende Mütter am Elbstrand fotografiert

Die Fotografin Sonya Osmy hat stillende Mütter am Elbstrand fotografiert

Foto: Sonya Osmy

Fotografin will mit Kampagne „Hamburg stillt“ Müttern Mut machen. Stillen in der Öffentlichkeit sei immer noch ein Tabu.

Hamburg. Sie sitzen entspannt auf einem Mäuerchen am Rande des Elbstrands, im Hintergrund ragen die Hafenkräne in den grauen Himmel. Rund ein Dutzend junger Frauen, die an einem öffentlichen Ort ihre Babys stillen – ein ungewohnter Anblick, auch in Hamburg.

„Stillen in der Öffentlichkeit ist leider keine Selbstverständlichkeit, sondern oft ein Tabu, ein Thema, das polarisiert und auf Verständnislosigkeit stößt“, sagt Sonya Osmy. Die Fotografin hat mit dem Fotoshooting am Sonnabend, bei dem das Bild mit den stillen Müttern entstanden ist, eine Kampagne gestartet, die ihr sehr am Herzen liegt.

Stillende Mütter sollen sich nicht schämen

Natürlich gebe es in Hamburg bereits viele Mütter, die ihre Babys selbstverständlich überall stillen. „Aber die frischgebackene Mama, die in der Bahn sitzt, das hungrige Baby stillt, während ihr stumme Tränen die Wange hinunterlaufen vor Scham und Unsicherheit, das war vor zwölf Monaten ich“, sagt Sonya Osmy über ihre eigenen Erfahrungen als junge Mutter. „Es ist ein unerträgliches Gefühl von Hilflosigkeit und Verzweiflung, wenn man sein eigenes Baby einfach nur versorgen will und glaubt, sich dafür schämen zu müssen.“

Die Bilder sollten anderen Frauen Mut machen, sagt sie. Denn schließlich ginge es darum, die Bedürfnisse eines Babys zu stillen. Und das müsse für Mütter jederzeit an jedem Ort möglich sein – ohne schief angeguckt zu werden. Die Fotos sollen helfen, das Stillen in der Öffentlichkeit zu einer Selbstverständlichkeit zu machen, sagt Sonya Osmy. „Eine stillende Frau zu sehen, darf keine Seltenheit mehr sein.“

Fahrer warf Mutter aus Bus

Immer wieder kommt es in auch Deutschland zu Fällen, in denen stillende Mütter aus Cafés, Bussen oder Vorlesungssälen gewiesen werden. Im vergangenen Jahr musste eine junge Frau einen Hamburger Bus verlassen, weil sie ihrem Kind die Brust gegeben hatte. Die Hochbahn entschuldigte sich später.